Bayern Angst vor Rudelbildung von Wölfen

Sie sind den Fotografen gewöhnt: Keine wilden Bayern-Wölfe, sondern Tiere aus einem Wildpark in Isselburg (Nordrhein-Westfalen). Foto: dpa
Sie sind den Fotografen gewöhnt: Keine wilden Bayern-Wölfe, sondern Tiere aus einem Wildpark in Isselburg (Nordrhein-Westfalen). Foto: dpa

Der einsame Wolf in der Oberpfalz hat vielleicht ein Weibchen gefunden. Die Landesregierung in München hat jetzt Angst vor einer Rudelbildung.

Korrespondenten: Paul Kreiner (pk)

München - Auf den oberpfälzischen Truppenübungsplatz Grafenwöhr hat ein Wolf seinen Kot hinterlassen. Der darf das, der wohnt seit ein paar Monaten dort. Aufregender finden Experten da schon einen weiteren, frischen Kothaufen. Er belegt nämlich – andere Hinweise hat man nicht –, dass da nun ein zweiter Wolf herumstreicht. Der erste ist männlich, der zweite weiblich. Und weil selbst bei Wölfen in diesen Wochen die Frühlingsgefühle ausbrechen; weil sich darüber hinaus auch im Nationalpark Bayerischer Wald ein Pärchen gefunden hat, befürchtet man im Freistaat bereits ein gefährliche „Rudelbildung“.

Düster prophezeit Walter Heidl, der Präsident des bayerischen Bauernverbandes: „Der Wolf entscheidet über Wohl und Wehe der Weidetierhaltung.“ Auch CSU und Freie Wähler warnen vor einem „Ende der bayerischen Almwirtschaft“. Gegen die Stimmen von Grünen und SPD haben sie im Umweltausschuss des Landtags per Dringlichkeitsantrag beschlossen, der im europäischen Recht sehr streng geregelte Schutzstatus des Wolfs müsse gelockert werden.

Die Jagd ist eröffnet

Die Jagd ist also eröffnet – bevor überhaupt jemand weiß, wie viele Wölfe in Bayern leben. Mehr als einstellig, schätzen Naturschützer unwiderlegt, dürfte ihre Zahl nicht sein. Jedenfalls sind es viel weniger als in östlichen Bundesländern und in Niedersachsen, wo es heute 46 Rudel geben soll. Von bayerischen Weiden haben sich „die“ Wölfe 2016 lediglich ein Schaf geholt, und der Aufschrei vom Januar 2017, als bei Passau ein Kalb gerissen wurde, verklang jäh. DNA-Analysen klärten zweifelsfrei: der Täter war ein Hund.

Beim Bund für Umwelt und Naturschutz sagen sie: „Der Wolf als Ureinwohner Bayerns kehrt zurück, und die erste Reaktion ist der Ruf nach der Flinte.“ Und: „So wie kaum jemand den Abschuss von Hunden fordern wird, so ist es maßlos übertrieben, den Wolf zum Hauptproblem der Weidetierhalter hochzustilisieren.“ Seht’s doch positiv, schreiben die Naturschützer: Würde der Wolf „in der Nahrungskette wieder den Platz einnehmen, den er jahrtausendelang innehatte“, dann wären die Wald- und Flurschäden durch die sich heute ungebremst vermehrenden Rehe und Wildschweine nicht so groß. Aber die Bestandsregelung bei solchen Tieren behalten menschliche Jäger lieber für sich.




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