BBL-Präsident Alexander Reil vor Top Four „Wir wollen in jeder Grundschule in Deutschland eine Basketball-AG haben“

Alexander Reil in Doppelfunktion – als Vorsitzender der MHP Riesen Ludwigsburg sowie Präsident der Liga Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Am Wochenende steigt in Oldenburg das Top Four um den Basketball-Pokal. Alexander Reil, Präsident der Basketball-Bundesliga (BBL), blickt im Interview schon mal über den Tellerrand hinaus.

Sport: Joachim Klumpp (ump)

Die MHP Riesen Ludwigsburg stehen an diesem Wochenende im Top Four um den deutschen Pokal in Oldenburg. Im Halbfinale treffen sie dabei am Samstag (16 Uhr) auf den Gastgeber. „Es gibt nur ein Ziel – das Turnier zu gewinnen“, sagt Ludwigsburgs Vorsitzender Alexander Reil, der zugleich Präsident der Basketball-Bundesliga (BBL) ist.

 

Herr Reil, die MHP Riesen haben im Vorfeld des Pokalturniers schon mal den Kürzeren gezogen, als die Oldenburger den Zuschlag zur Ausrichtung bekamen, für die sich Ludwigsburg ebenfalls beworben hatte. Was gab den Ausschlag?

Es war ein sehr transparentes Verfahren, an dem sich drei Vereine beworben haben, alle Halbfinalisten außer Alba Berlin. Wir haben von Anfang an gesagt, wer das beste Angebot macht, der erhält den Zuschlag. Zum Schluss hat Oldenburg den Vorteil gehabt, über eine Kapazität von etwa 1600 Zuschauern mehr zu verfügen und damit natürlich auch ein größeres Einnahmepotenzial zu haben. Und dann stehe ich zu dem, was wir im Präsidium der BBL vorab besprochen haben.

Dazu kommt, dass es für die Mannschaft Ende Januar trotz 18 Punkten Vorsprung gegen den Halbfinalgegner nicht zum Sieg gereicht hat. Was spricht am Samstag für die Riesen?

Das Halbfinale wird eine enge Partie, das sind zwei Mannschaft irgendwo auf Augenhöhe. Wir haben mit 18 Punkten geführt und verloren, aber beim Top Four ist jeder in der Lage, das Spiel zu gewinnen, deshalb gehen wir da optimistisch rein.

Der Pokal ist der kürzeste Weg zu einem Titel, der auf dem Briefkopf der MHP Riesen noch immer fehlt. Was würde ein – in Anbetracht eines möglichen Endspielgegners Bayern München oder Alba Berlin zugegebenermaßen nicht sehr wahrscheinlicher – Sieg denn für den Verein bedeuten?

Die Bedeutung eines Titels ist klar: Es ist das Größte, was man sportlich erreichen kann. Wir waren schon öfter in einem Finale, auch im Top Four, haben es am Ende aber nie ganz geschafft. Wenn wir jetzt nach Oldenburg fahren, gibt es letztendlich nur ein Ziel: Das Turnier zu gewinnen, auch wenn wir wissen, dass wir sicher nicht der Favorit sind.

Aus der Champions League fehlen 180 000 Euro

In der Champions League hat der Club vergangene Saison durch den dritten Platz allein 180 000 Euro an Prämien kassiert. Dieses Mal reichte es nicht zum Einzug in die Top 16, kann der nationale Pokal das wirtschaftlich kompensieren?

Es ist auf jeden Fall ein attraktiver Wettbewerb, auch finanziell. Wenn wir ins Finale einziehen könnten, wären wir in einer ähnlichen Größenordnung. Das ist ein Nebeneffekt, den wir gerne mitnehmen, aber das Sportliche hat Vorrang.

Der Pokal-Wettbewerb wird letztmals im aktuellen Format ausgetragen. Ab nächste Saison soll – ähnlich wie im Handball – ein fester Standort für fünf Jahre bestimmt werden, da fällt immer wieder der Name Düsseldorf. Wie weit sind die Gespräche?

Ob wir bereits 2024 in diese Richtung gehen, wissen wir noch nicht. Zunächst erweitern wir ab der nächsten Saison das Teilnehmerfeld um sechs Mannschaften aus der zweiten Liga (ProA), wobei die Bundesligisten der Plätze neun bis 16 eine Art Vorrunde spielen, bei der die Zweitligisten immer Heimrecht haben. Dadurch wird die Verzahnung zwischen erster und zweiter Liga noch enger. Grundsätzlich wollen wir aus so einem Top-Four-Wochenende ein richtig großes Event machen und vielleicht für eine gewisse Zeit an einen festen Standort vergeben. Da sprechen wir aktuell mit verschiedenen Hallenbetreibern und müssen schauen, bis wann wir ein schlüssiges Konzept haben.

Zudem wechselt die BBL im Sommer den Medienpartner, von der Telekom zu Dyn. Was versprechen Sie sich als Liga davon?

Zunächst einmal möchte ich betonen, dass die Telekom über all die Jahre eine sehr gute Arbeit geleistet. Ein ausschlaggebendes Argument war, dass sich die Liga in der Vergangenheit in vielen Bereichen sehr positiv weiterentwickelt hat, aber bei den Zusehern kaum mehr neue Personen erreichen konnte. Wir versprechen uns von dem „Konsortium“ aus Dyn als Streaminganbieter und dem Axel-Springer-Verlag eine ganz andere Präsenz und dadurch die Möglichkeit, zusätzliche Basketball-Interessierte zu bekommen.

Was kommt diesbezüglich auf die Vereine zu?

Ich denke, die Medienpartnerschaft wird nur dann erfolgreich, wenn auch wir als Liga und Vereine kräftig dazu beitragen. Am Ende wird es um Content gehen, um Inhalte, interessante Geschichten und Informationen, die über die verschiedenen Plattformen verbreitet werden. Wir müssen als Liga und Clubs davon wegkommen, zu brav zu sein. Da werden auch wir gefordert, aber das ist gut so, weil eine große Chance besteht.

Und rechnet es sich für die Clubs auch wirtschaftlich?

Wir haben einen sehr guten finanziellen Vertrag gemacht, ohne Details weiterzugeben.

Der finanzielle Mehrwert wäre dann eine Art Starthilfe für die höheren Anforderungen an die Mindestetats, die ja in den nächsten zehn Jahren verdoppelt werden sollen auf dann sechs Millionen Euro pro Club. Wie waren die Reaktionen darauf?

Ob es eine Starthilfe ist, sei mal dahingestellt. Aber es zeigt eines: Die Liga hat sich entwickelt, ebenso die allermeisten Clubs, was ein gutes Zeichen ist. Vor vielen Jahren hatten wir gemeinsam beschlossen, bis 2020 die beste Liga Europas zu werden. Auch wenn wir das vielleicht nicht zu hundert Prozent erreicht haben, hatten wir ein Ziel. Und das hat enorm geholfen, uns über die Jahre weiter zu entwickeln und andere europäische Ligen teilweise zu überholen. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns für die nächsten zehn Jahre wieder neue Ziele setzen, die mit Wachstum zu tun haben. Und das nicht nur auf Zahlen bezogen. So wollen wir versuchen, vielleicht in jeder Grundschule in Deutschland eine Basketball-AG zu haben.

Die Play-offs sind kein Muss

Wie wichtig ist für die MHP Riesen in dieser Saison das erneute Erreichen der Play-offs?

Die Erwartungshaltung in Ludwigsburg ist hoch. Mir hat zuletzt jemand vorgerechnet, dass wir auf die letzten vier, fünf Jahre bezogen die dritterfolgreichste Mannschaft sind hinter Berlin und den Bayern. Aber ich tue mich relativ leicht damit, weil ich die Realität kenne. Natürlich ist es immer ein Ziel, um den Einzug in die Play-offs zu kämpfen. Aber ich habe auch stets gesagt, es ist keine Katastrophe wenn wir mal Neunter oder Zehnter werden. Wir sind auf einem ordentlichen Weg, müssen uns aber sicher stabilisieren, um das Ziel zu erreichen.

Die MHP Riesen sind unter dem neuen Coach Josh King toll in die Saison gestartet, doch seit Weihnachten stottert der Motor. Wie ist der Stand bei einer Vertragsverlängerung und wovon hängt sie ab?

Darüber habe ich mir bis jetzt keine großen Gedanken gemacht. Zum gegebenen Zeitpunkt, das war bei ähnlichen Situationen Ende März, werden wir uns zusammensetzen. Eine Verlängerung ist nicht abhängig vom Tabellenplatz, sondern ob wir das Gefühl haben, dass sich etwas weiter entwickelt. Wir hatten uns bewusst dafür entschieden, ein sehr sehr junges Trainerteam zusammen mit David McCray zu engagieren, ohne große Erfahrung. Und da ist klar – das meine ich nicht negativ –, dass es ein Lernprozess ist, bei dem auch mal Fehler passieren.

Oder kommt gar John Patrick, in welcher Funktion auch immer, zurück? Dessen Vertrag in Japan läuft zunächst wohl nur ein Jahr und er wurde zuletzt beim Ligakonkurrenten Hamburg Towers ins Gespräch gebracht?

Dazu kann ich nur sagen: Ich habe letztes Jahr bis Ende April gedacht, dass John Patrick auch dieses Jahr bei uns Trainer ist, dann hat sich alles gewandelt. Wir haben nach so vielen Jahren schon noch engen Kontakt, aber darüber haben weder er noch ich gesprochen. Und ich glaube auch nicht, dass es für ihn momentan ein Thema ist.

Der Basketball-Funktionär

Alexander Reil
Der studierte Betriebswirt war sechs Jahre lang Geschäftsführer eines Autohauses. Seit 2002 ist er Vorsitzender der MHP Riesen Ludwigsburg und seit 2014 zudem Präsident der Basketball-Bundesliga BBL.

Top Four
Der Pokal wird in einem Top-Four-Turnier ausgespielt, das in Oldenburg ausgetragen wird. Dabei treffen die Riesen am Samstag (16 Uhr) auf den Gastgeber, das zweite Halbfinale bestreiten danach die Favoriten Alba Berlin und Bayern München. Das Finale steigt am Sonntag um 15 Uhr.

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