BBQ Festival in der Stuttgarter Messe Die Brandstifter stellen sich einem heißen Wettbewerb

Lauter Brandstifter: Ralf Ahrens (Mitte) mit den Teamkollegen Alex Rieck (links) und Dennis Graß Foto: /Kathrin Haasis

Stuttgart wird Grillhauptstadt der Welt: Mehr als 100 Teams kämpfen beim BBQ Festival in der Landesmesse um die Weltmeisterschaft, darunter vier Mannschaften aus der Region. Für manche Griller ist das Hobby längst zum Geschäftsmodell geworden.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Die Brandstifter sind fit – bis auf den Chef. Ralf Ahrens musste sich vor der Weltmeisterschaft noch seine Schulter operieren lassen. Aber den Grill beherrscht er auch mit nur einem Arm souverän, während der andere in einer Schlinge steckt. „Das Handwerkliche ist nicht die Herausforderung“, sagt er, während er nebenher 200 Burger brät, „das Timing und die nervliche Anspannung fordern uns am meisten.“ Brandstifter heißt sein Team aus Neuhausen auf den Fildern, das sich am 27. und 28. Juli einem heißen Wettbewerb stellt: Bei der Grillweltmeisterschaft im Außenbereich der Landesmesse treten an dem Wochenende 107 Barbecue-Mannschaften aus 23 Ländern gegeneinander an, darunter vier Teams aus der Region Stuttgart. „Eine Bierlaune“ hat die Brandstifter so weit gebracht.

 

Kaum selbstständig als Griller, schon ausgebucht

Ralf Ahrens ist für die kommenden zwei Jahre praktisch ausgebucht. In seinem früheren Leben war er als Einzelhandelskaufmann beschäftigt, mittlerweile steht er hauptberuflich am Grill. Er heizt für Hochzeiten, Firmenfeste, Weihnachtsfeiern oder Grillkurse an. Die 200 Burger gibt es nach der Zeugnisverleihung an einer beruflichen Schule. Der 35-Jährige ist das typische Beispiel „eines deutschen Flachgrillers“, den der Ehrgeiz gepackt hat. Zu grillen war für ihn offenbar von Anfang an ein Wettbewerb: Zunächst duellierte er sich mit seinem Schwiegervater, wer den besseren Krustenbraten vom Rost abliefert. Mit Videos und mit Kochbüchern bildete er sich fort – und jedes Wochenende beim Grillen im Garten mit Freunden. Dabei kam die Clique „tatsächlich aus einer Bierlaune heraus“ auf die Idee, ein Grillteam zu bilden, der Name war „eine Schnapsidee“. Bei ihrem ersten Start vor sechs Jahren bei der württembergischen Grillmeisterschaft wurden die Brandstifter prompt Zweite mit 0,5 Punkten Rückstand auf die Sieger.

Fast explosionsartig hat sich der Sport nach der Coronapause im Land entwickelt. Allein bei den baden-württembergischen Meisterschaften verdoppelte sich die Zahl der Teilnehmer von 2022 auf 2023 auf 14 Teams. „Die Szene ist weiter am Wachsen“, sagt Daniel Nonnenmann, der bis vergangenen November im Vorstand der German Barbecue Association (GBA) war und Mitglied des Stuttgarter Teams S.W.A.T. BBQ ist. Nach den USA, dem Heimatland des Barbecues, wo die Sklaven diese Art zu kochen populär machten, sieht er Deutschland mittlerweile mit großem Abstand an zweiter Position der Grillwettbewerbsnationen. Das ist für ihn eine erstaunliche Entwicklung, musste doch hierzulande für gewöhnlich „das Essen fertig sein, bevor die Glut überhaupt glüht“.

Zehn Teams aus dem Hot Spot Baden-Württemberg

Neben den Brandstiftern und S.W.A.T. BBQ sind mit Real Smoke BBQ und The Barbeeq’s zwei weitere Mannschaften aus der Region am Wochenende am Start, die sich allesamt bereits verschiedene Titel erkämpft haben, sowie sechs weitere aus Baden-Württemberg. Der aktuell amtierende Weltmeister „Smoke It All“ stammt allerdings aus Dänemark. Vor allem aus Europa sowie Lateinamerika reisen die Teilnehmer an, aus Ghana, Südafrika und Togo kommen drei Mannschaften. „Diese Weltmeisterschaft ist die größte, die es je gab“, ordnet Daniel Nonnenmann die Veranstaltung auf den Fildern ein. Der Wettbewerb wurde 1996 von der World Barbecue Association (WBQA) mit dem Ziel gegründet, alle Länder durch Gegrilltes zu vereinen. Die Teams müssen aus einem einheitlichen Warenkorb drei Gänge mit einer jeweils festgelegten Hauptzutat zubereiten.

Über die Karotte mussten Ralf Ahrens und seine Teamkollegen länger nachdenken. Das Gemüse steht am Samstag als dritter Gang an. „Wir machen sie süß, mehr kann ich nicht verraten“, sagt der Grillmeister. In der Regel trainiert seine Mannschaft einmal im Monat, ein paar Mitglieder stehen allerdings ständig am Grill. Mit ihrem dritten Platz bei den deutschen Meisterschaften der Amateure vor zwei Jahren kamen die Anfragen nach Seminaren und Catering. Aus dem Nebenerwerb wurde schnell ein Betrieb mit zwölf Mitarbeitern, einer Küche in Neuhausen und einem Betriebsrestaurant mit Mittagstisch. Bei Caterings verköstigt der 35-Jährige die Gäste zu jeder Jahreszeit mit Gerichten vom Rost. „Mich fasziniert nicht nur das Grillen, sondern auch, die Menschen mit Essen glücklich zu machen“, erklärt er.

Outdoor-Kleidung hat Ralf Ahrens bisher verkauft. Schon als Kind sei er viel beim Campen gewesen, hätte viel Feuer gemacht, Würste gegrillt, Stockbrot gebacken. Die Begeisterung fürs Feuer ist geblieben. Die Brandstifter sind nur professioneller geworden, zu zehnt treten sie bei der Weltmeisterschaft an, mit Alex Rieck ist ein ausgebildeter Koch dabei. Als Grillmeister fungiert Dennis Graß, der sich als „Feuermensch“ bezeichnet. Seine Begeisterung fürs Grillen wurde immer größer, bis er sich schließlich ein Grillteam suchte und im Internet auf die Brandstifter stieß. „Was gibt es Schöneres, als in Gesellschaft zu grillen?“, fragt er rein rhetorisch. Die Weltmeisterschaft bezeichnet sein Teamchef ebenfalls als „ein Riesenfest“: Er hofft, dass es die Brandstifter bei ihrem ersten internationalen Wettbewerb in die Top Ten schaffen. „Wir grillen aber nicht gegeneinander, sondern miteinander“, sagt Ralf Ahrens über die Stimmung am Feuer.

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