BBQ-Weltmeisterschaft in Stuttgart Die Grillfreunde pilgern zur Messe

Gegrillt wurde nicht nur in den Messehallen, sondern auch in luftiger Höhe: Besucherinnen und Besucher genießen die Aussicht bei einem „Dinner in the sky.“ Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Bei der BBQ-Grill-Weltmeisterschaft auf der Messe kommt auch das Publikum auf seine Kosten. Profis und Interessierte treffen sich zwischen Rauch und Outdoor-Küche – und der neue Grillweltmeister kommt aus Deutschland.

Direkt mit der Öffnung der Messe zieht eine kleine Völkerwanderung durch den unendlichen Flur von Halle 5 der Landesmesse am Flughafen, dutzendfach schlagen über den Köpfen die Flammen hoch. Der Weg zur echten Glut, über der 105 Barbeque-Crews aus 21 Ländern zwei Tage lang um die Grillweltmeisterschaft schmurgeln, ist nicht zu verfehlen. Aus der ganzen Republik und darüber hinaus strömen die Besucher herbei, mittendrin findet sich die Familie Groß aus Eichsfeld in Thüringen, mit Kind und Kegel, Schwester, Schwager, Cousine. Sie drücken einem Familienmitglied in der „Berlin BBC-Crew“ die Daumen, wollen aber auch selbst was haben vom Grill-Festival. Also haben sie sich das Frühstück gespart, denn gleich gibt es „echt Schönes zu essen“.

 

Und das ist fast schon in Reichweite, denn hinter Halle 5 präsentiert sich flächendeckend alles, was Rang und Namen hat in der Branche. Mit allem, was man so brauchen könnte fürs ambitionierte Grillvergnügen. High End-Geräte ohne Ende, „nix für den Baumarkt, sondern für ein anderes Level mit hochwertigen Lebensmitteln“, wie ein Hersteller aus Osnabrück betont.

Die Branche will nicht nur zeigen, wie sich die saisonale Outdoor-Küche ausstatten lässt, sie will auch demonstrieren, was sich damit anfangen lässt. Deshalb wird von Anfang an ringsum gebrutzelt was das Zeug hält. Demo-Grillen und Probiererle wie am Fließband. Wären die Feuerplatten der Steak Champs nicht high end, könnten sie sich womöglich biegen.

So lässt sich häppchenweise schnell ein erster Sättigungsgrad erreichen. Notfalls auch mit gegrilltem Gemüse. Baby-Spargel und Avocado etwa oder Kürbis „aus der Lagerfeuer-Romantik“, garniert mit Steinpilzkraut, denn auch beim Gemüse „kann man wunderbar spielen mit den Zutaten“.

Drei Menüs müssen abgegeben werden

Nichts für schwache Gemüter sind „Vollkörper-Grills“. Für Tafelspitz etwa, wofür ein zwischen zwei Gitter gespanntes Kälbchen herhalten darf. Und wer vom „Schwarzwälder“ ein Stück vom drygetrockneten Rinderrücken erwerben will, kann lesen, dass die „Bordsäge an Bord“ selbstverständlich bereitliege.

Die Post ab geht auch eine Etage höher, hinter Halle 6, wo die 105 Grillteams der Abgabe des ersten von drei Menüs entgegenfiebern, die an Tag eins der WM gefordert sind: Hühnchen mit Beilage. Beim Vierer-Team „Bratsewa BBC Hawara“ aus Niederösterreich herrscht jetzt „die Ruhe vor dem Sturm“. Mit der Nummer eins sind sie durch, was einen Blick auf das seit knapp sechs Stunden schmorende „Schwein ohne Knochen“ für die Nummer zwei erlaubt. „Sieht schon gut aus“, befindet Harald Vek, die größere Herausforderung sei für das Quartett, das „mehrfacher österreichischer Staatsmeister“ sei, sowieso das vegetarische Menü mit zwei Kilo Karotten als Hauptthema. Es soll „in ein Paket eingeschlagene Variationen“ geben.

1000 Euro Eigenanteil

Sie hatten eifrig trainiert, vier Mal alle sechs Menüs durchexerziert. Die Aufgabenstellung hatten die Teams mit der Anmeldung erhalten, zwecks Chancengleichheit stellt der Veranstalter, die World Barbeque Association, den Teams die identischen Lebensmittel. Für die sonstigen Kosten aber legt jeder ordentlich drauf: gut tausend Euro, sagt Vek. Viele Teams werden von großen Herstellern gesponsert, vor allem die aus Südamerika. Für die Mannschaft aus Südafrika hat ein Messerhersteller die Flugkosten übernommen.

Nebenan ist Basti „voll im Tunnel“, „Allstar BBC“ aus Pforzheim legt dem Huhn noch eine Kartoffel bei. Das Trio aus Portugal, Belgien und Brasilien ist entspannt, die Crew aus Griechenland legt die Latte nicht allzu hoch, es sei ihr erster Wettbewerb: „Wir wollen glücklich sein mit unserem Essen“, sagt Sera. Unter die Top Ten will „Gut Glut“ aus Köln, sechsfacher Deutscher Meister: „Dann wird es interessant für Sponsoren.“

200 internationale Juroren

Plötzlich brandet Beifall auf, die Schweden marschieren zur Jury in Halle 9. Belgier machen es mit Saxofon und Fahnenschwenken, die Steak Rocker und Santa Muerte aus Mexiko hinterher. Hinter den Kulissen sind rund 200 internationale Juroren am Durchkosten, zwischen zwei Proben sagt Paolo aus Italien, was zählt: das Bild auf dem Teller, Geschmack und „Struktur des Rauches“, Konsistenz und Kreativität. Am Sonntagabend standen dann die Sieger fest: Neuer Grillweltmeister ist „Real Smoke BBQ“, Vize-Weltmeister „Gogrillaz BarbieQ“, beide aus Deutschland. Auf dem dritten Platz landete „We love BBQ by BBQ Kitchen“ aus Österreich.

Von den WM-Menüs hat auch das Publikum was, denn von den acht Tellern je Menü und Crew geht einer an die Besucher. Eine Dreiergruppe aus Holzminden erweist sich als Feinschmecker und sagt: „Das macht richtig Lust auf Ausprobieren.“ Und wer dabei auch noch keine Höhenangst hat, kann sich in luftige Gefilde wagen: Der Anbieter Weber lädt zum „Dinner in the sky“ – in einer Art Gondel mit Theke am Kran hängend und bestem Ausblick über das Messegelände.

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