BDA-Chef Kramer hört auf Dulger will Arbeitgeberpräsident werden

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Ingo Kramer will sein Amt an der Spitze der Arbeitgebervereinigung BDA aufgeben und schlägt gleich seinen Nachfolger vor: den Gesamtmetall-Präsidenten Rainer Dulger. Der Heidelberger Unternehmer ist in Stuttgart ein alter Bekannter.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Stuttgart - Der nächste Arbeitgeberpräsident dürfte wieder aus Baden-Württemberg kommen: Amtsinhaber Ingo Kramer will dem Präsidium der Bundesvereinigung deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) am 30. September vorschlagen, den Heidelberger Unternehmer Rainer Dulger beim Mitgliedertreffen am 25. November zu seinem Nachfolger zu wählen. Dann will der 67-Jährige abtreten.

 

Zeit genug, sich auf die nächste Regierungsbildung vorzubereiten

Kramer steht seit November 2013 an die BDA-Spitze – damals folgte er dem Schwaben Dieter Hundt (Allgaier), der das Amt 17 Jahre inne hatte und zu einem bedeutenden politischen Faktor machte. Kramer begründete seinen Entschluss, schon jetzt statt erst in einem Jahr aufzuhören mit der Bundestagswahl und der sich anschließenden Regierungsbildung. Sein Nachfolger solle ausreichend Zeit haben, „sich einzuarbeiten und aktiv an der Debatte über die Schwerpunkte der neuen Legislaturperiode mitwirken zu können“. Zudem habe er zum Ehrenamt die klare Auffassung, dass es einem nur auf Zeit übertragen werde. Ungefähr fünf Jahre seien eine gute Dauer, so Kramer. Mit Dulger habe er seit Ende Juli intensive Gespräche darüber geführt – dieser sei „gern bereit, für dieses Amt zu kandidieren“. Da sich beide seit vielen Jahren aus der Verbandsarbeit bestens kennen, ist dieser geplante Rollentausch keine Überraschung.

Das Pendant zu Gewerkschaftschef Hofmann

Der 56-jährige Dulger ist seit acht Jahren Präsident von Gesamtmetall und auch BDA-Vize. Zudem ist der gebürtige Heidelberger Chef des Familienunternehmens Prominent Dosiertechnik, das weltweit in mehr als 100 Ländern tätig ist und etwa 2700 Mitarbeiter hat.

Als Verbandspräsident agiert er als Pendant zu IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. Bevor Dulger nach Berlin wechselte, war er von 2009 bis 2012 Vorsitzender des Verbandes Südwestmetall. Insofern verbindet beide die gemeinsame Stuttgarter Zeit. Seither haben sie eine Vielzahl von Tarifabschlüssen verantwortet.

Atmosphärische Störungen mit der IG Metall

Allerdings verlief die Kooperation in den vergangenen Jahren nicht immer störungsfrei. Von Gewerkschaftsseite wurde Dulger hin und wieder Führungsschwäche vorgeworfen. Die „Schwäche der Spitze von Gesamtmetall, die in keiner Weise einen adäquaten Gesprächspartner für die IG Metall darstellt, verhindert konstruktive Lösungen“, hieß es vor einem Jahr in einem Analysepapier aus der Frankfurter Zentrale. Fast gleichzeitig stellte die IG Metall sogar den Hauptgeschäftsführer von Gesamtmetall, Oliver Zander, offen in Frage, was dessen Job allerdings noch sicherer machte.

In der Regierung kennt man Rainer Dulger hingegen als Mann des scharfzüngigen Wortes: Vor einem Jahr regte er im Interview unserer Zeitung indirekt die Ablösung von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) an, weil dieser als „schwächster Minister“ eine „Fehlbesetzung“ sei. Doch dieser ist immer noch da, und Dulger dürfte alsbald mit ihm zu tun bekommen.

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