Beamtenhochschule Ludwigsburg Studentenvertreter rechnet mit Ministerin ab

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Die frühere Rektorin der Beamtenhochschule sei nur ein „Sündenbock“: Mit dieser Ansicht hat sich der einstige Asta-Chef unbeliebt gemacht – auch bei Wissenschaftsministerin Bauer. Nun macht er ihr im Untersuchungsausschuss schwere Vorwürfe.

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer soll versucht haben, den Asta-Chef zu diskreditieren. Foto: dpa
Wissenschaftsministerin Theresia Bauer soll versucht haben, den Asta-Chef zu diskreditieren. Foto: dpa

Stuttgart - Wenn Sebastian Kröber nach seinem Studium an der Verwaltungshochschule in Ludwigsburg gefragt wird, beschönigt er nichts. „Es war die bisher schlimmste Zeit meines Lebens“, sagt der junge Finanzbeamte. Damit meint er nicht die Ausbildung selbst, sondern die Turbulenzen um die frühere Rektorin Claudia Stöckle und deren Gegenspieler unter den Professoren. Als Vorsitzender der Studierendenvertretung (Asta) habe er sich „im Spagat zwischen Machtlosigkeit und Abhängigkeit einerseits und der Verpflichtung meinen Mitstudenten gegenüber“ aufgerieben.

Bereits im September berichtete Kröber erstmals vor dem Untersuchungsausschuss des Landtags zur Beamtenhochschule. An diesem Freitag kommt er nun erneut, um sich als Zeuge befragen zu lassen. Dann dürfte es auch um die Vorwürfe gehen, die er gegen Wissenschaftsministerin Theresia Bauer erhoben hat. Die Grüne habe nicht nur die Studenten in einer von „Unterdrückung und Angst“ geprägten Situation alleingelassen, sie habe ihn später im Landtag auch „in die Pfanne zu hauen versucht“ – mit fragwürdigen Mitteln.

Hetzjagd und Intrige gegen die Rektorin?

Kröber nämlich galt und gilt als „Sympathisant“ der Ex-Rektorin Stöckle, die mit Bauer seit Langem um die Deutungshoheit über die Krise ringt. Als Asta-Chef trug er mit ihr zwar auch manchen Konflikt aus, und den ersten Abwahlantrag gegen sie unterstützte er noch – um so oder so Klarheit über die Führung in Ludwigsburg zu schaffen. Nach dem Scheitern der Abwahl aber, meint er, hätte man die schon länger schwelenden Konflikte gemeinsam klären und nach vorne blicken können.

Doch eine Gruppe von Professoren habe es von Anfang an darauf angelegt, Stöckle loszuwerden. Der Grund: Sie habe lieb gewordene Gewohnheiten hinterfragt und die Nebentätigkeiten zu prüfen begonnen. Als „Hetzjagd“ und „Intrige“ schildert Kröber das Vorgehen gegen die Rektorin, wer nicht mitmachen wollte, sei massiv unter Druck gesetzt worden. Auch gegenüber Studenten und ihm persönlich habe es wiederholt Drohungen gegeben. Bei einem direkten Kontakt habe er schließlich Theresia Bauer um Hilfe gebeten: Man brauche „Schutz von oben“, es müsse nur „eine Handvoll Personen abgelöst werden“ – nämlich die Stänkerer und Unruhestifter. Damals habe er sich mit dem Verweis auf die Kommission beruhigen lassen, die das Ministerium nach Ludwigsburg entsandte.

Widersacher dürfen an Abwahl mitwirken

Doch der Befund der drei Pensionäre, die am Freitag ebenfalls als Zeugen gehört werden, wunderte Kröber: Stöckle werde zum „Sündenbock“ gemacht, „die Täter sollten an der Hochschule verbleiben“. Etliche Widersacher hätten später an ihrer Abwahl mitwirken dürfen – Empfänger von fragwürdigen Zulagen ebenso wie ein Professor, der erfolglos Strafanzeige gegen sie erstattet hatte, oder ein anderer, dessen florierender Buchhandel gebremst wurde. Dabei hatten die Kommissionäre – darunter Ex-Finanzminister Gerhard Stratthaus – erkannt, dass es Konflikte nicht nur um Stöckle gab. „Starke innere Spannungen“ in den Fakultäten, hieß es in einem Zwischenbericht, erschienen belastender als die Differenzen mit der Rektorin. Einen vom Asta übergebenen Ordner mit Unterlagen verschlampte die Kommission.

Von Aufklärung und Verantwortung sei fortan keine Rede mehr gewesen, bedauerte Kröber, stattdessen sei er selbst zum „neuen Feindbild“ geworden. Wissenschaftsministerin Bauer habe sogar versucht, ihn im Landtag zu diskreditieren. In einer Plenardebatte über die Hochschulkrise nährte die politisch in Bedrängnis geratene Grüne Zweifel, ob der Asta-Chef wirklich für seine Kommilitonen spreche. Studierendenvertreter der Steuerfakultät hätten ihr geschrieben und einen „Alleingang ohne Rücksprache“ beklagt. Der Fakultätsrat distanziere sich „im Namen aller Studierenden ausdrücklich vom Handeln und dem teilweise politisch gesteuerten Verhalten von Herrn K.“, zitierte Bauer genüsslich. „Das ist die Realität“, triumphierte ein grüner Zwischenrufer, „Aha“ und „Oha“ vermerkte das Protokoll.

Doch keine offizielle Stellungnahme

Doch der Brief hatte längst nicht den Stellenwert, den die Ministerin suggerierte. Erst fand Kröber heraus, dass es gar kein Votum des Fakultätsrates gebe; das Schreiben sei nicht bekannt, bestätigte ihm der Dekan. Dann stellte er die drei Absender zur Rede. Es handele sich um ein „persönliches Schreiben“ an Bauer, erwiderten sie kleinlaut. Sollte ein anderer Eindruck entstanden sein, „bedauern wir dies“.