Beatles-Abend im Theaterhaus In Stuttgart steigt ein großes Beatles-Fest
Das Züricher Theater Rigiblick hat das legendäre Beatles-Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ im Theaterhaus auf die Bühne gebracht.
Das Züricher Theater Rigiblick hat das legendäre Beatles-Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ im Theaterhaus auf die Bühne gebracht.
Dutzende von Notenblättern flattern durch die Luft. Daniel Rohr, Leiter des Theater Rigiblick aus Zürich, springt zwischen den Musikern des Orchesters umher und wirft die Blätter empor, ein Zylinder sitzt auf seinem Kopf.
Das Theater Rigiblick ist nach Stuttgart gekommen, um an vier Abenden in Folge vier Alben der Beatles auf die Bühne zu bringen. Am Freitag, dem ersten dieser Abende, ist es „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“, ein Pop-Meisterwerk, voll von Experimenten und ungewöhnlichen Klängen.
Jeder Musiker des Orchesters, das die linke Hälfte des großen Saales im Theaterhaus ausfüllt, schnappt sich ein Blatt und spielt es. John Lennons Idee war es, Tonbänder aus Archiven durcheinander zu wirbeln, zu zerschneiden, wahllos zusammenzufügen und so die Schlusssequenz der psychedelischen Zirkus-Nummer „Being for the Benefit of Mr. Kite!“ als „Toncollage von unvorhersehbarem Charakter“ aufzubauen. Erst die vielen kleinen Unterschiede bringen jene Momente, in denen die Show die Essenz der Beatles-Songs wirklich einfängt, zum Leuchten. „Fixing a Hole“ von Paul McCartney kommt als ein leichtes Reggae-Stück daher, „Within You Without You“, George Harrisons Meditation auf der Sitar, erklingt ganz ohne das exotische Instrument – an seiner Stelle hört man einen motorischen Gitarrenbeat, den man vielleicht eher an einem Velvet-Underground-Tribute-Abend erwartet hätte. Die Gesangsstimmen, die Einsätze des Orchesters schweben ein und aus – und: Es funktioniert.
Levin Deger und Lukas Langenegger teilen sich den Gesang etwa entlang der Rollenverteilung von Lennon und McCartney. Freda Goodlett steht zwischen ihnen und singt Stücke wie „With a Little Help From Your Friends“ in einem souligen Ton. Daniel Rohr tritt manchmal in den Gesang ein – vor allem aber erzählt er, gemeinsam mit Silvester von Hösslin, die Geschichte von „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ und den frühen Jahren der Beatles.
Von Hösslin spielt Brian Epstein, den ersten Manager der Beatles, im Straßenanzug mit Schlips und einem britisch-lakonischen Ton. Dass Epstein schwul war, in einer Zeit, in der dies strafbar war, dass er zusehends die Kontrolle über seine Geschäfte verlor und nach der Veröffentlichung von „Sgt. Pepper’s“ an einer Überdosis Tabletten starb – das wird durchaus thematisiert. „A Day in The Life“, das noch immer großartigste Stück Popmusik, in dem sich die Talente der Songwriter Lennon und McCartney kreuzen, beginnt hier ganz still und klingt erst fast wie ein Requiem. Das schwindelerregende Crescendo, mit dem es endet, wird nur kurz angespielt. Die Fantasie des Publikums, seine Kenntnis der Originale, sind immer mit angesprochen. Die Zugabe ist „All You Need Is Love“. Und hier darf auch Brian Epstein, der gerade noch lamentierte, dass ihm dies immer verwehrt geblieben war, mitsingen. Der Song geht über in „Hey Jude“. Dafür holten die Beatles sich einst viele Fans in ihr Studio, die den Chor sangen – am Freitagabend, beim großen Beatles-Fest, ist es der ausverkaufte Saal im Theaterhaus.