Becker-Prozess RAF-Aussteiger bringt kein Licht ins Dunkel

Von dapd 

Werner Lotze kann als Zeuge keine neuen Hinweise auf den Mörder von Siegfried Buback geben.

Verena Becker steht wegen des Mordes an Generalbundesanwalt Siegfried Buback vor dem Stuttgarter Landgericht (Archivbild). Foto: dapd
Verena Becker steht wegen des Mordes an Generalbundesanwalt Siegfried Buback vor dem Stuttgarter Landgericht (Archivbild). Foto: dapd

Stuttgart - Auch die Vernehmung des RAF-Aussteigers Werner Lotze hat im Prozess gegen Verena Becker keine Aufklärung über den Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback im Jahr 1977 gebracht. Der 59-Jährige sagte am Freitag als Zeuge vor dem Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart: „Ich habe damals nicht mitgekriegt, wer es gemacht haben könnte.“ Er fügte hinzu: „Wer was gemacht hat, war nicht Thema in der Gruppe.“

Die frühere RAF-Terroristin Becker, die wegen Mittäterschaft angeklagt ist, kenne er nicht persönlich, sagte Lotze. Er habe nie Kontakt zu ihr gehabt. Lotze sagte ohne Rechtsanwalt ausführlich über seine Zeit in der „Rote Armee Fraktion“ aus. Er war nach eigenen Angaben jedoch erst im August 1978 der RAF beigetreten. Bis heute ist unbekannt, welches RAF-Mitglied am 7. April 1977 in Karlsruhe vom Soziussitz eines Motorrads aus die Todesschüsse auf Buback und seine beiden Begleiter abfeuerte.

Beugehaft gegen Haag und Mayer?

Am Rande des RAF-Prozesses war zu erfahren, dass der Bundesgerichtshof (BGH) wohl erst in vier oder fünf Wochen über den Vollzug der vom OLG angeordneten Beugehaft gegen die früheren RAF-Mitglieder Siegfried Haag und Roland Mayer entscheiden wird. Damit sollen die früheren Terroristen zu einer Zeugenaussage gezwungen werden. Nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft ist voraussichtlich erst im Mai mit der BGH-Entscheidung zu rechnen.

Lotze hatte nach seiner Festnahme im Juni 1990 bereits als „Kronzeuge“ ein umfangreiches Geständnis über seine RAF-Zeit abgelegt. Damals hatte er ausgesagt, er habe mitbekommen, dass das Motorrad beim Buback-Attentat entweder von Knut Folkerts oder von Günter Sonnenberg gefahren worden sei. Dies hätten ihm entweder Christian Klar oder Adelheid Schulz erzählt. Dazu sagte Lotze am Freitag, er habe „große Gewissheit“, dass er 1990 „tatsächlich sehr genau wiedergegeben“ habe, was er in der RAF erlebt und gehört habe. Inzwischen habe er aber Einiges auch verdrängt.

Lotze war 1980 nach seinem Ausstieg aus der Terrorgruppe in der DDR untergetaucht. Nach der Wiedervereinigung wurde er im Juni 1990 in Senftenberg bei Cottbus festgenommen. 1992 wurde Lotze wegen Beteiligung am Sprengstoffattentat auf den ehemaligen Nato-Oberbefehlshaber Alexander Haig im Jahr 1979 in Belgien und wegen zweier Banküberfälle rechtskräftig zu elf Jahren Haft verurteilt. Inzwischen wurde er aus dem Gefängnis entlassen. Er arbeitet heute nach eigenen Angaben in der Chemietechnologie-Branche.