Bedenken in Birkach Streit um Studentenwohnheim

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Noch mehr laute Studenten, noch mehr zugeparkte Straßen: Mit diesen Argumenten versuchten Anwohner des Hohenheimer Unicampus, die Pläne für ein Studentenwohnheim an der Egilolfstraße in Birkach zu durchkreuzen.

Schöner Campus, aber wenig Platz drum herum: die Uni Hohenheim Foto: Lg/Achim Zweygarth
Schöner Campus, aber wenig Platz drum herum: die Uni Hohenheim Foto: Lg/Achim Zweygarth

Stuttgart - „Hohenheim ist klasse, aber bitte nicht direkt vor meiner Haustür“, so fasste der Hohenheimer Unirektor Stephan Dabbert die Beiträge der Anwohner bei einem Treffen im Euroforum am Freitagabend zusammen. Der Rektor und das Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim hatten die Nachbarn eingeladen, um sie über die Ausbaupläne der Uni zu informieren und mit ihnen über das Studentenwohnheim zu sprechen, das schon bald mit 250 Plätzen an der Egilolfstraße gebaut werden soll.

Zunächst erläuterte Dabbert, weshalb überhaupt ein weiteres Wohnheim nötig sei: „Der politisch gewollte Wachstumsprozess hat dazu geführt, dass die Infrastruktur zu klein dimensioniert ist.“ Statt 5000 seien es nun 10 000 Studierende. Das wirke sich auf Labore, Wohnen, Parkplätze und selbst Gehwege aus. Und: „Wir haben eine Uni, die einen Betrieb sicherstellen muss.“ Wegen des komplizierten Baurechts und der Einschränkungen durch Landschafts- und Denkmalschutz habe man nach drei Jahren Aushandlung mit städtischen Ämtern und Gremien sowie Landesbehörden und Studierendenwerk im Rahmen des Masterplans Campus 2030 genau zwei Standorte identifiziert, an denen noch Wohnheime gebaut werden können: anstelle der Tennisplätze an der Egilolfstraße sowie südlich der Erdhügelhäuser an der Fruhwirthstraße. „Das Wohnheim leistet einen Beitrag, dass es weniger Pendler gibt.“ Und, so kündigte Dabbert an: „Wir planen ein Parkraummanagement.“ Laut Stadt habe die Uni mit derzeit 1700 Parkplätzen 300 zu viel, da liege man im Dissens. Doch die Nahverkehrsanbindung sei eben unzureichend.

Unirektor: Bauvorhaben ist weder heimlich noch still und leise erfolgt

Sowohl Dabbert als auch Oliver Schill vom Studierendenwerk wiesen Vorwürfe der Anwohner zurück, das Vorhaben sei intransparent, heimlich, still und leise erfolgt. Sie verwiesen auf Zeitungsberichte und öffentliche Sitzungen mit demokratisch legitimierten Personen und erhielten dabei Schützenhilfe von CDU-Stadtrat Christian Vetter.

Die Anwohner dokumentierten ihr Leid mit einer umfangreichen Fotosammlung: schon jetzt nichts als zugeparkte Straßen, Verkehrschaos, blockierte Privateinfahrten. Und künftig müsse man noch mehr nächtlichen Lärm feiernder Studenten ertragen. „Sie haben keinen Schallschutz vorgesehen“, stellte ein Anwohner fest. Und fügte hinzu: „Haben Sie bedacht, dass der Lärm auch für die Studenten ein Problem sein könnte, die früh ins Bett gehen?“ Auch dass für den Bau des Wohnheims 26 Bäume gefällt werden sollen, darunter eine Birke und eine Trauerweide, und dass nur 17 neue gepflanzt werden sollen, gefiel den Anwohnern nicht.

Stadtplanerin weist Vorwürfe der Mauschelei beim Baurecht zurück

Die Vorschläge der Anwohner, Landschaftsschutzgebiete umzuwidmen oder das Wohnheim nicht von der Egilolfstraße aus zu erschließen, sondern von Süden, direkt vom Campus („bitteschön auf dem Campus wohnen, studieren und Auto fahren“), sah Susanne Frucht vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung als unrealistisch an. Auch Vorwürfe, die Stadt mauschele beim Baurecht, bei Geschosshöhen und Parkplätzen, wies sie zurück. Der Bauantrag sei gestellt, nun würden die Anwohner gehört, wie es sich gehört.




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