Bedingungsloses Grundeinkommen Uni Freiburg startet Forschungsprojekt

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Für Forschung zum bedingungslosen Grundeinkommen bekommt die Freiburger Uni zwei Millionen Euro von dem Unternehmer und dm-Drogeriemarkt-Gründer Götz Werner und seiner Frau Beatrice Werner.

Der Unternehmer Götz Werner setzt sich für das Grundeinkommen ein. Foto: dpa
Der Unternehmer Götz Werner setzt sich für das Grundeinkommen ein. Foto: dpa

Freiburg - Das bedingungslose Grundeinkommen für alle soll erstmals gründlich wissenschaftlich untersucht werden. Am Dienstag wurde im Rektorat der Freiburger Universität der Vertrag für eine „Götz-Werner-Professur für Wirtschaftspolitik und Ordnungstheorie“ am Institut für Wirtschaftswissenschaften unterzeichnet. Die Professur wird von der Stiftung des Ehepaars Götz und Beatrice Werner mit zwei Millionen Euro für zehn Jahre gefördert und von Bernhard Neumärker, Direktor der Abteilung Wirtschaftspolitik und Ordnungstheorie der Uni, geleitet.

Werner wirbt seit Jahren für die Idee

Das bedingungslose Grundeinkommen ist eine uralte Idee, in der heutigen Zeit ist sie untrennbar mit Götz Werner (75) verbunden, dem Gründer der dm-Drogeriemarktkette. Der bekennende Anthroposoph, der die operative Leitung des Unternehmens abge- und sein Vermögen einer Stiftung übergeben hat, ist seit dem Jahr 2005 rastlos mit Büchern, Interviews und Vorträgen unterwegs, um für das Grundeinkommen zu werben: Ein festgelegter Sockelbetrag für alle, der durch bezahlte Beschäftigung oder Rente aufgebessert werden kann, ermögliche ein menschenwürdigeres Leben als Sozialhilfe und Arbeitslosengeld. Die Finanzierung solle durch drastische Erhöhung der Mehrwertsteuer erfolgen.

Raum, um alternative Ansätze zu erforschen

„Wir sind dankbar für diese Chance, wegweisende Forschungsbeiträge leisten zu können“, sagte der Unirektor Hans-Jochen Schiewer beim Festakt. „Wir wollen einen Raum schaffen, diese alternative Idee zu untersuchen.“ Dies passe zu den wirtschaftswissenschaftlichen Traditionen in Freiburg. Dort wurde im letzten Jahrhundert unter Federführung von Walter Eucken­ (1891–1950), einem Vordenker der sozialen Marktwirtschaft, der sogenannte Ordoliberalismus entwickelt, die Lehre, die sich mit dem Zusammenspiel von freiem Markt und staatlichem Ordnungsrahmen befasst. „Das war für unseren Entschluss entscheidend“, betonte Götz Werner. „Hier gibt es eine Tradition, die bereit ist, alternative Konzepte zu diskutieren.“ Es gibt auch persönliche Beziehungen zum Breisgau: Beatrice Werner ist in Freiburg geboren. „Mein Mann wollte schon immer, dass sich die Wissenschaft mit dem Thema beschäftigt“, bestätigte sie.

Mit Bernhard Neumärker haben die Werners einen Wissenschaftler gewonnen, der dem bedingungslosen Grundeinkommen gegenüber aufgeschlossen ist. Der Wirtschaftsprofessor hält es für möglich, dass aus der Utopie „schon sehr bald eine Erfolgsstory“ wird.

Welchen Sinn hat Arbeit heute?

Die Debatten in der Gesellschaft über Balance zwischen Arbeit und Freizeit, der Wunsch nach Zeitsouveränität und selbstbestimmter Arbeit zeigten, dass die Zeit reif sei, „ausgetretene Pfade zu verlassen“ und den Sinn von Arbeit neu zu definieren. Das gelte besonders angesichts der fortschreitenden Digitalisierung, die viele Arbeitsplätze vernichten oder neu gestalten werde. „Wir brauchen den Menschen künftig mehr denn je“, ist Neumärker überzeugt. Das Grundeinkommen könne Gerechtigkeit und sozialen Frieden bringen. Wenn es ein Land gebe, wo es eingeführt werden könne, dann das reiche Deutschland.

Das Grundeinkommen wäre freilich ein „Paradigmenwechsel“, mit dem sich sowohl Arbeitgeber als auch Gewerkschaften schwer täten, so Neumärker – weil damit der Verzicht auf alte Gewissheiten und das Vertrauen auf die kreative Lust und Energie der Menschen notwendig wäre: „Das Verhältnis von Kapital und Arbeit würde neu definiert.“ Auch der Markt würde ein anderer, Neumärkers Ansicht nach durch die Wegnahme vom Zwang zur unbedingten Erwerbsarbeit unter unwürdigen Bedingungen tatsächlich erst dann ein „freier Markt“. Das vom Wirtschaftsweisen Lars Feld geleitete Freiburger Walter-Eucken-Institut, Gralshüter der ordoliberalen Schule, wollte sich zur neuen Stiftungsprofessur am Dienstag nicht äußern.