Beerenernte im Kreis Böblingen Wer will, darf die Blaubeeren selbst pflücken

Jürgen Weippert und seine Frau Cornelia stehen zur Erntezeit jeden Tag am Feld bei Öschelbronn. Foto: Eibner-Pressefoto/Andreas Ulmer

Was viele von Erdbeeren kennen, bietet ein Bauer aus Öschelbronn auf seinem Blaubeerfeld an: selbst pflücken. Auch bei den heimischen Himbeeren geht die Haupterntezeit nun los. Ein Besuch bei zwei lokalen Bauern.

Böblingen: Leonie Schüler (lem)

Es summt und brummt zwischen den Himbeersträuchern von Frank Haarer. Hummeln, Wildbienen und Honigbienen fliegen fleißig von Blüte zu Blüte. Dazwischen hängen schon Früchte, die meisten sind noch klein und grün, vereinzelt schimmern sie rötlich. Die reifen Himbeeren haben Haarers Pflücker schon mit dem ersten Morgenlicht geerntet, um die Mittagszeit sind an diesem Tag bereits alle Schalen im Hofladen ausverkauft. Noch ist die tägliche Erntemenge eher gering, „Mitte, Ende nächster Woche geht es so richtig los mit der Ernte“, sagt der Obstbauer aus Herrenberg-Kuppingen.

 

Ach du meine Güte, noch eine Blüte, denkt sich die Hummel. /Andreas Ulmer

Laut Landratsamt führt Haarer den größten Himbeerbetrieb im Landkreis Böblingen. Wie viele Schalen seine Erntehelfer in einer Saison pflücken, möchte er nicht verraten – „Betriebsgeheimnis“, sagt er. Den Großteil der Himbeeren verkauft Haarer im Hofladen sowie einige an Obsthändler, die damit auf Wochenmärkte in der Umgebung gehen, und an drei lokale Bäcker. „Im Morgentau geerntet, kurz nach 7 Uhr in der Konditorei angeliefert und um 8 Uhr verkaufsfertig als Himbeere-Tarte in der Theke“, beschreibt der Herrenberger Bäcker Jochen Baier auf seiner Homepage die lokale Zusammenarbeit. Dass Beeren wie kaum ein anderes Obst stark über Direktvermarktung gehandelt werden, liegt nicht zuletzt an ihrer geringen Haltbarkeit und schlechten Transportfähigkeit.

Hoffen auf eine gute Ernte

Im Moment ist Frank Haarer zufrieden damit, wie die Himbeersträucher auf seinen 0,6 Hektar großen Feldern dastehen. Wie gut die Ernte tatsächlich ausfallen wird, vermag er trotzdem noch nicht zu sagen. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass noch was schief geht“, sagt der Landwirt und nennt als Beispiel den möglichen Befall durch die Kirschessigfliege oder Hagelschäden. Gegen beides versucht er sich abzusichern durch Planen und Netze, ein Restrisiko bleibt dennoch.

Frank Haarer hofft auf eine gute Himbeerernte. Momentan stehen die Beeren gut da, sagt er. /Andreas Ulmer

Was das Wetter betrifft, so hofft Frank Haarer auf eine stabilere Lage. „Unbeständiges Wetter ist mühsam, das macht uns zu schaffen“, sagt er. Obwohl Himbeeren es nicht zu feucht und vor allem keine Staunässe mögen, weil sie dann unter Bodenpilzen und Wurzelfäule leiden, habe der viele Regen der letzten Wochen nicht allzu viel ausgemacht. Das liegt daran, dass Haarer seit sechs, sieben Jahren die einjährigen Himbeersträucher nicht mehr in den Boden pflanzt, sondern in Töpfe, die er über ein Bewässerungssystem gießt. „Dadurch sind wir vom Regen mehr oder weniger unabhängig“, erklärt Haarer. Seit Beginn der Ernte Anfang Juli hält der Beerenbauer hingegen öfter nach dunklen Wolken am Himmel Ausschau. Der Grund: „Man kann nicht ernten, wenn es nass ist. Die Himbeeren fangen dann schnell an zu schimmeln, bei der Ernte sollten sie trocken sein.“

Einige Kilometer weiter am Ortsrand von Öschelbronn baut Jürgen Weippert seit fast 30 Jahren Heidelbeeren an. Was man in der Region eigentlich nur von Erdbeeren kennt, gilt bei ihm auch bei ihren kleinen, blauen Schwestern: Die Kunden dürfen sie selbst pflücken. Wie blaue Perlen leuchten die Beeren an den Sträuchern. Aber Achtung, warnt Weippert: „Manche sind hinten noch grün, die schmecken dann sauer.“ Schlimm findet er, wenn er sieht, wie manche Besuchspflücker die Hälfte fallen lassen. „Bei manchen ist der Boden hinterher blau. Da wird’s einem ganz schlecht“, sagt er.

Kennzeichen aus dem ganzen Umland

Trotzdem bietet er das Selbstpflücken an. Zum einen, weil er nicht ausreichend Erntehelfer an der Seite hat, zum anderen aus Überzeugung. Er freut sich, wenn er Autokennzeichen aus dem ganzen Umland auf dem Parkplatz sieht und Familien mit Kindern vorbeikommen. Dass die ein oder andere Blaubeere beim Pflücken im Mund landet, nimmt Weippert in Kauf. „Das ist halt dabei. Sonst müsste ja jeder pfeifen“, sagt er und lacht. Deshalb ist der Preis pro Schale auch gleich, egal ob selbst- oder fremdgepflückt.

Weipperts Blaubeeren wachsen angenehm auf Brusthöhe. /Andreas Ulmer

Was das Ernte-Erlebnis im Vergleich zur Erdbeerernte angenehm macht, ist das rückenschonende Pflücken auf Brusthöhe, da Weippert die Heidelbeersträucher ebenfalls seit einigen Jahren in Kübeln anbaut. So kann er den Pflanzen bei der Bewässerung und Düngung exakt die richtigen Bedingungen liefern. Der viele Regen habe ihnen nicht geschadet, erzählt Weippert, ab und zu habe er eben die Bewässerung ausgesetzt.

Die Erntezeit der Kulturheidelbeeren ist kurz. Auch wenn Weippert vier Sorten mit unterschiedlichen Reifezeiten anbaut, sind die Beeren nur von Anfang bis Ende Juli/Anfang August reif. Wer also Lust auf Blaubeerkuchen aus heimischem Anbau und eigener Pflückung hat, sollte nicht zu lange warten.

Beerenanbau im Landkreis

Ausgetrickst
 Die Himbeere, die als Königin der Beeren bezeichnet wird, trägt ihren Titel zu Unrecht, da sie eigentlich keine Beere ist, sondern zu den Rosengewächsen zählt.

Anbau
 Im Kreis Böblingen gibt es einige Beerenbauern. Das Landratsamt fasst die Direktvermarkter auf einer Homepage unter www.bauernbieten.de zusammen. Erwähnt werden für den südlichen Landkreis unter anderem die Landwirte Schäberle in Gäufelden, Berner und Maier in Altdorf, Kempf in Ehningen und Hiller in Bondorf.

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