Bees Made Honey In The Vein Tree Höllenlärm in Heslach

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Die Stuttgarter Band Bees Made Honey in the Vein Tree hat mit dem Nerven-Tonmeister Ralv Milberg ihr neues Album „Grandmother“ aufgenommen. Nun stellt sie es live im Komma in Esslingen vor.

Bees Made Honey In The Vein Tree spielen am Samstag im Komma Esslingen. Foto: Veranstalter
Bees Made Honey In The Vein Tree spielen am Samstag im Komma Esslingen. Foto: Veranstalter

Stuttgart - Zwischen höllisch laut und flüsternd leise fühlt sich Ralv Milberg besonders wohl. Dem Tonmeister, der mit seiner Haus- und Hofband Die Nerven auch über die Stuttgarter Szene hinaus bekannt wurde, können die Lärmspitzen an sich nie extrem genug sein. Für das neue Album der Band Bees Made Honey In The Vein Tree musste aber selbst Milberg klein beigeben: Die vier Musiker machen auch bei Aufnahmen so einen Höllenlärm, dass sein eigentlich gut gedämmtes Heslacher Innenstadtstudio einfach zu nah an potenziell lärmempfindlichen Nachbarn liegt. Nebenan hat die serbisch-orthodoxe Gemeinde ihr Zentrum, mit denen will es sich keiner verscherzen. Den Mix und das Mastering immerhin konnte er im eigenen Studio machen.

Beim ersten Album „Medicine“, das Milberg in seinen Räumen in der Möhringer Straße aufgenommen hatte, musste er die dicke Glasscheibe zwischen Aufnahme- und Regieraum abkleben, damit deren Scheppern nicht zu laut auf der Aufnahme zu hören ist. Für das zweite Album „Grandmother“, erschienen beim auf schwere psychedelische Rockmusik spezialisierten Kieler Label Pink Tank Records, ging er dann auf Nummer sicher und wich ins Feuerbacher Tin Roof Studio aus. Dort, im Reich des in Kennerkreisen nicht minder bewunderten Tonmeisters Bernhard „Böni“ Hahn, nahm er eine Woche lang mit sündhaft teurer Technik jene vier Tracks auf, die bei dem Quartett aus Ostfildern für ein Album völlig ausreichen – die Songs sind zwischen sieben und siebzehn Minuten lang.

Man hat es also mit einer schon formal bemerkenswerten Band zu tun, die überdies 2017 vom Popbüro mit dem „Zukunftspreis“ ausgezeichnet wurde. Das Preisgeld (5000 Euro) floss direkt in das neue Album, das die Band an diesem Samstag (30. März) im ebenfalls vom Popbüro ausgezeichneten Esslinger Komma live vorstellt. Das bietet musikalisch alles andere als Alltagsware, die Besucher dürfen sich vielmehr auf Extremmusik einstellen: Die Gitarren liegen mal bleischwer im Magen, heben dann wieder leicht federnd ab; dazu repetitive Strukturen von der Rhythmusgruppe und immer an der richtigen Stelle ein wenig geheimnisvoller Gesang; diese Musik fließt, so wie auch die Aufnahmen fließen mussten. Mit den Worten Ralv Milbergs: „Bei so einer Band kann der goldene Take auch mal nachts um halb vier kommen.“

Goldener Take, mitten in der Nacht

Dafür brauchen die musikalischen Nachtarbeiter ein Studio, in dem man auch um diese Uhrzeit niemanden stört. Und eines, das auf alle Eventualitäten eingerichtet ist. Das Tin Roof Studio von Tobias Kurrle, Kilian Mohns und Böni Hahn ist dafür besonders geeignet: Hahn hat in mehr als 25 Jahren professioneller Tonaufnamen von Pur bis Heavy Metal quasi alles aufgenommen, was sich im Bandformat darstellen lässt. Auf seiner imposanten Referenzenliste findet sich von Local Heroes wie Monochrome, Schmutzki oder Hiss bis zu Nena, Annett Louisan und The Robocop Kraus vieles, was Rang und Namen hat. Bei der Stuttgarter Band Loretta hat er außerdem bis vor kurzem als Schlagzeuger mitgespielt.

Auf ein Genre, das lässt die Auflistung erahnen, ist Hahn nicht festgelegt. Vielmehr sind Schlagzeugaufnahmen seine Spezialität, er wird mit Verweis auf den legendären Tontechniker manchmal auch als der „Steve Albini von Stuttgart“ bezeichnet. Wichtiger ist ihm aber, dass seine Aufnahmen auch später noch gut klingen. Das sei doch das Schönste, findet Hahn, „dass man sich ein Album Jahre später anhört und denkt: Ja, das ist wirklich gelungen.“ Wenn Plattenfirmen oder Bands ihn beauftragen, sollen die Künstler jedenfalls spürbar „von Kompetenz umgeben sein“. Sein Ziel sei, „dass wir das Beste rausholen aus der Produktion. Ich sehe mich da auch als Zuarbeiter“.

Dass eine Nena-Produktion nicht gerade als Referenz für die nächste Ska-Aufnahme taugt, ist Hahn auch klar. Aber die Kunden kommen ja seit Jahren – und sei es, weil sie wie Bees Made Honey In The Vein Tree einen Ort suchen, an dem sie Höllenlärm in ein faszinierendes Album verwandeln können.