Beethovenfest der Philharmoniker Draußen gewittert’s, im Konzertsaal auch
Die Stuttgarter Philharmoniker beschließen ihre „Beethoven-Tage“ im Ludwigsburger Forum mit einem Doppelpack: Sinfonie Nr. 5 und 6. Da knallt’s.
Die Stuttgarter Philharmoniker beschließen ihre „Beethoven-Tage“ im Ludwigsburger Forum mit einem Doppelpack: Sinfonie Nr. 5 und 6. Da knallt’s.
Ein Festival rund um Beethoven: Das ist zwar längst nicht so revolutionär wie manche Gedanken und Werke des Komponisten, aber in der Geschichte der Stuttgarter Philharmoniker war es zwischen den späten 1940er und den 1960er Jahren ein Erfolgsformat. Das Orchester möchte die Tradition wieder aufnehmen und hat deshalb jetzt mit fünf Veranstaltungen an vier Tagen die „Beethoven-Tage Stuttgart-Ludwigsburg“ neu an den Start gebracht. Nach Orchesterwerken, Kammermusik, einem Familienkonzert und einer Lesung mit Edgar Selge gab es zum Abschluss am späten Sonntagnachmittag gleich zwei Sinfonien Beethovens: die fünfte und die sechste.
Das ist, für sich genommen, nicht gerade eine sonderlich unkonventionelle Kombination, aber trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – ist das Ludwigsburger Forum am Schlosspark gut besucht. Und Beethoven pur, das kann ja etwas haben – auch wenn man einwenden mag, dass derlei Programme ohne Kontextualisierung, ohne Fragen und ohne einen Bezug zum Heute in einer Zeit des Publikumsschwunds im Klassikbereich mit guten Gründen Auslaufmodelle sind.
Immerhin darf man bei einem derart monothematischen Konzert klingende Entdeckungsreisen in ein wohlbekanntes musikalisches Terrain erwarten. Womöglich hätte der Dirigent Markus Stenz genau dafür gesorgt, doch krankheitsbedingt stand schließlich eine Einspringerin am Pult. Anu Tali bevorzugt einen sehr direkten Zugang zur Musik. Höhepunkte setzt die Estin mit Bedacht und mit sehr viel Effektbewusstsein. Der Schwerpunkt liegt weniger auf Details als auf weiten Entwicklungslinien.
Rhythmisch gewinnt manches Kontur, doch dynamisch wird wenig differenziert. Talis klare Gesten fordern den Stuttgarter Philharmonikern durchweg so rasche Tempi ab, dass die Koordination der Instrumente, vor allem die Genauigkeit gemeinsamer Einsätze, immer wieder an Grenzen gerät. Das hört man bereits zu Beginn der Fünften: Da nimmt die Dirigentin die Fermate über dem letzten Ton des markanten „ta-ta-ta-taaa“-Klopfmotivs so kurz, dass das Orchester in die Wiederholung geradezu atemlos hineinstolpert. Dadurch verliert dieser Satzanfang zwar etwas von der Monumentalität, die ihm oft unterstellt worden ist, er wirkt aber gleichzeitig auch gehetzt, und das aus dem schlichten Urmotiv entstehende Thema kann sich hernach nicht von diesem absetzen.
Dass die Bassstimmen fast durchweg etwas unterbelichtet wirken, mag an der eher höhenfreundlichen Akustik des Konzertsaals liegen, könnte aber auch auf die Positionierung der Kontrabässe und Celli am rechten Rand des Orchesters zurückzuführen sein. Hätte man hier auf die traditionell deutsche Aufstellung zurückgegriffen, dann wären auch die zweiten Violinen besser zu hören gewesen – was zumal dem letzten Satz der „Pastorale“ wohl gutgetan hätte.
Deren Gewitter setzt immerhin mit präzise gesetztem Donner und Blitz ein wirkungsvolles Kunst-Pendant zur derzeitigen Wetterlage. Die Beruhigung danach betört mit wundervoll pastellenen Streicherfarben, und das Publikum spendet dem sichtlich verjüngten Orchester begeisterten Beifall.