Befragung zeigt es Stuttgarter schauen beim Klimaschutz aufs Geld

Viele wollen weiter Energie sparen – vor allem aus Preisgründen. Foto: dpa/Marcus Brandt

Energiesparen im Haushalt hat vor allem mit den Kosten zu tun. Das zeigt eine Befragung in der Region Stuttgart. Viele scheuen Investitionen in die Dämmung oder eine neue Heizung.

Digital Desk: Jan Georg Plavec (jgp)

Die große Mehrzahl der Menschen in der Region Stuttgart hat im vergangenen Winter Strom und Gas gespart. Der wichtigste Grund waren die gestiegenen Preise. Das ergibt eine repräsentative Befragung mit 400 Teilnehmern, die im Juni von der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsfirma PwC durchgeführt wurde. 75 Prozent gaben gestiegene Preise als Grund an, 28 Prozent sparten wegen ihres ökologischen Bewusstseins, sechs Prozent wollten ein politisches Zeichen setzen.

 

Wirtschaftlicher Druck ist also der wichtigste Grund, damit Haushalte Energie und damit vielfach auch Emissionen einsparen. Der Druck hat trotz der mittlerweile wieder günstigeren Tarife offenbar nicht wirklich nachgelassen. Sechs von zehn Befragten gaben an, auch künftig sparsamer mit Gas, Strom sowie Wasser umgehen zu wollen.

Kein Run auf Gasheizungen

Die steigenden Kosten sowie die Diskussion um das jüngst beschlossene Gebäudeenergiegesetz (GEG) führen fast bei allen Befragten zu der Erwartung, dass absehbar eine neue Heizung eingebaut wird. Sechs von zehn Befragten erwarten demnach den Einbau einer Wärmepumpe, bei den Über-60-Jährigen sogar drei von vier. Mit einer neuen Gasheizung rechnen nur sechs Prozent der Befragten. Dieser Befund relativiert Befürchtungen, dass das GEG zu einem Boom bei Gasheizungen führt, ehe diese nicht mehr eingebaut werden dürfen. Zudem gab nicht einmal jeder zehnte Befragte an, dass aktuell konkrete Investitionen in eine neue Heizungsanlage oder in eine verbesserte Gebäudedämmung geplant seien.

„Solche Investitionen haben zuletzt viele Haushalte zurückgestellt“, sagt der PwC-Standortleiter Marcus Nickel. Neben Inflation und gestiegenen Energiekosten sieht er den Konsum als Hauptgrund dafür. „Viele haben dieses Jahr wieder einen teureren Urlaub im Ausland gebucht“, analysiert Nickel. Eine neue Heizung oder die Dachdämmung schöben viele auf die lange Bank.

Für Investitionen fehlt das Geld

Tatsächlich gaben in einer Befragung der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vier von zehn Immobilieneigentümern an, sich neue Fenster, eine Solaranlage oder eine Dämmung der Gebäudehülle derzeit nicht leisten zu können. Das meldete die KfW vergangene Woche. Fast genauso viele Befragte glauben, dass sich die Investition ohnehin nicht lohne.

Diese Einschätzung dürfte vielfach falsch sein, glaubt Marcus Nickel: „Viele schauen nur auf die heutigen Kosten. Dabei ist schon absehbar, dass CO2-Ausstoß teurer wird.“ Er rate Politik und Verwaltung, kontinuierlich und transparent darüber zu informieren. Die Debatte um klimafreundliches Heizen werde teilweise ideologisch geführt. „Aber am Ende rechnet jeder selbst. Daran könnte man ansetzen und den Haushalten erklären, wie sich die Preise entwickeln werden.“

Für größere Investitionen kommt es auf die Immobilieneigentümer an. Mieter können meist nur im kleinen Stil sparen. Die Bereitschaft dazu ist in der Region Stuttgart offenbar groß. Rund jeder dritte Befragte plant unmittelbar die Anschaffung von Energiesparlampen, sparsamen Elektrogeräten und Armaturen sowie abschaltbaren Steckdosen. Nur einer von vier Befragten hat überhaupt nicht vor, Energie zu sparen.

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