Begegnung mit Elizabeth Gilbert Bei der Erinnerung Gänsehaut

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Allein bei der Erinnerung an den Moment, in dem sie das Buch aufschlug und zu lesen anfing, bekommt Gilbert noch eine Gänsehaut: „Ich erkannte in Gimas meine eigene Stimme wieder“, sagt sie und streckt theatralisch den zarten Unterarm vor, auf dem sich tatsächlich die feinen blonden Härchen sträuben. „Endlich wusste ich, woher meine Neugier stammt und meine Freude an der Sprache und an Geschichten“. Dabei erläutert Frau Yardley Potter, wie man eine klumpenlose weiße Sauce hinkriegt und mit drei Eiern im Kühlschrank ein Festmahl zubereitet – freilich so köstlich fabuliert und so raffiniert autobiografisch gewürzt, dass auch kulinarisch völlig Desinteressierten das Wasser im Mund zusammenläuft.

Inzwischen hat Toby das Essen serviert. Elizabeth Gilbert bedankt sich überschwänglich und gleicht einer quirligen Frau Holle, die ihre ganze Umgebung statt mit Goldmünzen mit ihrer Freundlichkeit beglückt. Friede-Freude-Eierkuchen scheint ihr Motto zu sein. Wie Gima, die eine glänzende Gastgeberin war, weiß Elizabeth Gilbert um die Bedeutung der Eierkuchen. Sie liebt zwanglose Festivitäten.

Schwertransport als Stadtteilfest

Eine Party à la Gilbert kann mit einem sechs Tonnen schweren Marmor-Buddha beginnen. Als Gilbert und ihr Mann mit „Two Buttons“ ein neues Gebäude bezogen, musste solch ein Steinheiliger transportiert werden – dafür wurden dann sämtliche Straßen abgesperrt. „Also veranstalteten wir einen Buddha-Umzug, an dem spontan ganz Frenchtown teilnahm, mit Trommeln und Blumen und Gesang!“ Gilbert kichert wie ein Schulmädchen nach einem gelungenen Streich: „Am Ende der Parade empfingen wir alle mit einem gigantischen brasilianischen Barbecue, bei dem wir siebenhundert Leute verpflegten.“

Dieser Tage ist Elizabeth Gilbert besonders guter Laune. Vor Kurzem hat sie ihren zweiten Roman abgeschlossen, eine epische Familiengeschichte über den Heilmittelhandel im vorletzten Jahrhundert. Sie habe es enorm genossen, endlich wieder über frei erfundene Figuren zu schreiben anstatt über sich selber, sagt sie. Die Recherchen für das Buch führten sie bis nach Französisch-Polynesien. Gima hätte sie gerne mit dabeigehabt.

Deren Forschungsreisen beschränkten sich nämlich auf die Immigrantenviertel Philadelphias. So marschierte Gima einmal hochschwanger und ganz allein in einen italienischen Laden und entdeckte zu ihrem Entzücken „einen warmen, bräunlich-roten Kuchen“: Pizza, 1918. Dass ihre Urenkelin Elizabeth fast ein Jahrhundert später mit einer Pizza-Szene weltberühmt werden würde, das konnte sie natürlich nicht ahnen.

Aber man wird bei Elizabeth Gilberts nächstem Besuch in der Pizzeria Da Michele in Neapel auch für Gima den roten Teppich ausrollen. Vorausgesetzt, die „Eat, Pray, Love“-Touristen treten zur Seite. „Dafür werde ich sorgen“, versichert Elizabeth Gilbert und lässt sich den letzten Bissen ihres Kheema Chili schmecken.




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