Begegnung mit Maren Kroymann Kroymann ist keine verbiesterte Feministin

Kultur: Adrienne Braun (adr)
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„Ich genieße es, wenn die Leute irritiert sind“, sagt Maren Kroymann, die eigentlich eine freundliche Person ist. In Doris Dörries TV-Serie „Klimawechsel“ hat sie die fiese Frauenärztin gespielt, die ihre Nebenbuhlerin mit einer Vagina-OP aus dem Verkehr zieht. Sie war die schlecht gelaunte Kriminaldirektorin in dem ZDF-Krimi „Flemming“. Aber sie selbst ist alles andere als eine verbiesterte Feministin, die Säbel rasselnd austeilt.

Maren Kroymann passt in kein Raster, ist Kabarettistin, aber auch Sängerin und Schauspielerin. Sie bezeichnet sich selbst gern als „Blondine“ und kultiviert ihren femininen, mitunter koketten Charme – um doch scharf dazwischenzugrätschen und beiläufig Spitzen abzuschießen. Deshalb wird sie gern zu Talkshows eingeladen als eine, die Optimismus verbreitet und unterhaltsam ist – aber klar Stellung bezieht, vor allem wenn es um Diskriminierung geht. Maren Kroymann sagt frei heraus, was sie „Scheiße“ findet – und lächelt dazu anmutig wie ein Mädchen.

Ein Abend mit herrlichen Liebesliedern

Die Strategie funktioniert – nämlich bittere Wahrheiten in hübscher Verpackung zu servieren. „In my Sixties“ ist ein Liederabend mit nostalgischen Hits – vor allem mit herrlichen Liebesliedern von Dusty Springfield. „Aber ich würde nie nur singen, sondern will auch etwas anderes transportieren“, sagt sie. In dem Programm feiert Maren Kroymann nicht nur „fünfzig Jahre Pubertät“, sondern erinnert auch an das fragwürdige Frauenbild der sechziger Jahre. Sie mokiert sich über Ingrid Peters’ Hit „Wenn ich mal Nein sag’, heißt das lang noch nicht Nein“ oder erzählt, wie selbstverständlich ihr Bruder Vergewaltigungswitze riss.

Vier ältere Brüder prägen fürs Leben. Sie sind der Grund, weshalb Maren Kroymann sich so gut anpassen, einpassen, funktionieren kann: „Ich bin von meiner Sozialisation her nett“, sagt sie – weil sie als Nesthäkchen und einziges Mädchen der Mutter nicht auch noch Scherereien machen wollte. „Ich habe mich immer bemüht, keinen Stress zu machen.“ Schüchtern war sie, „die mit der Brille“.




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