Mittlerweile haben sich die Zustände verändert im nationalen und globalen Fußballgeschäft. Wer nun von Kick zu Kick überbrücken will, muss meist nur noch einige Stunden totschlagen, dann ertönt schon der nächste Anpfiff, wie anhand der vergangenen und kommenden Wochen zu sehen ist.
Am 17. Mai endete in Deutschland die Saison in der Fußball-Bundesliga. Was folgte, war eine Art Dauerbeschallung auf TV-Sendern, Social-Media-Kanälen und Streamingplattformen: vier Spiele in der deutschen Relegation zwischen dritter und erster Liga, die Finalspiele im DFB-Pokal sowie in der Conference, Europa und Champions League. Dann neben zahlreichen Länderspielen das Final Four in der Nations League mit vier Partien, ehe in dieser Woche die U-21-Europameisterschaft startete (insgesamt 31 Matches).
Der Markt und die Konsumenten sind damit wohl gesättigt. Sollte trotzdem ein Resthunger vorhanden sein, überhaupt kein Problem: An diesem Samstag beginnt in den USA die Club-WM des Weltverbandes Fifa, erstmals im neuen Format mit 32 Teams und insgesamt 63 Partien. Am 2. Juli startet dann die EM der Frauen in der Schweiz. Man darf sich auf weitere 31 Fußballspiele freuen. Nur sollte man dabei aufpassen, dass man darüber nicht den Trainingsstart und die ersten Testspiele seines Lieblingsclubs verpasst. Anfang Juli muss man nämlich auch damit rechnen, ehe dann am 1. August die zweite Liga startet, am 15. August die erste Pokalrunde gespielt wird und am 22. August die neue Bundesligasaison beginnt.
Für die Clubs ist die finanzielle Anziehungskraft groß
Gerechnet wird bei den großen Verbänden dabei vor allem mit zwei Dingen: Dass die Anhänger des Fußballs tatsächlich unersättlich sind. Und dass Sponsoren, Regierungen und Emirate auch weiterhin so viel Geld in den kickenden Betrieb pumpen, dass die Clubs gar nicht anders können, als mitzumachen. Zu groß ist die Verlockung.
Da beschweren sie sich ja gerne, dass alles zu viel wird. Dass nur noch wirtschaftlich gedacht wird. Und dass auf dem Rücken der eigentlichen Protagonisten (der Spieler) die Nimmersatt-Mentalität der Branche ausgelebt wird. Wenn dann aber die Geldtöpfe locken, sind sie alle wieder dabei.
Die nun beginnende Club-WM ist eigentlich sportlicher Wahnsinn – weil dabei gerade die ohnehin hoch belasteten Topspieler um die Regenerationsphase gebracht werden. Aber allein an Antrittsgagen sind eben bis zu 33 Millionen Euro zu verdienen. An Prämien kann der Sieger am Ende fast 90 Millionen Euro einstreichen. Wer will da tatenlos zusehen, wenn man doch partizipieren kann? Begründet wird die Teilnahme gegen alle Warnungen gerne mit der ansonsten drohenden Nicht-Konkurrenzfähigkeit im internationalen (Transfer-)Geschäft. Man will ja auch mitstinken, wenn die anderen Spielern und Beratern das Geld nur so hinterherwerfen.
Woher die Kohle kommt, spielt am Ende für kaum einen der Beteiligten eine Rolle – dabei haben gerade die größten Summen im Fußballbusiness mittlerweile eine deutlich zu hinterfragende Herkunft. Zumindest, wenn man es mit den Werten, die die Verbände so gerne propagieren, ernst nimmt.
Im Business Profifußball geht es aber selten um Werte im moralischen Sinne, fast ausschließlich dagegen um Werte finanzieller Art. Während andere Sportarten darben und um wirtschaftliche und öffentlichkeitswirksame Anerkennung ringen, dominiert der Fußball auf ungute Art und Weise. Nur: Wer denkt, der Gaul ist demnächst zu Tode geritten, die Kuh gemolken, der sollte sich darauf nicht verlassen.
Im Fußball gilt das Motto: Mehr geht immer. Wer das nicht glaubt, kann sich schon jetzt auf den Sommer 2026 freuen. Auf die WM. In drei Ländern. Erstmals mit 48 Teams. Und 104 Spielen.