Beginn des CDU-Bundesparteitags Klare Mehrheit für Merz unter Südwest-Delegierten erwartet

Friedrich Merz kann mit rund 100 Delegiertenstimmen aus Baden-Württemberg rechnen. Foto: dpa/Michael Kappeler

Die baden-württembergische Landes-CDU unterstützt offiziell die Kandidatur von Friedrich Merz für den Bundesvorsitz. Kurz vor Beginn des Parteitags zeigt sich, dass nicht alle Südwest-Delegierten dieser Empfehlung folgen dürften, aber doch die meisten.

Berlin - Unmittelbar vor Beginn des CDU-Bundesparteitags kann der Vorsitzendenkandidat Friedrich Merz bei der Vorsitzendenwahl am Samstagvormittag mit großer Unterstützung aus Baden-Württemberg rechnen. „Eine sehr klare Mehrheit unserer Delegierten wird sich für Merz aussprechen – bis hin zu zwei Dritteln“, sagte der Landesvorsitzende Thomas Strobl nach eine Vorbesprechung der Parteitagsteilnehmer aus dem Südwesten unserer Zeitung. Es gab dort zwar nur wenige direkte Ankündigungen oder gar eine Probeabstimmung. Die anhaltend große Unterstützung für Merz, die auch der offiziellen Empfehlung des Landesverbandes entspricht, lässt sich dem baden-württembergischen Parteichef zufolge jedoch aus zahlreichen Vorgesprächen schließen – auch wenn man bei einer digitalen Besprechung „ohne Haxe und Halbe“ ein weniger gutes Bild von der innerparteilichen Stimmungslage erhalte.

 

Schäuble für Merz

In der Videokonferenz vom Freitagnachmittag kündigte auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble übereinstimmenden Teilnehmerangaben zufolge an, den Sauerländer wählen zu wollen, nachdem zuletzt immer wieder darüber spekuliert worden war, dass seine Unterstützung für Merz der Vergangenheit angehören könne. Dessen Wahl wäre nach Schäubles Ansicht insbesondere gut für die Wahlchancen der Südwest-CDU bei der Mitte März bevorstehenden Landtagswahl. „Wenn Friedrich Merz gewählt würde, wäre das für unseren Wahlkampf im Land ein enormer Schub“, glaubt auch Christian von Stetten aus Künzelsau, einer seiner engagiertesten Unterstützer. Auch er geht auf Grundlage vieler vorangegangener Gespräche davon aus, dass ein sehr großer Teil der Baden-Württemberger, die 153 von insgesamt 1001 Parteitagsdelegierten stellen, für Merz votieren wird: „Wenn die Mitglieder entscheiden könnten, bekäme er schon im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent der Stimmen.“ Eine „klare Mehrheit“ prognostiziert auch Steffen Bilger, der Vorsitzende des Parteibezirks Nordwürttemberg.

Zeiten des einheitlichen Votums sind vorbei

Wie beim Parteitag Ende 2018, als Merz gegen die nun scheidende Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer unterlag, dürfte sich auch jetzt wieder ein Gefälle zwischen Baden und Württemberg zeigen. Auch deshalb sieht Strobl „kein homogenes Bild“. Ein Vertreter des baden-württembergischen „Nicht-Merz-Lagers“ setzt darauf, dass der frühere Unionsbundestagsfraktionschef „weniger Stimmen aus Baden-Württemberg bekommen wird als 2018“ – auch er rechnet jedoch damit, dass es bis zu zwei Drittel sein dürften. Wie in anderen Landesverbänden auch ist eine offizielle Unterstützung nicht mehr gleichbedeutend mit einem einheitlichen Delegiertenvotum: „Diese Zeiten sind lange vorbei“, sagte am Freitag Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, der sich für seinen nordrhein-westfälischen Amtskollegen Armin Laschet ausgesprochen hat. Für ihn will auch Strobls Stellvertreterin Annette Widmann-Mauz, die Bundesvorsitzende der Frauen Union, stimmen. Der Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter will im ersten Wahlgang Norbert Röttgen unterstützen.

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