Das ist das Gelände, auf dem Martin Föll auf dem Lichtenberg seine Hühnerställe errichten will. Im Hintergrund ist die Burg Lichtenberg zu sehen Foto: Werner Kuhnle)
Der Protest gegen einen Hühnerhof bei der Burg Lichtenberg im Kreis Ludwigsburg formiert sich. Der Landwirt fühlt sich missverstanden – er sei ein Nahversorger, kein Großindustrieller.
Nur zwei Wochen – und schon 1000 Unterschriften gesammelt. Christoph Seeger ist zufrieden. Der Vorsitzende der Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Lichtenberg“ blickt auf eine breite Unterstützung. Die BI kämpft gegen den Bau eines Hühnerhofs in der Nähe der pittoresken Burg, dessen Eigentümer Christoph Wichmann kürzlich erklärte, er werde keinen Biergarten eröffnen, sollte es dort zur Legehennen-Haltung kommen.
Der Streit um den geplanten Hühnerhof des Großbottwarer Landwirts Martin Föll schwelt schon seit etwa vier Jahren. Föll will dort zwei Ställe für insgesamt 12.000 Legehennen errichten. Die Gemeinde verweigerte zunächst die Zustimmung, die Fronten galten lange Zeit als verhärtet – erst vor wenigen Wochen erteilte aber der Oberstenfelder Gemeinderat mit zehn zu sechs Stimmen doch noch das städtebauliche Einvernehmen. Jetzt muss das Landratsamt entscheiden.
Geduldig hat bisher Martin Föll die Bearbeitung seines Baugesuchs abgewartet. Nun naht die Entscheidung. Foto: Werner Kuhnle
Mitten hinein in den Entscheidungsprozess hat die Bürgerinitiative ihre Unterschriftensammlung platziert. Die Sammlung werde auch durch den Historischen Verein Bottwartal unterstützt, teilt Christoph Seeger in einem Pressetext mit. Online und auf ausgelegten Unterschriftenlisten habe man die Unterschriften fixiert. „Die Geschwindigkeit, mit der sich so viele Menschen unserer Petition angeschlossen haben, zeigt, wie tief die Sorge um den Lichtenberg sitzt.“
Gegner sprechen von einem „agrarindustriellen Großprojekt“
Für Seeger handelt es sich um ein „agrarindustrielles Großprojekt“. Das Vorhaben umfasse unter anderem eine über 140 Meter lange Hühnerhalle, eine etwa zwölf Meter hohe Dunglegehalle, mehrere Futtersilos sowie eine weitläufige Freilandhaltung auf ökologisch empfindlichen, artenreichen Wiesen.
Es gehe um das Landschaftsschutzgebiet, argumentiert Seeger. Viele Bürger befürchteten erhebliche Beeinträchtigungen des Naherholungsgebiets und der historischen Umgebung. „Der Lichtenberg ist ein kulturelles und natürliches Kleinod, das auch für zukünftige Generationen erhalten werden muss.“ Die Initiative fordert, dass seine einzigartige, wertvolle Landschaft und die historische Burganlage respektiert und geschützt werden. „Es geht hier um Verantwortung für ein Gebiet, das für viele Menschen ein Rückzugsort für Ruhe und Erholung ist. Es geht um unsere Heimat.“
Die Petition richtet sich an den Ludwigsburger Landrat Dietmar Allgaier, „um ihn auch weiterhin darin zu bestärken, den gesetzlichen Schutz, unter dem der gesamte Lichtenberg aus guten Gründen steht, nicht durch Befreiungen aufzuweichen“. Agrarindustrie und Landschaftsschutz seien ein unauflöslicher Gegensatz. „Eierlegefabriken können an vielen Standorten gebaut werden, der Lichtenberg aber ist einzigartig.“
Ganz anders beurteilt der Bauherr Martin Föll die Lage. Die Anlagen wären 600 Meter von der Burg entfernt. „Man sieht das Gebäude gar nicht, wenn man frontal auf die Burg blickt.“ Die Futtersilos seien auch von der anderen Seite kaum zu sehen. Die Auflagen des Landratsamts zum Naturschutz habe er erfüllt: „Wir lassen jeweils nur 4000 Hühner ins Freie. Der Eingriff ins Grünland hält sich damit stark in Grenzen.“
Martin Föll: Habe eine bäuerliche Kleinstruktur
Martin Föll weist auf den Bedarf in der Region hin. „Jeder Einwohner im Landkreis braucht jährlich 240 bis 260 Eier.“ Er wolle diese Lebensmittel regional erzeugen. Die Größe seiner Tierhaltung entspreche einer bäuerlichen Kleinstruktur. „Die Zahl 12.000 hört sich nach viel an, aber sie reicht nur für die wenigen Orte im oberen Bottwartal.“
Es gebe etablierte Betriebe in Möglingen, Aldingen, und Hohenhaslach, die mit 12.000 bis 20.000 Legehennen ähnlich dimensioniert seien. Demgegenüber stehen die Hauptakteure der Massentierhaltung in Südoldenburg und Mecklenburg-Vorpommern, die laut Föll für Großabnehmer wie Aldi produzieren – und das mit Ställen für 80.000 bis 200.000 Tiere.
Er wolle nichts anderes, als Grundnahrungsmittel für die Menschen hier herstellen, betont Martin Föll. „Dafür mache ich meinen Beruf.“ Er könne nicht einfach an einer anderen Stelle einen Hühnerstall errichten. „Die Flächen, die wir bearbeiten, sind zu 90 Prozent in Pacht – ich habe keine anderen.“
Hühnerställe sind groß wegen des Tierschutzes
Die regionale Produktion halte er im Sinne einer Grundversorgung für eine der wichtigsten Aufgaben. Die Hühner sollen bei ihm genügend Platz haben. „Neun Quadratmeter sind gesetzlich vorgeschrieben – deshalb müssen die Ställe ja auch so groß sein.“ Wichtig für die Tiere seien auch Stroh- und Heuballen zum Picken und Scharren. „Mit Picksteinen können sie Mineralstoffe aufnehmen.“ Kleine Granitsteine erleichterten ihnen die Verdauung.
Wann das Landratsamt über seinen Bauantrag entscheidet, weiß Martin Föll nicht. Er würde sich freuen, wenn der Landrat seinen Betrieb besuchen würde, um sich selbst ein Urteil zu bilden.