Bei der Christuskirche auf der Gänsheide in Stuttgart-Ost Die Bagger kommen der Kirche ziemlich nahe

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Bei der Christuskirche auf der Gänsheide ist mit dem Abriss des angebauten Gemeindehauses begonnen worden. An dessen Stelle soll ein moderner Neubau mit Gemeindesälen und einer viergruppigen Kindertagesstätte entstehen.

Der Abbruch bei der Christuskirche hat Ende vergangener Woche bei strahlendem Sonnenschein begonnen. Foto: Jürgen Brand
Der Abbruch bei der Christuskirche hat Ende vergangener Woche bei strahlendem Sonnenschein begonnen. Foto: Jürgen Brand

S-Ost - Wenn Christoph Dinkel dieser Tage aus dem Fenster schaut, durchströmen ihn ganz gegensätzliche Gefühle. Einerseits freut ihn sehr, was da draußen vor sich geht. Andererseits findet er die zerstörerische Wucht der Bagger ganz grässlich. Dinkel ist der Pfarrer der evangelischen Christusgemeinde auf der Gänsheide und direkt bei seinem Pfarrhaus hat Ende vergangener Woche der Abriss des an die Kirche angebauten Gemeindehauses begonnen. Man kann sich also vorstellen, dass der Pfarrer gerade sehr oft aus dem Fenster schaut – und diese beginnende große Veränderung für seine Gemeinde mit dem Smartphone in Form von vielen Filmen und Fotos dokumentiert.

Tatsächlich bedeutet der Abriss einen großen Schritt in die Zukunft der Christusgemeinde. Allerdings ist nach wie vor nicht jedes Gemeindemitglied ganz damit einverstanden. Schon als vor Jahren die ersten Überlegungen für einen Abriss des Gemeindehauses bekannt geworden waren, waren viele kritische Stimmen laut geworden und auch Unterschriften dagegen gesammelt worden. Schließlich bildeten die Kirche mit dem angebauten Gemeindehaus und dem frei stehenden Pfarrhaus ein Ensemble, das doch einige Gemeindemitglieder erhalten wollten.

Allerdings entsprach das Gemeindehaus längst nicht mehr den Anforderungen für ein zeitgemäßes Gemeindeleben. Allein für den Brandschutz hätten 500 000 Euro investiert werden müssen. Barrierefrei wären die Räume dann aber immer noch nicht gewesen und der Kindergarten hätte keine Erweiterungsmöglichkeiten gehabt. Eine Projektstudie kam zu dem Ergebnis, dass ein Neubau in jeder Beziehung günstiger und besser nutzbar sein würde.

Nachdem die Gemeindeversammlung und alle anderen erforderlichen Gremien zugestimmt hatten, wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Im September 2014 wurde ein Entwurf des Büros D’Inka Scheible Hoffmann als Sieger gekürt. Der Entwurf sieht ein zweigeschossiges Gebäude entlang der Hackländerstraße mit einem großen und einem kleinen Gemeindesaal vor, das Obergeschoss bleibt der Kindertagesstätte vorbehalten.

Dorthin soll der benachbarte bisherige zweigruppige Kindergarten umziehen und auf vier Gruppen vergrößert werden. Die beiden neuen Gruppen sollen Ganztagsgruppen sein, eine davon wird Kindern im Alter von null bis drei Jahren vorbehalten bleiben. Das Neubauprojekt soll 4,1 Millionen Euro kosten.

Der Zeitplan wird laut Christoph Dinkel bis jetzt exakt eingehalten. Nachdem die Gesamtkirche grünes Licht gegeben habe, sei in den vergangenen zwei Wochen zunächst das Innere des Gemeindehauses zurückgebaut worden. Ende vergangener Woche habe der eigentliche Abriss begonnen. Dieser wird noch den ganzen Februar andauern. Dabei wird der oberirdische Abriss relativ schnell vonstatten gehen. Schwieriger dürfte das Entfernen der Kellergeschosse werden.

Der Aushub der Baugrube wird anschließend unter besonderer Beobachtung stehen. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst wird dann laut Pfarrer Dinkel permanent vor Ort sein, weil in dem Bereich noch Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg im Untergrund liegen könnten. Im März soll mit den Rohbauarbeiten begonnen werden. „Die Fenster sollen in der 40. Kalenderwoche drin sein“, sagt Christoph Dinkel, und ist selbst über die präzise Terminierung in der jetzt noch so weit entfernt scheinenden zweiten Jahreshälfte erstaunt. Die Fertigstellung des Neubaus ist für Juli 2017 geplant, die Neueröffnung der Kindertagesstätte für September 2017.

Vorher müssen aber erst noch andere Termine gefunden werden, zum Beispiel der für die Grundsteinlegung. Und vorher muss der Pfarrer immer wieder Überzeugungsarbeit leisten. „Ich muss das oft erklären“, sagt er. „Aber unser Angebot für Kinder wird dann viel besser sein.“ Das überzeugt die meisten seiner Gesprächspartner, die den Abriss beobachten, dann doch.




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