Beim 1:1-Remis in Mönchengladbach VfB zeigt einen großen Kampf
Der Fußball-Bundesligist präsentiert sich am Ende der Corona-Chaoswoche als starke Einheit – und zwei Abwehrspieler zeigen eine überragende Leistung.
Der Fußball-Bundesligist präsentiert sich am Ende der Corona-Chaoswoche als starke Einheit – und zwei Abwehrspieler zeigen eine überragende Leistung.
Mönchengladbach - Es ist keine neue Erkenntnis, dass im Fußball der Konjunktiv nichts zählt. Und trotzdem bewegte nach dem 1:1-Remis bei Borussia Mönchengladbach eine Szene die Gemüter beim VfB Stuttgart – weil Tanguy Coulibaly in der 31. Minute nach einer starken Balleroberung die Riesenchance vergeben hatte, das 2:0 zu erzielen. Der Franzose stand alleine vor Yann Sommer, doch statt auf den Torwart zuzulaufen, ihn zu umdribbeln oder den Ball an ihm vorbeizulegen, versuchte er einen ebenso überhasteten wie überflüssigen Kunstschuss von der Strafraumgrenze. Der Heber flog weit am Tor vorbei. „Ich drücke es mal nett aus“, meinte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo, „es hätte ein Tor sein können, denn es ist eine sehr gute Möglichkeit gewesen. Seine Entscheidung war okay, die Ausführung aber zu unsauber.“
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Soweit die Fakten. Die Frage, was passiert wäre, wenn Coulibaly getroffen hätte, berücksichtigen diese natürlich nicht. Dabei liegt die Antwort auf der Hand: Der VfB hätte beste Aussichten gehabt, am Ende der schwierigen Woche mit sechs Coronafällen und trotz der vielen Verletzten sogar einen überraschenden Dreier zu holen. So war es am Ende ein Punkt – mit dem die Gäste allerdings auch gut leben konnten. „Ich bin zufrieden, weil wir trotz dieser letzten zehn Tage konkurrenzfähig gewesen sind“, meinte Matarazzo, „die Gladbacher hatten zwar ein optisches Übergewicht, aber es waren auch viele Weitschüsse und viele Standardsituationen dabei. Wir haben immer ein Bein dazwischen bekommen, es war keinesfalls so, dass wir uns nicht gewehrt haben.“ Ganz im Gegenteil.
Die Gladbacher kamen am Ende zwar auf fast 60 Prozent Ballbesitz und 31 Torschüsse (so viele wie seit elf Jahren nicht mehr), waren in der zweiten Hälfte aber nicht mehr so überlegen gewesen wie noch vor der Pause. Was vor allem daran lag, dass der VfB richtig gut verteidigte. Mit vollem Einsatz, mit Köpfchen, als Einheit. Aus der zwei Spieler herausragten.
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Torwart Fabian Bredlow, der nach seinem positiven Coronatest und zehn Tagen Pause am Freitag erstmals wieder trainiert hatte, spielte fehlerlos, strahlte Ruhe aus, vertrat Florian Müller (in Quarantäne) perfekt. „Es war eine verrückte Woche“, sagte Bredlow, „mir ging es die ganze Zeit gut, meine Frau hat mir ständig Stäbchen in die Nase geschoben. Ich freue mich, dass ich gesund bin. Und dass wir einen Punkt geholt haben, der definitiv verdient war.“ Woran auch Konstantinos Mavropanos großen Anteil hatte.
In der ersten Viertelstunde war der VfB nicht einmal konstruktiv über die Mittellinie gekommen, dann startete er seinen ersten Angriff. Der Ball lief perfekt aus der Abwehr nach vorne, die Mönchengladbacher schauten nur zu – auch als Omar Marmoush einen Querpass spielte und Mavropanos mit einem fulminanten Schuss aus 28 Metern ins linke untere Eck traf. „Das“, sagte der Verteidiger hinterher mit einem Grinsen, „war nicht schlecht.“
Dies galt für den Treffer, aber auch für die sonstige Leistung des Griechen. Er rannte, ackerte, kämpfte, leistete sich kein einziges Foul, warf sich in die Schüsse der Gladbacher – und erhielt ein Lob seines Trainers: „Er hat das Defensiv-Gen, versucht mit allerletztem Willen, das Tor zu verteidigen. Ich bin sehr dankbar, ihn bei uns im Team zu haben.“
Nur einmal war Mavropanos im Pech. Einen Ball, den er eigentlich per Kopf ordentlich geklärt hatte, landete genau bei Kunstschütze Jonas Hofmann, der von der Strafraumkante aus das 1:1 erzielte (41.). Mehr allerdings ließ die sehr geordnete und gut organisierte VfB-Defensive nicht zu. Weil es den Gästen nach vorne an Durchschlagskraft gefehlt hatte, haderten die Mönchengladbacher dennoch mit dem Remis. „Es ist total ärgerlich, weil wir uns in der ersten Hälfte auch durch den Sonntagsschuss von Mavropanos nicht haben beirren lassen und super stark waren“, sagte Kapitän Lars Stindl, „hinten raus hat der VfB dann allerdings sehr gut verteidigt.“ Und Trainer Adi Hütter meinte: „Wenn man auf die Statistik sieht, die ja bekanntlich nicht lügt, müssen wir uns unterm Strich über diesen Punktverlust ärgern.“
Und zugleich darüber freuen, dass Konjunktive im Fußball nichts zählen.