Gekündigt wegen Bundesbedarf: Die Bogenanlage, die der MTV seit bald 60 Jahren pachtet, soll dem Bundesforst zurückgeführt werden. Nicht ohne Gegenwehr der Sportler.
Seit bald 60 Jahren fliegen auf dem Grundstück unweit des Waldhauses zwischen Ludwigsburg und Asperg Pfeile durch die Luft. Wenn es nach den Verantwortliches des MTV Ludwigsburg und den Bogenschützen ginge, bleibt das auch noch viele weitere Jahre so. Doch das Gelände, knapp 10.000 Quadratmeter groß und auf einer Lichtung im Osterholzwald gelegen, gehört dem Bund. Der kündigt nun Bedarf an – und dem MTV als Pächter damit auf 31. Dezember 2025.
Bei der Abteilung Bogenschießen will man nichts unversucht lassen, eine andere Lösung zu finden und sucht den Kontakt zur Politik und Presse. Lokalpolitiker, aber auch Ministerpräsident Kretschmann und Bundeskanzler Merz haben Post von dem Verein bekommen. „Notfalls kette ich mich auf diesem Platz fest – die bekommen uns nicht ohne Medienrummel weg“, sagt Abteilungsleiter Jürgen Uhlmann.
MTV will Kündigung verhindern
20 Jugendliche und 25 bis 30 aktive Erwachsene spielen von März bis Oktober auf der Bogenanlage. Montags und mittwochs mit Trainer, die Mitglieder können den Platz aber auch selbstständig nutzen. Warum der Bund das Grundstück nun zurückfordert – dafür gibt es verschiedene Gründe. Am Anfang habe es geheißen, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) brauche das Gelände als Stellplatz für Baufahrzeuge. Unweit entfernt steht eine verlassene Ruine, die früher von der Wehrmacht und später der Bundeswehr als Schießanlage genutzt wurde. Die Bima reißt sie derzeit zum Schutz der Bevölkerung ab.
Der MTV bekomme nach dem Abriss einen neuen Mietvertrag, habe es von der Bima anfangs geheißen. „Im Winter sind wir eh in der Halle, das hätte uns nicht gestört“, sagt Uhlmann. Dann habe die Bundesanstalt Mängel festgestellt, für die der MTV Handwerker beauftragt hat. Später habe es geheißen, die Bima würde das Grundstück dem Bundesforst zurückgeben und schließlich sei bei einer Platzbegutachtung im September ermittelt worden, dass man darauf gut Container für Batteriespeicher abstellen könne. Diese puffern überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energiequellen, der nicht sofort benötigt wird, und geben ihn bei Bedarf ins Netz oder in Betriebe ab, um Versorgungslücken zu schließen. „Wir haben gesagt, dann stellt ihr die links auf, wir schießen rechts“, erzählt Uhlmann. „Wir wollen ja der Energiewende nicht im Weg stehen.“ Die Abteilung habe auch angeboten, den Platz zu kaufen – mit keinem Vorschlag seien sie auf offene Ohren gestoßen.
„Für uns gibt es keinen anderen Platz“
Der Trainer weiß: Wenn sie die Pacht tatsächlich verlieren, gibt es keine Alternative. „Dann müssen wir die Abteilung aufgeben“, so Uhlmann. Er ist verärgert von dem Vorgehen der Bima. „Jeder erzählt einem was von Ehrenamt und dann steckt man sein Herz da rein und kriegt einen vor den Latz geknallt.“ Die Bogenschützen-Abteilung leiste Jugend- und Integrationsarbeit. Beim MTV würden seit Jahrzehnten Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander spielen. „Für uns gibt es keinen anderen Platz, aber für Großakkus schon“, sagt Uhlmann.
Nachfrage bei der Bima, was nun mit dem Platz passiert: Die Nutzung durch den Bogenschützenverein sei mit den naturschutzfachlichen Zielen nicht vereinbar, so die Bundesanstalt. Nach Abschluss der Rückbaumaßnahmen werde das gesamte Grundstück dem BImA-Geschäftsbereich Bundesforst zugeführt. „Dieser übernimmt die forstwirtschaftliche Bewirtschaftung und Entwicklung als naturnahe Waldfläche.“ Hierzu könnten auch Maßnahmen im Bereich erneuerbarer Energien gehören. Die Waldfläche bleibe für die Naherholung der Öffentlichkeit nutzbar.
Keine alternativen Flächen im Bestand der Bima
Die Frage, wie viel Platz das Stromspeichersystem braucht, kann die Bima derzeit noch nicht beantworten. Die Bima überprüfe alle ihre vorhandenen Flächen auf Eignung und Umsetzung, um möglichst viele Flächen für den Ausbau der erneuerbaren Energien nutzen zu können. „Es ist daher keine Frage der Alternativen, sondern lediglich der Eignung und Umsetzungsmöglichkeit.“
Jochen Eisele, Vorsitzender des MTV und Stadtrat, findet die Kündigung dubios. „Ich verstehe den Bundesbedarf nicht ganz.“ Es werde nun geprüft, ob die Kündigung rechtmäßig ist. Im Sommer stehen auf dem Platz 25 Scheiben – „mit der Fläche, die es darum herum braucht, ist das wie ein überbreiter Fußballplatz, dafür gibt’s keine Ersatzfläche“, sagt Eisele. Der MTV soll nun bis Mitte November entscheiden, ob der Verein einen von der Bima angebotenen Aufschub bis Ende 2026 nutzen will.