Beistand für Esslinger Kinder „Würden gerne noch mehr tun“: Kinderschutzbund will seine Arbeit weiter stärken

Angelika Roggmann (links) und Margot Kemmler machen sich für Kinder stark. Foto: Roberto Bulgrin

Der Esslinger Kinderschutzbund ist zur Stelle, wenn Kinder in schwierigen familiären Situationen Beistand brauchen. Dafür braucht der Verein weitere Unterstützung.

Junge Menschen sollen in einem kinderfreundlichen Umfeld aufwachsen, das ihre geistige, psychische, soziale und körperliche Entwicklung fördert. Doch für manche Kinder und Jugendliche sind familiäre Belastungen, soziale Ungerechtigkeit, Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt bittere Realität. Für sie will der Kinderschutzbund da sein.

 

Zahlreiche Familien wissen diese Hilfen zu schätzen – und der Bedarf wird nicht geringer. Doch der Kreisverband Esslingen des Kinderschutzbunds braucht auch selbst Unterstützung: Das Ehrenamt benötigt Verstärkung, das Vorstandsteam sucht engagierte Nachfolger.

Der Kinderschutzbund setzt sich für die Rechte aller Kinder und Jugendlichen ein, er will sie bei der Entfaltung ihrer Fähigkeiten stärken, macht sich für ihre Interessen stark und fordert bessere materielle Lebensbedingungen sowie eine kinderfreundliche und gesunde Umwelt. Damit starke, selbstbewusste Kinder ihren Weg gehen, werden Eltern in ihrer Erziehungskompetenz und im Alltag unterstützt – etwa durch Kurse, Beratung und praktische Entlastung. Und weil Vorbeugung der beste Weg ist, stärkt und entlastet der Verein Kinder und deren Familien, ehe sie in Krisen geraten.

Familienpaten helfen im Alltag

Eltern sollen den Kontakt zu ihren Kindern auch nach einer Trennung nicht verlieren. Foto: imago/Bihlmayerfotografie

So nutzen derzeit rund 70 Familien die Möglichkeit des „Begleiteten Umgangs“ beim Kreisverband Esslingen: Wenn Kinder getrennt von ihren Eltern in einer Pflegefamilie oder getrennt vom anderen Elternteil nur beim Vater oder nur bei der Mutter leben, sollten dennoch regelmäßige Begegnungen angestrebt werden, soweit sie dem Wohl des Kindes nicht abträglich sind. Ziel ist es, dass die Eltern die Kontakte zu ihrem Kind in den Griff bekommen. Fachleute des Kinderschutzbundes sind dabei und sorgen dafür, dass nicht noch mehr schiefgeht. Ein weiteres Standbein sind die Familienpaten, die Familien in schwierigen Lebenslagen im Alltag begleiten. Ganz egal, ob es sehr junge Eltern, Alleinerziehende, Eltern in Trennungssituationen oder Familien ohne hilfreiches Netzwerk sind oder wenn Krankheit, Behinderung, Arbeitslosigkeit, Verschuldung oder fehlende Integration die Familien belasten – die Paten stehen ihnen zur Seite.

Margot Kemmler, die den Kreisverband Esslingen seit 2018 leitet, weiß um den großen Bedarf an solchen Hilfen. Und sie betont seit Jahren: „Wir würden gerne noch viel mehr tun, doch ohne die nötigen personellen und finanziellen Ressourcen muss so manche Familie mit einem Platz auf der Warteliste vertröstet werden.“ Vier hauptamtliche Teilzeitkräfte arbeiten in der Geschäftsstelle in der Neckarstraße 86, unterstützt von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Zuletzt konnte der Kreisverband sein Domizil deutlich erweitern. „Dank der zusätzlichen Räume konnten wir die Warteliste reduzieren“, freut sich Angelika Roggmann, die sich seit 50 Jahren im Kinderschutzbund engagiert.

Verantwortung in jüngere Hände legen

Wenn sich die Eltern trennen, bedeutet das oftmals für Kinder eine schlimme Belastung. Foto: imago/Zoonar II

„Wenn man sieht, dass Kinder und ihre Familien Unterstützung brauchen, muss es selbstverständlich sein, dass man hilft“, findet die Vorsitzende. Doch nach all den Jahren in vorderster Reihe würde sie die Verantwortung gerne in jüngere Hände legen. „Unsere Geschäftsstelle ist sehr gut aufgestellt, wir haben ein tolles Team“, sagt Margot Kemmler, die sich vor allem um die Außenvertretung des Kinderschutzbundes, um Verhandlungen über Fördergelder und um Spenden kümmert und potenziellen Nachfolgern volle Unterstützung garantiert: „Wir stehen einem neuen Vorstand zur Seite, solange wir gebraucht werden.“

Doch der will erst einmal gefunden sein. Kemmler und Roggmann sind mit vielen im Gespräch – zuletzt dem CDU-Landtagsabgeordneten Andreas Deuschle, der Unterstützung zusagte: „Im Wahlkampf komme ich mit vielen Menschen zusammen und werbe gerne für die Mitarbeit im Kinderschutzbund. Als Jurist weiß ich, wie Kinder gerade in Trennungssituationen oftmals leiden und wie wichtig es ist, dass es eine Organisation wie den Kinderschutzbund gibt, der ihnen zur Seite steht. Für Kinder in solchen Lebenslagen kann man gar nicht genug tun.“

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