Beitrag zur Ökologie in Waldenbuch Die Stadtbücherei hat jetzt auch Samen
Samen ausleihen, einpflanzen, ernten und zurückbringen: das Konzept der neuen Saatgutbibliothek ist ähnlich dem der klassischen Bücherei. Nur die Leihfrist ist länger.
Samen ausleihen, einpflanzen, ernten und zurückbringen: das Konzept der neuen Saatgutbibliothek ist ähnlich dem der klassischen Bücherei. Nur die Leihfrist ist länger.
Sie heißen „Ernteglück“, „Bonner Beste“ oder „Veni Vidi Vici“ – bei diesen Namen handelt es sich nicht etwa um Buchtitel, sondern um alte Tomatensorten, deren Samen man in der Stadtbücherei Waldenbuch im Frühjahr ergattern konnte. Denn seit diesem Jahr gibt es dort eine Saatgutbibliothek. Von Tomaten, Erbsen über Salat bis hin zu Bohnen – elf wertvolle Alte Sorten wurden an interessierte Hobbygärtner verteilt. Das Ziel? Durch Anpflanzen und Saatgutrückgewinnung diese Schätze zu erhalten und so einen Beitrag zu Biodiversität und Sortenvielfalt zu leisten.
„Ich hatte schon länger die Idee einer Saatgutbibliothek gehabt“, erzählt Susanne Dosch. „Es passt gut in unser Konzept, denn uns ist Nachhaltigkeit sehr wichtig“, fügt die Büchereileiterin hinzu. Gemeinsam mit der Bürgerstiftung, die die Bücherei bei ihrem Vorhaben tatkräftig unterstützt, legte sie Anfang des Jahres sozusagen den ersten Samen für das neue Projekt. Die Resonanz sei sehr groß gewesen, berichtet Dosch. Nahezu alle rund 90 Samentütchen mit etwa zehn Samen seien bereits bei der Auftaktveranstaltung verteilt worden. In den vergangenen Wochen brachten die Hobbygärtner ein paar ihrer Setzlinge in die Bücherei und tauschten sie gegen andere aus. „Mittlerweile sind nur noch ein paar Salatpflänzchen übrig“, sagt Dosch. Aus denen werde aber vermutlich nichts mehr, sie seien viel zu klein. Auch die Büchereileiterin hat sich am Gärtnern versucht: „Der Salat ist bei mir nichts geworden, aber die Tomaten gedeihen gut“, erzählt sie. Nun hofft sie auf eine reiche Ernte.
Und so funktioniert die Saatgutbibliothek: Hobbygärtnerinnen und -gärtner können Anfang des Jahres jeweils ein Saatguttütchen für Tomaten, Bohnen und Salat entleihen. Das Saatgut eignet sich für Anfänger. Die Samen werden im Garten oder in Hochbeeten auf dem Balkon ausgesät, was geerntet wird, landet auf dem Esstisch. Nach der Ernte wird ein Teil des gewonnenen Saatguts getrocknet und wieder an die Saatgutbibliothek zurückgegeben, damit andere Nutzer es ebenfalls anbauen können. Auf diese Weise entsteht ein nachhaltiger Kreislauf zur Erhaltung von alten und selten gewordenen Nutzpflanzen und der genetischen Vielfalt. Die Saatgutbibliothek dürfen alle Bürgerinnen und Bürger nutzen, unabhängig davon, ob man einen Büchereiausweis besitzt. „Man kann auch nur ein Pflänzchen mitnehmen“, sagt Dosch.
Die Idee zur Saatgutbibliothek stammt aus den USA. Da es hier ganz viel gentechnisch verändertes Saatgut gibt, versuchen viele private und Umweltinitiativen mit Seedlibraries, der englische Begriff für Saatgutbibliothek (seed: Samen und library: Bibliothek), die alte Sortenvielfalt zu erhalten. Saatgutbibliotheken sind hierzulande noch nicht so verbreitet wie in den USA, aber die Fangemeinde wächst auch hierzulande.
Am Samstag, 5. Juli, können sich Interessierte die Ergebnisse der Alten Sorten aus der Saatgutbibliothek, die dieses Jahr angebaut wurden, ansehen und vielleicht sogar das eine oder andere Gemüse probieren, wenn es schon reif ist. Denn an diesem Tag lädt Michael Kruse von der Bürgerstiftung von 11 bis 17 Uhr in seinen Garten in den Alten Hauländer ein. Dort vermehrt er auch schon einige neue Alte Sorten für das kommende Jahr. Dann soll es in der Saatgutbibliothek nämlich vermehrt Erbsen und Stangenbohnen geben.