Beitrittsdebatte in Göppingen Mit dem VVS würden Bürger billiger fahren

Der VVS würde die rund 100 Zonen im Kreis auf vier Ringzonen reduzieren. Foto: Landratsamt
Der VVS würde die rund 100 Zonen im Kreis auf vier Ringzonen reduzieren. Foto: Landratsamt

Es schien, als seien alle Argumente für und gegen einen Beitritt in den VVS ausgetauscht. Doch jetzt präsentiert die Kreisverwaltung ein paar neue, die vor allem für die Bürger relevant sind.

Regionales: Karen Schnebeck (ks)
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Süßen - Die Unternehmen im Landkreis und auch viele Bürger, die regelmäßig mit Bus und Bahn unterwegs sind, machen sich schon lange für einen Beitritt des Kreises zum Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) stark. Bei einer Informationsveranstaltung des Landratsamtes in Süßen zu dem Thema hat sich jetzt gezeigt, dass der Beitritt den Nahverkehr tatsächlich nicht nur komfortabler für viele Fahrgäste machen könnte, sondern auch deutlich billiger. Ausgerechnet die ländlichen Kommunen, die sich speziell im Oberen Filstal noch skeptisch gezeigt hatten, würden offenbar profitieren.

Wie der Kreisverkehrsplaner Jörg-Michael Wienecke berichtete, würden die Fahrgäste pro Jahr insgesamt 2 bis 2,5 Millionen Euro sparen, wenn der Kreis dem Verkehrsverbund beitreten würde. Das liegt an der Tarifreform des VVS, die mit dem beitritt vom 1. Januar 2021 auch im Kreis Göppingen umgesetzt würde. Statt der bisher kreisweit rund 100 Zonen würde es dann nur noch vier Ringzonen geben, die Zonen 4, 5, 6 und 7. Für die meisten Fahrgäste würde das dazu führen, dass sie statt mehrerer Zonen nur noch ein bis zwei Zonen durchfahren müssten – mit den entsprechenden Preisvorteilen. So würde etwa eine Fahrt von Göppingen nach Geislingen nur noch 2,90 Euro statt 5,20 Euro kosten, von Göppingen nach Gruibingen wären 2,90 statt 4,80 Euro fällig und von Uhingen nach Stuttgart wären es 6,50 statt 7,70 Euro.

Vor allem ländliche Gemeinden würden profitieren

Besonders vorteilhaft wäre das neue System für Bürger, die in den ländlichen Gemeinden wohnen und von dort in Städte wie Geislingen oder Göppingen wollen. Denn die sieben Ringzonen des VVS legen sich kreisförmig um die Kernzone, die Stadt Stuttgart. Im Kreis Göppingen würden sie sich weit in die Fläche ausdehnen. So reicht die Zone 7 etwa von Weißenstein und Böhmenkirch über Geislingen bis hinunter nach Wiesensteig und Hohenstadt.

Natürlich, so Wienecke, müsste der Kreis ausgleichen, was die Busunternehmen weniger verdienen würden. Doch diese Summe sei in den jährlichen Kosten für den Beitritt von 3 bis 5 Millionen Euro eingerechnet. Auch die Kosten von 1,1 Millionen Euro für den Metropolexpress seien eingepreist. Letztlich seien die tatsächlichen Kosten für den Beitritt also nicht ganz so hoch, wie es auf den ersten Blick scheine, denn auch wenn der Kreis dem Verbund nicht beitrete, müsse er Geld in die Hand nehmen, um den Nahverkehr weiter voran zu bringen.

Unternehmen machen sich für Beitritt stark

Experten wie der VVS-Geschäftsführer Horst Stammler, der Direktor des Verbands Region Stuttgart Jürgen Wurmthaler und Professor Tobias Bernecker von der Hochschule Heilbronn warben eindringlich für den Beitritt zum VVS. Dadurch eröffnete sich dem Kreis nicht nur die Chance, den Öffentlichen Nahverkehr auszubauen. Auch die Wirtschaft profitiere von der besseren Anbindung, und die engere Verbindung mit der Region Stuttgart sei politisch von Vorteil. Der Landrat Edgar Wolff sagte, er sei zwar rückblickend froh, dass man sich für die Entscheidungsfindung Zeit genommen habe. Aber nun seien alle offenen Fragen beantwortet und es sei Zeit, den Beitritt zu beschließen.

Wolff machte kein Geheimnis daraus, dass auch er anfangs nicht sicher gewesen sei, ob sich die Kosten für den Beitritt lohnen würden. Inzwischen stehe dies für ihn allerdings außer Frage. Die Finanzierung sei trotz der hohen Belastung des Kreishaushalts durch andere Großprojekte wie den Klinikneubau und die Erweiterung des Landratsamtes gesichert. Um die Kosten für den Kreis und die Kommunen etwas zu senken, ist das Landratsamt auf die Unternehmen, die den Beitritt stets gefordert hatten, zugegangen und hat ihnen vorgeschlagen, den Beitritt drei Jahre lang finanziell zu unterstützen. Jörg-Michael Wienecke zufolge haben bereits einige zugesagt, sich jährlich mit Summen von 5000 bis 10 000 Euro zu beteiligen.

Wie es weitergeht

Vorberatung:
Ob der Kreistag, wie es sich die Verwaltung wünscht, für den Beitritt zum VVS stimmt, ist im Moment nicht abzusehen. Teile der CDU und der Freien Wähler standen dem Beitritt bisher wegen der Kosten skeptisch gegenüber. Am kommenden Dienstag, 22. Januar, beraten die Kreisräte im Ausschuss für Umwelt und Verkehr im Landratsamt über das Thema und breiten somit die Abstimmung schon mal vor.

Entscheidung:
Am Freitag, 1. Februar, trifft sich das gesamte Gremium dann zu einer Sondersitzung, in der es nur um den Beitritt zum Verkehrsverbund gehen soll. Dort soll die Entscheidung über den Beitritt gefällt werden.

Beitritt:
Stimmt der Kreisrat zu, ist Göppingen vom 1. Januar 2021 an ein vollwertiges Mitglied des Verkehrsverbunds Stuttgart. Gibt es keine Zustimmung, bleibt im Kreis verkehrsmäßig dauerhaft alles beim Alten. Denn der VVS hat bereits angekündigt, nicht noch einmal über einen Beitritt mit dem Kreis Göppingen verhandeln zu wollen.




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