Bekämpfung von Weltraumschrott Ein Laser soll den Himmel leer fegen

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Stuttgarter Luft- und Raumfahrtforscher haben ein Konzept entwickelt, um der vielen Trümmer im Orbit Herr zu werden.

Diese Titanhülle stürzte 2001 ab. Foto: Nasa 2 Bilder
Diese Titanhülle stürzte 2001 ab. Foto: Nasa

Stuttgart - Die unendlichen Weiten des Alls mögen im Großen und Ganzen leer sein. Die erdnahen Umlaufbahnen, in denen Menschen arbeiten, sind es nicht. Hier wimmelt es von Resten verbrauchter Raketenteile, in denen manchmal sogar noch Treibstoff steckt, Kollisionstrümmern oder gar entschwebtem Werkzeug. Auf den Arbeitshöhen von 800 bis 1000 Kilometer gibt es täglich Kollisionswarnungen. Die Schrottteile sind hier so zahlreich, dass manche Experten schätzen, sie könnten in wenigen Jahrzehnten eine weitere Erforschung des Weltraums unmöglich machen. Denn schon wenige Millimeter große Teile besitzen aufgrund ihrer Geschwindigkeit die Durchschlagskraft einer Granate. Weltweit wird deshalb nach Möglichkeiten gesucht, die Umlaufbahnen zu säubern.

In den vergangenen Monaten wurde das Problem auch der Öffentlichkeit vor Augen geführt: als die Satelliten Rosat und UARS im Herbst unkontrolliert und unvorhersagbar abstürzten und als an Heiligabend eine Raketenoberstufe spektakulär in der Atmosphäre verglühte. Für Sonntag wird der Absturz der gescheiterten russischen Marssonde Phobos-Grunt erwartet. Die russische Raumfahrtagentur Roskosmos rechnet damit, dass Fragmente mit einem Gesamtgewicht von 200 Kilogramm über dem Indischen Ozean niedergehen.

Kleinteile sollen künftig erfasst werden können

Ein Stuttgarter Forscherteam hat ein Konzept für das Problem entwickelt: Mit gepulsten Laserstrahlen wollen Adolf Giesen und seine Mitarbeiter zunächst die etwa 700.000 Schrottteile von einem Zentimeter Größe aufwärts systematisch katalogisieren - bislang sind lediglich 20.000 Teile von zehn Zentimeter Größe an in einem amerikanischen Katalog erfasst. Giesen leitet seit 2007 das Institut für Technische Physik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Stuttgart.

In einem ersten Testlauf Anfang Dezember wiesen Giesens Mitarbeiter nach, dass sie Objekte aus diesem Katalog mit einem energiereichen Laser wesentlich genauer orten können. "Wir schaffen es, die Bahn bis auf zehn Meter genau in alle Richtungen zu erfassen", sagt Giesen. Er ist deshalb zuversichtlich, dass mit den Jahren selbst die zahllosen Kleinstteile von weniger als einem Zentimeter Durchmesser erfasst werden können. Doch dazu braucht es weit stärkere Laser als für die Ortung von Satelliten, denn diese sind mit Reflektoren ausgestattet und daher gut sichtbar.