Der Marbacher Schillerverein hat das angrenzende Anwesen gekauft. Das eröffnet für die Gestaltung des Museums ganz neue Möglichkeiten.
Der Marbacher Schillerverein um den Zweiten Vorsitzenden Birger Laing hatte schon lange ein Auge auf das Nachbargrundstück von Schillers Geburtshaus geworfen. In der vergangenen Woche konnte das Anwesen tatsächlich gekauft werden. „Das ist für uns eine Jahrhundertchance“, sagt Laing. Wenn man jetzt nicht zugegriffen hätte, wäre die Immobilie wahrscheinlich für absehbare Zeit vom Markt gewesen. Nun bestehe die Möglichkeit, die Häuser per Durchbruch zu verbinden, den unterdimensionierten Empfangsbereich ins Nachbargebäude zu verlegen, zu vergrößern – und das Geburtshaus selbst komplett mit zeitgemäß präsentierten Ausstellungsobjekten zu bespielen.
Umbau wird für die nächsten vier bis fünf Jahre angestrebt
„Wir gehen dabei Schritt für Schritt vor“, sagt der Marbacher Bürgermeister Jan Trost, qua Amt Vorsitzender des Vereins. Die Einweihung des umgestalteten Museums werde sicher nicht im nächsten und auch nicht im übernächsten Jahr gefeiert. Man spreche von einem Zeithorizont von vielleicht vier bis fünf Jahren, erklärt Birger Laing.
Diese eher konservative Zielsetzung hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass das Vorhaben für den Schillerverein finanziell erst einmal gestemmt werden muss. Beim Kauf des Nachbarhauses in der Niklastorstraße wurden Birger Laing und seine Mitstreiter zwar von zwei Stiftungen und einem Unternehmen unterstützt, mussten aber dennoch zusätzlich einen Kredit über 380 000 Euro aufnehmen. „Das ist ein großer Brocken. Wir starten jetzt eine Fundraising-Aktion, müssen das zurückzahlen mit Zinsen“, erklärt Laing. Im Hinblick auf den Umbau setzt man darauf, dass die öffentliche Hand dem Verein zur Seite springt. Stiftungen wollen sich ebenfalls einbringen, betont Laing.
Losgelöst von der finanziellen Frage wolle man jetzt Architekten mit einer Grobplanung beauftragen. Dem Verein schwebt unter anderem vor, einen Empfangsbereich im frisch erworbenen Gebäude zu etablieren, der dann auch über Garderobe und Schließfächer verfügt. Beides fehlt bis dato. Außerdem sollen moderne Sanitärräume eingebaut, der Museumsshop erweitert werden. Darüber hinaus möchte man einen größeren Raum für Veranstaltungen freihalten, in dem zum Beispiel Schulklassen vor Ort arbeiten könnten. „Es geht um einen Raum, in dem Schüler Schiller erleben können“, sagt der Rathauschef.
Überlegung, dass Schüler einen Raum selbst gestalten
Im Geburtshaus selbst soll die Ausstellung zeitgemäßer gestaltet werden. Den Hut werden hierbei das Deutsche Literaturarchiv und die Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg auf haben. Vorstellbar sei beispielsweise, dass sich in einem Raum im Geburtshaus Schüler kuratorisch austoben können und dort ein literarisches Thema präsentierten, erklärt Laing.