Belegung mit Corona-Kranken geht zurück Leichte Entspannung auf Intensivstationen

Die Krankenhäuser spüren ein kleine Entlastung. Foto: dpa/Sven Hoppe

Weihnachten sind die Kliniken in Baden-Württemberg wegen Corona stark belastet gewesen. Seither gingen die Zahlen um ein Sechstel zurück. Entwarnung will das Sozialministerium aber noch nicht geben.

Stuttgart - Über den Aussagewert der gemeldeten Infektionszahlen mit Covid 19 – verzerrt durch Feiertage – wird heftig gerungen. Aber konkret und sichtbar schlägt sich die Corona-Pandemie auf den Intensivstationen der Krankenhäuser nieder – und da zeichnet sich zumindest in Baden-Württemberg eine leichte Besserung ab. Matthias Einwag, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Baden-Württemberg, zitiert neue Zahlen aus dem DIVI-Intensivregister: Demnach hatte die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen im Südwesten am 23. Dezember mit 612 ihren Höchststand erreicht, an diesem Montag habe sie nur noch bei 521 gelegen – also 91 oder fast ein Sechstel weniger. „Die Situation ist nicht mehr so angespannt wie um Weihnachten, aber noch lange nicht entspannt“, sagte Einwag unserer Zeitung. Denn man könne die Entwicklung möglicher Virus-Mutationen ja nicht prognostizieren.

 

Normale Operationen werden wieder hochgefahren

Vorsichtig äußert sich auch das Sozialministerium in Stuttgart. „Seit einigen Tagen ist die Lage angespannt stabil und hat sich nicht noch weiter verschärft“, sagte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage. Grundsätzlich sei die Lage auf den Intensivstationen aber „ernst“. Steige die Infektionszahl, steige ja auch Zahl der Intensivpatienten. „Dabei ist in einigen Regionen die Situation angespannter als in anderen.“ Landesweit seien von 2438 Intensivbetten 2108 Betten belegt. Das entspreche einer Auslastung von 86,5 Prozent.

Etwas optimistischer sind die Aussagen von Götz Geldner, Chefarzt beim RKL-Klinikum in Ludwigsburg und Vorsitzender des Berufsverbandes der Anästhesisten, der einen Großteil der Intensivmediziner in Deutschland vertritt. „Mit einem zeitlichen Versatz von zwei Wochen nach einer Infektion kommen schwere Virus-Erkrankungen ins Krankenhaus“, sagt Geldner. Nach der Aufnahme auf einer Normalstation kämen die Corona-Patienten bei schweren Verläufen nach fünf bis sieben Tagen auf eine Intensivstationen. Und da besserten sich die Zahlen „deutlich“, so Geldner. „Nur der Versorgungs-Cluster um Ulm hinkt laut unseren Verbandszahlen dem Trend etwas hinterher“, so der Anästhesist. An seiner eigenen Klinik habe sich die Zahl der Corona-Kranken auf Intensivstationen seit Weihnachten bis heute halbiert auf unter 20. Die Personallage werde besser, da einige Mitarbeiter die Ansteckung schon durchgemacht hätten, andere seien geimpft. Ein Signal ist für Geldner auch die Verlegung von Covid-Kranken in andere Kliniken: da habe man zu den Hochzeiten im Dezember bis zu zehn am Tag gehabt, jetzt seien es zwei oder drei. Anfang Dezember hätten die meisten Krankenhäuser ihre verschiebbaren Operationen auf 50 bis 75 Prozent herunter gefahren. „Jetzt fahren wieder einige hoch. Wir kommen diese Woche in Ludwigsburg auf 75 bis 80 Prozent, wenn die Zahlen so bleiben.“

Nur noch 18 Corona-Intensivpatienten am Klinikum Stuttgart

Hört man sich an anderen Kliniken um, ist der Trend mehrdeutig: „Die Zahl der Covid-Patienten in unserem Klinikum hat sich in den letzten Wochen erst stabilisiert. Aktuell deutet sich ein Rückgang an“, sagte der Chef des Klinikums Stuttgart, Jan Steffen Jürgensen. Nach einem „steilen Anstieg“ Anfang Dezember hatte das Klinikum Weihnachten mit rund 30 Covid-Patienten auf der Intensivstation und insgesamt fast 90 Covid-Patienten „einen Höhepunkt erreicht“. Aktuell habe man stationär noch 62 Covid-Patienten, 18 davon seien auf der Intensivstation.

Auch ein Sprecher des Uni-Klinikums Freiburg beschreibt die Lage nun als „stabil“ . Man behandele momentan 26 Patienten mit Covid-19 auf den Intensivstationen, vor zwei Wochen seien es noch 35 gewesen. Das Klinikum habe Personal auch aus einem anderen Bereich hinzu gezogen, „wir haben nun genügend, um die Situation zu kontrollieren“. Am Uni-Klinikum in Ulm heißt es, die Lage sei „leicht angespannt“, aber hier gehe die Belegung der Intensivstation mit Corona-Kranken auch „ein bisschen zurück“ – von 24 am Silvestertag auf derzeit 18.

Anders ist die Lage in Heilbronn, der Stadtkreis im Land lange mit der höchsten Sieben-Tages-Inzidenz. „Wir hatten im Dezember kontinuierlich eine Anzahl von über 100 stationär aufgenommenen Covid-19-Patienten, in der Spitzenzeiten fast 130“, so ein Sprecher des SLK-Klinikums Heilbronn. Seit einigen Tagen liege man unter der 100er-Marke. „Es ist also eine leicht fallende Tendenz zu beobachten.“ Auf die Intensivstation habe sich das aber noch nicht nachhaltig ausgewirkt – dort sei noch keine spürbare Entlastung eingetreten. Entwarnung will auch das Uniklinikum Heidelberg nicht geben. Mit 35 beatmeten Covid-19-Patienten sei die Corona-Zahl auf der Intensivstation noch auch hohem Niveau. „Aber der Anstieg an Corona-Erkrankungen nach Weihnachten ist in unserer Region nicht so stark eingetreten, wie befürchtet“, so eine Sprecherin. Die Meldezahlen im Alter unter 60 Jahre zeigten eine rückläufige Tendenz.

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