Belgische Autoversicherung namens Corona Abstand halten vom eigenen Namen

Ruhender Verkehr in Belgien: Auf dem Marktplatz von Sint-Niklaas haben sich Busse zu dem Wort Hoop, zu deutsch Hoffnung, formiert. Foto: dpa/BELGA
Ruhender Verkehr in Belgien: Auf dem Marktplatz von Sint-Niklaas haben sich Busse zu dem Wort Hoop, zu deutsch Hoffnung, formiert. Foto: dpa/BELGA

Die Autohaftpflichtversicherung Corona in Belgien hat es doppelt schwer: Sowohl der Name als auch ihr Geschäftsmodell sind belastet.

Korrespondenten: Markus Grabitz (mgr)
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Brüssel - Dass diese belgische Versicherung ein Problem haben würde, liegt auf der Hand. Denn die Direkt-Versicherung für Autohaftpflicht heißt Corona. Jetzt ging das Unternehmen in die Offensive. Konzernchefin Els Blaton schickt allen Versicherten eine Mail. In ihr wird ein Bogen geschlagen vom Belgier, der im politisch verordneten erweiterten Hausarrest sitzt zum eigenen Unternehmen. „Wir müssen aber durchhalten. Selbst, wenn du, wie wir und 126 andere Belgier auch, Corona heißt.“ Dann kommt die Distanzierung von der eigenen Marke, die sich gewaschen hat: „Am liebsten wollen wir weg von diesem ekeligen Wort. Einen Strich dadurch machen.“ Und es wird beteuert: „Ehrlich ist ehrlich, von diesem Wort nehmen wir gern Abstand. Mindestens anderthalb Meter.“

Die Assekuranz hat ein kleines Video machen lassen. In dem 45-Sekunden-Schnipsel bekommt der Autofahrer einen ungewohnten Blick auf sein Land: Verwaiste Autobahnen, leere Strände. Ardennen fast ohne Menschenseele, irgendwo ein Jogger. Darüber der Schriftzug: „Wir haben die Nase voll.“

Der ruhende Verkehr kostet die Versicherung Geld

Damit nicht genug. Die „Corona“-Autohaftpflichtversicherung ist in der Pandemie nicht nur wegen ihres Namens geschlagen. Sie hat auch ein Problem mit ihrem Geschäftsmodell. Sie wirbt damit, dass der Autofahrer mit ihr günstig fährt, weil er für Versicherungsschutz kilometerscharf bezahlt. Am Ende eines Versicherungsjahrs wird der Kunde aufgefordert, den Kilometerstand durchzugeben, und dann kommt weniger Stunden später per Mail die Abrechnung. Etwa so: Für die Fahrt von 10130 Kilometer in 2019 wären noch 18,30 Euro nachzuzahlen.

Belgien ist seit Mitte März im verschärften Lockdown. Polizisten errichten Sperren auf der Autobahn, es wird kontrolliert, ob die Fahrt im Pkw wirklich systemrelevant ist. Das hat zur Folge, dass kaum mehr gefahren wird in dem sonst staugeplagten Land. Das Unternehmen will sich nicht wegducken: „Wir planen, vier Millionen Euro zurückzuzahlen an unsere Kunden mit einer Kilometerversicherung.“ Man wolle dafür sorgen, dass Corona zumindest nicht einen Strich durch das Haushaltsbuch der Belgier mache. „Ehrlich, jetzt.“




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