Beliebt bei ETF-Anlegern Kritik am Aktienindex MSCI World – diese Alternativen gibt es

MSCI World Chart auf dem Handy Foto: dpa/Zacharie Scheurer

Eine der populärsten Geldanlagen in Deutschland steht in der Kritik. Was ist dran an den Bedenken? Welche Ausweichmöglichkeiten bieten sich an? Fragen und Antworten.

ETFs auf den MSCI World zählen zu den Lieblingsanlagen der Deutschen, doch der Aktienindex steht in der Kritik. Ein wesentlicher Punkt dabei ist die Frage, ob es sich wegen der starken Konzentration auf große US-Konzerne – besonders aus dem Techsektor – wirklich um einen weltweiten Index handelt oder das „World“ im Namen Etikettenschwindel ist. Deshalb rührt so mache Fondsgesellschaft die Werbetrommel für Konkurrenzprodukte, die noch breiter gestreute Aktienbarometer verfolgen.

 

Warum ist der MSCI World bei ETF-Anlegern so populär? Seit Jahren empfehlen nicht nur Finanzberater, sondern auch Verbraucherschützer passive börsennotierte Indexfonds (ETFs), die der Wertentwicklung des MSCI World folgen – besonders für Einsteiger und bei Sparplänen sei es eine simple und sinnvolle Möglichkeit zum langfristigen Vermögensaufbau. Hintergrund sind geringe Kosten und eine Vielzahl von Aktien im Index, durch die sich Risiken besser verteilen als bei Einzeltiteln oder Investmentfonds mit engerem Anlagefokus. Ein breit aufgestelltes Portfolio, das mögliche Verluste einzelner Positionen ausgleicht, gilt als goldene Börsenregel.

Was ist an dem Aktienindex auszusetzen? Kritiker stören sich vor allem am Label „Weltindex“. Sie halten den MSCI World für weniger breit aufgestellt als oftmals angenommen und sehen teilweise Klumpenrisiken durch eine Übergewichtung bestimmter Aktien. Der Begriff „World“ im Namen des Index sei deshalb „ein wenig irreführend“, sagt die ETF-Expertin Chris Hofmann vom US-Branchenriesen Vanguard. „Denn dieser suggeriert, dass alle globalen Märkte abgedeckt sind, während tatsächlich nur Industrieländer enthalten sind.“ Der MSCI World umfasst knapp 1500 Aktien aus 23 Staaten. Jedoch bleiben Schwellenländer – damit auch große aufstrebende Volkswirtschaften wie China oder Indien – unberücksichtigt.

Kann man von Klumpenrisiken sprechen? Tatsächlich gibt es eine Dominanz großer US-Konzerne und eine hohe Konzentration weniger großer Aktien beim MSCI World. Die zehn größten Positionen machten Ende Mai knapp 23 Prozent der im Index abgebildeten Marktkapitalisierung aus. Dabei stammen die zehn größten Unternehmen im MSCI World aus den USA. Mit Microsoft, Apple, Nvidia, Amazon sowie den Facebook- und Google-Müttern Meta und Alphabet überwiegen die Giganten aus dem Techbereich. Wer dem zuletzt stark vom Hype um Künstliche Intelligenz getragenen Höhenflug der Branche misstraut oder nicht an die Stärke der US-Wirtschaft glaubt, sollte ein Engagement beim MSCI World deshalb überdenken.

Welche Alternativen gibt es? Es gibt einige Börsenindizes, die breiter und internationaler ausgerichtet sind. Zu den Ausweichmöglichkeiten zählen der MSCI All Country World oder der FTSE All-World, bei beiden ist das Aktienspektrum wesentlich umfassender. „ETFs auf den FTSE All-World bilden 90 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung ab, der MSCI World kommt nur auf 85 Prozent“, erklärt Vanguard-Expertin Hofmann. Mit über 4000 Aktien sei die Risikoverteilung ausgewogener als beim MSCI World. Wer die volle Bandbreite der globalen Märkte abdecken wolle, solle den FTSE All-World in Betracht ziehen.

Dass Hofmann den Index als vorteilhaft darstellt, kommt indes nicht von ungefähr, ihr Unternehmen verkauft einen ETF dazu. Wer überhaupt keine Aktien aus den USA mag, kann auf den MSCI World ex USA vom ETF-Anbieter Xtrackers setzen. Allerdings: Ohne US-Titel kann von einem Weltindex erst recht keine Rede sein, zudem haben diese – zumindest in der Vergangenheit – im internationalen Vergleich meist besser abgeschnitten. Letztlich hängt die Entscheidung, wo man investieren will, vom individuellen Anlegerprofil ab.

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