Das leer stehende Gasthaus Sonne: Hier feierten die Waldhexen ihre rauschenden Pferdemarkt-Partys. Foto: Simon Granville
Über viele Jahre war das eigentlich leer stehende Gasthaus Sonne in Leonberg zum Pferdemarkt ein beliebter Party-Anlaufpunkt. Die Waldhexen bewirteten mehrere Tage, auch am Schmotzigen Donnerstag. Das ist nun Vergangenheit.
Wer einen Blick auf die Website zum Leonberger Pferdemarkt geworfen hat, hat es vielleicht schon bemerkt: Bei der Übersicht über die Lokalitäten, die vom 7. bis 11. Februar in der Altstadt geöffnet haben, fehlt eine. Die Türen des einstigen Gasthauses Sonne bleiben in diesem Jahr geschlossen. Ob sie sich irgendwann wieder für eine große Pferdemarktparty öffnen, ist zudem mehr als fraglich.
Endgültig: Keine Pferdemarkt-Party mehr in der Sonne
Seit vielen Jahren luden die Leonberger Waldhexen pünktlich zum zweiten Februarwochenende in die etwas in die Jahre gekommene, leer stehende Gastwirtschaft an der oberen Ecke der Altstadt ein. Auch am Schmotzigen Donnerstag, also dem Termin schlechthin während der schwäbisch-alemannischen Fasnet, gingen in dem Anfang des 19. Jahrhundert erbauten Haus rauschende Partys über die Bühne. Im Jahr 2025 ist damit allerdings Schluss.
Schon im November hatte Waldhexen-Zunftmeister Andreas Beißwenger gesagt: „Es sieht nicht so gut aus.“ Die Familie, die auch das benachbarte Hotel Sonne betreibt, wolle das Gasthaus nicht mehr für die großen Feten zur Verfügung stellen. Man habe zwei-, dreimal miteinander gesprochen, dann sei ziemlich klar gewesen: keine Pferdermarkt-Feierei in diesem Jahr, zumindest nicht an altbewährter Stelle.
Gasthaus hat im vergangenen Jahr ein Facelift bekommen
Familie Schuster, der das Hotel und das Gasthaus gehören, hat letzterem bereits im Frühjahr 2024 eine Art Facelift verpasst. Denn das Gebäude öffnete erstmals zur Langen Kunstnacht seine Pforte. Zu sehen gab es Fotos des Argentiniers Daniel Riboira Zecca, Ölgemälde und Zeichnungen von Walter Blümel sowie Holzreliefs und -skulpturen von Walter Hörnstein. Zu diesem Anlass waren die Holzvertäfelungen in einem frischen Weiß gestrichen und ein neuer Teppichboden verlegt worden.
Bar: Abseits vom Pferdemarkt stand das Gasthaus Sonne die meiste Zeit leer. Foto: Marius Venturini
Dieser Umbau ist auch einer der Gründe, weshalb sich nun die Wege trennen, was die Familie auf Anfrage bestätigt. Man wolle weiterhin Aktionen in Richtung Kunst bieten. Generell sei das Verhältnis zu den Waldhexen über all die Jahre gut gewesen, heißt es in der Antwort. Aber der Boden habe stets gelitten, außerdem sei es nicht ganz unproblematisch gewesen, die Heizungsanlage für nur wenige Tage in Gang zu setzen. Schon in den Jahren zuvor sei ab und zu Thema gewesen, dass sich die Hexen eventuell eine neue Partylocation suchen müssen.
Waldhexen finden keine Alternative für die Sonne – in diesem Jahr
Nun ist es Realität – mit der Konsequenz, dass die Waldhexen sich schon im vergangenen Jahr auf die Suche nach einer Alternative machten. Fündig wurde die Zunft nicht. „Ideal wäre eine leer stehende Gaststätte gewesen“, sagt Andreas Beißwenger. Aber das sei in Altstadtnähe nicht so einfach, man habe viel recherchiert und geprüft. „Letztendlich muss man festhalten, dass bei allen die Rahmenbedingungen nicht optimal sind, beziehungsweise einfach nicht passen.“ Beißwenger zählt auf: „Hier eine fehlende Küche, dort ein fehlender Starkstromanschluss oder es fehlt ein Wasseranschluss, der für eine Industriespülmaschine notwendig ist.“ Bei einigen Örtlichkeiten komme hinzu, „dass die Location nicht für öffentliche Veranstaltungen vorgesehen ist“.
Also kam man zu dem Schluss: Diesmal wird es keine feste Party-Lokalität der Waldhexen geben, nicht in der Sonne und auch nicht anderswo. „Wir haben für uns entschieden, dieses Jahr den Pferdemarkt selbst zu genießen und gehen fest davon aus, dass wir 2026 wieder am Start sind.“ Für die Hexen sei es besonders wichtig, „dass wir uns beim Pferdemarkt engagieren und einbringen, ist es doch die Fünfte Jahreszeit in Leonberg“.
Hexen sind aktiv beim Umzug und auf dem Krämermarkt
Und natürlich ist die Zunft rund um das zweite Februar-Wochenende in der Stadt aktiv: Am Pferdemarktdienstag zum Beispiel, beim Krämermarkt mit dem Hexenwagen und als Teil des Festumzugs. Später, genauer gesagt am Freitag, 28. Februar, richten die Waldhexen von 14 bis 17 Uhr dann in der Steinturnhalle den Kinderfasching aus, eine Veranstaltung der Zunft, die es im vergangenen Jahr erstmalig gab – in der Sonne.
„Bei den Waldhexen passiert einiges“, betont Beißwenger, „wir sind beim Rathaussturm dabei, besuchen die Leo-Party der Gesellschaft Engelberg und es stehen Hexenbälle und Umzüge auf dem Fasnetsfahrplan, wie in Gerlingen, Kornwestheim, Wernau, Weil der Stadt und so weiter.“ Nur in die Sonne führt in diesem Jahr keiner der Wege.