Im Kreis ihrer Gäste hat sich Josefine Lang (vorne links) immer am wohlsten gefühlt. Das Bild zeigt sie 2019 im Vesperstüble. Foto: oh
Für viele war sie die Seele der Fasnet und des Vereinslebens in Neuhausen. Im Alter von 102 Jahren ist Josefine Lang, die beliebte Wirtin des Vesperstübles, gestorben.
Im Alter von 102 Jahren ist Josefine Lang, die beliebte Wirtin des Vesperstübles in Neuhausen, gestorben. Unzählige Vereinsmitglieder gingen bei ihr in dem urigen Lokal am Schlossplatz ein und aus. Nicht nur in den sozialen Medien erinnern die Menschen nun liebevoll an ihre Erlebnisse mit der „Fine“, die in der Fildergemeinde fehlen wird.
„Sie beeindruckte Menschen aller Generationen und war bei Jung und Alt beliebt und geschätzt“, schreibt etwa der Narrenbund auf seiner Seite stellvertretend für viele Vereine. „Fine hatte stets ein offenes Ohr für die Jugend und vermittelte Werte, die viele junge Menschen geprägt haben.“ Ein „Jahrhundertmensch“ sei sie gewesen. Lange war das Lokal mit den Holzbänken und der nostalgischen Musikbox während der Fasnet die Anlaufstelle für die Narren und andere Vereine.
Das Bild zeigt Josefine Lang 2002 in ihrem urigen Lokal. Foto: Roberto Bulgrin
Altershalber wurde ihr das dann zu viel. „Sie hat sich riesig gefreut, wenn wir ihr ein Ständchen gebracht haben“, erinnert sich Raphaela Schaller vom Musikverein Neuhausen. Sie zieht jedes Jahr am Rosenmontag mit ihrer Schlampenkapelle durch die Straßen. Auch wenn die „Fine“ nicht aufstehen konnte, hat sie doch immer zugehört. Was sie für die Narren getan hat, ehrte der Landesverband Württembergischer Karnevalisten sogar mit dem Brauchtumsorden in Gold.
Mehr als 65 Jahre lang hat Josefine Lang das Vesperstüble geführt. Noch mit 95 Jahren stand sie hinterm Tresen. Zwar war da nicht mehr täglich offen, doch wenn es ging, machte sie es möglich. Die Stammgäste kamen und haben es genossen, mit ihr zu sprechen. Gerade für viele junge Leute war sie eine wichtige Ansprechpartnerin, stand ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Klar war aber, dass es für Jugendliche nur ein Spezi gab. Auf die Altersgrenze beim Alkohol achtete sie streng. Ihr Markenzeichen waren die Kittelschürzen, die sie stets sorgfältig bügelte.
Für ihre Gäste war Josefine Lang nichts zu viel
Zunächst führte sie das Lokal mit ihrem Ehemann Franz. Da musste sie immer schon ganz früh morgens aufstehen, weil die Bauarbeiter am Morgen kamen, um einen Kaffee zu trinken oder um zu vespern. Da musste alles vorbereitet sein. Handwerker, die im Lokal ihre Pausen verbrachten, kamen oft schon früh. Als er vor 35 Jahren starb, machte sie alleine weiter. 18 Stunden am Tag habe sie oft gearbeitet. Für ihre Gäste war Josefine Lang nichts zu viel.