Beliebter Kulturkeller in Ludwigsburg Mit der Luke schließt ein Stück Stadtgeschichte

Legendär: Konzerte in der Luke Foto: Luke

Der Kulturkeller Luke ist aus Ludwigsburg nicht wegzudenken. Das dachten viele der begeisterten Gäste. Aber das Aus nach 15 Jahren war wohl unvermeidbar.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Der kleine Kulturkeller Luke erlebte so manche Sternstunde. Diese Zeit neigt sich nun jedoch dem Ende. Die Kleinkunstbühne in Ludwigsburg schließt Ende Dezember. Inmitten des Geschehens: Andreas und Eliane Prangenberg. Das Ehepaar hatte die Luke vor 15 Jahren ins Leben gerufen. Aus privaten Gründen zieht es sich nun zurück. Letztlich verliert damit auch der Kulturverein seine treibenden Kräfte.

 
Eliane und Andreas Prangenberg haben in der Luke viel bewegt. Foto: Luke

„Wir hatten beide die gleiche Vision.“ Andreas Prangenberg sitzt neben seiner Frau Eliane und erzählt begeistert von den Anfängen der Luke. Es war das Jahr 2009, das Paar steckte voller Tatendrang. „Wir wollten Kultur für jeden Geldbeutel von Herz zu Herz anbieten und trauten uns, den Keller zu übernehmen.“ Das Motto wurde umgesetzt: Der Kulturbeutel kreiste – bei freiem Eintritt – nach jeder Veranstaltung. Die Einnahmen kamen eins zu eins den Künstlern zugute.

Die Luke-Betreiber brauchen eine Veränderung

Wenn Andreas Prangenberg heute von der Luke erzählt, spürt man, dass immer noch Feuer in ihm brennt. Die Eheleute– beide sind 57 Jahre alt – zieht es jedoch aus Ludwigsburg zu Freunden nach Würzburg. „Wir spürten, wir brauchen eine Veränderung.“ Eigentlich war laut Prangenberg geplant, dass der Verein Luke  den Kulturkeller mit seinen 50 Plätzen weiterführen sollte, dann aber „haben wir festgestellt, es ist besser, einen glatten Schnitt zu machen, statt das Baby verhungern zu lassen“.

Zu sehr hänge der Betrieb des Kellers an der Vernetzung nach außen, die hauptsächlich über ihn und seine Ehefrau gelaufen sei, erzählt Andreas Prangenberg. Der Abschied vom Team nach vielen gemeinsamen Jahren sei harmonisch verlaufen, auch weil die Gigs und der Barbetrieb die Mitarbeiter zu einer Art Familie zusammengeschweißt hätten. „Wir waren für viele Vertraute und Seelsorger, ein Safe Place.“ Weil aber künftig genau so jemand mit Vernetzung fehle, habe man das Ende beschlossen.

Streaming sicherte der Luke in der Corona-Zeit das Überleben

Mit der Luke stirbt auch ein Stück Ludwigsburger Stadtgeschichte. Nach 2015 seien viele Geflüchtete gekommen, die an der Bar arbeiteten und dadurch ihr Deutsch verbessern wollten, erklärt Andreas Prangenberg. Großes Glück habe man während der Coronazeit gehabt. Kurz zuvor hatte das Team dafür gesorgt, dass Konzerte aus dem Keller heraus ins Internet übertragen werden konnten. „Das erste Konzert war am 11. März 2020.“ Die neue Technik sicherte der Luke das Überleben. „Mit mehr als 100 Streams und einem digitalen Kulturbeutel bei geteilten Einnahmen retteten wir uns herüber.“

Im Laufe der Zeit sprach sich herum, dass zum Teil erstklassige Künstler in der Luke gastierten: etwa Naomi van Dooren oder Andreas Kümmert, der Musiker, der sich im Jahr 2015 im Vorentscheid für den Eurovision Song Contest qualifiziert hatte, dann aber verzichtete. „Ohne Spenden wäre unser Betrieb nicht finanzierbar gewesen“, sagt Prangenberg. Oft habe man nicht gewusst, ob Spenden in den nächsten Monaten flössen, doch hätten sich immer wieder ein neuer Geldgeber oder eine Fördermöglichkeit gefunden – neben Dauerspendern, die dem Kulturverein Rückhalt gaben. Zu den Förderern zählte auch die Stadt Ludwigsburg.

Das Publikum bei den Veranstaltungen sei fast jedes Mal zu einem Drittel neu gewesen. „Zum Teil haben auch die Künstler ihre Fans mitgebracht.“ Andreas Prangenberg gibt zu, besonders zu Beginn gebibbert zu haben, ob genügend Besucher kommen würden. „Wir sind sehr dankbar für die vielen schönen Momente.“ Manchmal habe er anfragende Interpreten ablehnen müssen, das habe er aber immer sehr höflich getan. Reine Coverbands etwa habe man grundsätzlich nicht engagiert – die Luke wollte Künstlern mit Eigenkreativität aus den verschiedensten Richtungen eine Chance geben.

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