Beliebtes Tabletop-Spiel Warhammer is back – mit mehr Zulauf denn je

Mit niedrigschwelligen Events wie der Painting Class im Schwarzen Keiler spricht Warhammer eine zusehend wachsende neue Community an. Foto: /Petra Xayaphoum

Ja, Warhammer war nie wirklich weg. Doch seit einigen Jahren boomt das Tabletop-Spiel wieder regelrecht bei der jungen Zielgruppe. Grund dafür sind unter anderem anfängerfreundliche Events, wie die neue Warhammer Painting Class im Schwarzen Keiler in Stuttgart. Wir waren da.

Stadtkind: Petra Xayaphoum (px)

Was für viele nischigen Hobbys gilt, für die man vor zwanzig bis dreißig Jahren auf dem Schulhof noch in die Tonne gesteckt und ausgelacht wurde, gilt auch für Warhammer: Die Pandemie hat in der breiten Masse wie ein Katalysator auf die Verbreitung und Beliebtheit des Tabletop-Spiels (Sammelbegriff für Strategiespiele die oben auf der Tischplatte gespielt werden) gewirkt. Dabei ziehen vereinfacht gesagt Armeen selbst kolorierter Miniaturen gegeneinander in die Schlacht.

 

Es wird überall auf der Welt wieder DSA (Das schwarze Auge, Pen-and-Paper-Rollenspiel), Magic (Magic the Gathering, Sammelkartenspiel), Pokémon (Sammelkartenspiel, Konsolenspiel) und Co. gezockt und gesammelt, bis der Geldbeutel streikt. Und gestreamt: „Die Sozialen Medien und Streaming-Plattformen wie Youtube haben sicherlich auch dazu beigetragen, dass Warhammer gerade so einen großen Zulauf hat“, sagt Oliver Honer aka DJ Matoul, der vor Kurzem die Warhammer Painting Class im Stuttgarter Metal-Club Schwarzer Keiler ins Leben gerufen hat. Den Trailer zur Fortsetzung der als Fanprojekt gestarteten Warhammer-Serie „Astartes II“ haben mehr als fünf Millionen Menschen angeschaut.

Be cool, be a nerd

„Und Henry Cavill hat sicher auch etwas mit der steigenden Popularität zu tun“, lacht Oli, während er im Schwarzen Keiler die letzten Utensilien für die Painting Class herrichtet. Der Hollywood-Star, Superman- und The-Witcher-Darsteller ist bekennender Warhammer-Spieler. Und zwar nicht so wie Elon Musk ein „Path-of-Exile- und Diablo-Spieler“ ist (für alle, die’s nicht mitbekommen haben: he’s not), sondern wirklich, in echt, höchstpersönlich und in Farbe - im wahrsten Sinne des Wortes: Es gibt einiges an Bildmaterial von Henry Cavill beim Bemalen von Warhammer-Miniaturen.

Und der wohl berühmteste Fan des Tabletop-Spiels wird auch der ausführende Produzent und Hauptdarsteller der zukünftigen Warhammer-Verfilmungen durch Amazon sein, wie nach langen Verhandlungen zwischen dem britischen Warhammer-Spielehersteller Games Workshop und Amazon vor knapp drei Monaten final bestätigt wurde.

Warhammer-Community boomt

Dass das 38 Jahre alte Spiel immer beliebter wird, auch bei der jungen Zielgruppe, und immer mehr Leute zur Warhammer-Community dazustoßen möchten, zeigt sich auch bei der Nachfrage nach Olis Painting Class. „Die erste Painting Class vor wenigen Monaten war ausverkauft“, sagt der Stuttgarter, „und auch für die jetzige mussten wir das Kontingent noch erweitern und Tische anbauen.“

Für eine Teilnahmegebühr von 15 Euro bekommt man pro Teilnehmer:in eine Warhammer-Miniatur seiner Wahl (Space Marine, Storm Cast Eternal, Necron Warrior oder Orruk Gutrippa, man kann aber auch seine eigene mitbringen) sowie das nötige Material zum Bemalen, wie Feinpinsel, Farben sowie Grundierung und Finish gestellt und kann unter Olis Anleitung in einen essenziellen Teil des Spiels reinschnuppern: das Kolorieren.

Eigentlich richtet sich Olis Painting Class hauptsächlich an Anfänger:innen, die auch in bunter Mischung zahlreich erscheinen: jung, alt, männlich gelesen, weiblich gelesen, zu zweit oder allein. „Das war nicht immer so“, sagt Oli mit Blick auf die lange Zeit, in der das Tabletop-Spiel von einer recht homogenen, geekigen, männlichen Zielgruppe dominiert wurde. „Doch es bricht auf“, freut sich Oli. „Fast die Hälfte der Teilnehmer:innen, die sich für die heutige Runde angemeldet haben, sind Frauen – das ist schon ein Zeichen.“

Foto: Petra Xayaphoum

Neben dem angeleiteten Maltisch hat sich auch ein Fortgeschrittenen-Tisch gebildet, an dem ein fünf Kopf großes Painting-Grüppchen mit Pinseln hantiert, Bierchen trinkt und lacht. „Wir haben von der Painting Class gehört und wollten auch mitmachen, aber auch keinem der Anfänger:innen den Platz wegnehmen, also haben wir einfach unseren eigenen Tisch mitgebracht“, sagen sie.

Frei nach dem Motto „zusammen malt es sich weniger allein“. Überhaupt herrscht Wohlfühlstimmung, alle schnacken munter miteinander, es läuft Metal im Hintergrund, neben ein paar Kneipen-Gästen, die ein Bier trinken, spielt am benachbarten Tisch auch noch eine gut gelaunte DSA-Spielgruppe, zu der man sich an diesem Abend ebenfalls anmelden konnte. Niedrigschwelliger könnte man den Einstieg ins Nerdiversum kaum gestalten.

Warhammer Store ist auf Neulinge eingestellt

Wer als Warhammer-Newbie nicht auf die nächste Painting Class (wird über die Sozialen Medien des Schwarzen Keilers bekannt gegeben) warten möchte, kann im Übrigen auch im Stuttgarter Games-Workshop – aka Warhammer Store – in der Königstraße 49 (überm Proton Club) vorbeischauen. Auch dort kann man sich zum Ausprobieren kostenfrei eine der oben genannten Miniaturen aussuchen und direkt vor Ort bemalen. Der Store hat auch die Figuren für Olis Painting Class gestellt.

Wer etwas ins Spielen selbst reinschnuppern möchte, der ist unter Anleitung des Store-Personals auch herzlich dazu eingeladen, mit einer der ausgestellten Miniatur-Truppen ein Probespiel zu starten, das Regelwerk ist nämlich gar nicht so einfach. Jeden Monat gibt’s außerdem eine Miniatur des Monats geschenkt, für Anfänger:innen gibt’s ein Stempelsammelprogramm, bei dem sie mit Utensilien wie Pinseln für gelernte Etappen des Spiels belohnt werden. Fast jeden Öffnungstag gibt es einen Workshop zu Spielregeln, zum Basteln oder Malen, und Schulklassen, Jugendhäuser und alle Einrichtungen, die mit Jugendlichen arbeiten, können für sie kostenfrei ein Warhammer-Starterset beim Nachwuchsförderungsprogramm „Warhammer Alliance“ bestellen.

Dass es aktuell einen Warhammer-Boom und erhöhten Bedarf an motivierenden und niedrigschwelligen Angeboten für das neu hinzugekommene Publikum gibt, hat man hier auf jeden Fall auch verstanden.

Warhammer Painting Class, Schwarzer Keiler, Fritz-Elsas-Str. 60, Stuttgart-Mitte, für nächsten Termin Socials des Schwarzen Keilers beobachten

Games Workshop/Warhammer Store, Königstr. 49, Stuttgart-Mitte, Mo+Mi-Sa 10.30-13+13.30-18, Di 13.30-18 Uhr

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