Bella-Vista-Runde in Filderstadt Route führt über Weg, den es nicht geben dürfte

Die Bella-Vista-Runde ist nicht ausgeschildert, sie sei nur ein Vorschlag auf Papier, sagt der Radbeauftragte der Stadt Filderstadt. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Die Bella-Vista-Runde ist nicht ausgeschildert, sie sei nur ein Vorschlag auf Papier, sagt der Radbeauftragte der Stadt Filderstadt. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Von Filderstadt-Plattenhardt nach Stetten laufen und radeln viele auf einem Weg über private Wiesen. Diesen Weg gibt es aber genau genommen gar nicht. Das wirft Haftungsfragen auf.

Filderzeitung: Judith A. Sägesser (ana)

Filderstadt/Leinfelden-Echterdingen - Dass die Radtour „Bella Vista“ über sein Grundstück führt, findet Hans-Peter Brusenbauch gar nicht witzig. Er wohnt in Plattenhardt am Ortsrand in Richtung Stetten und hat ums Eck eine Wiese. Wie viele andere auch. Über dieses Konglomerat an privaten Besitzverhältnissen hat sich ein Weg gebahnt. Für Fußgänger und Radler, die von Plattenhardt am Bernhäuser Forst vorbei nach Stetten wollen. Der Weg ist längst geschottert, dabei hätten die Wiesenbesitzer dem nie zugestimmt, versichert Brusenbauch. Immer wieder habe es Gespräche mit der Stadt Filderstadt gegeben, „Abende lang“, weil man den Weg weg haben wollte.

Er ist allerdings als Radweg ausgeschildert, erst vergangenes Jahr waren die Schilder kreisweit erneuert worden, so auch oben in Plattenhardt bei Hans-Peter Brusenbauch vor dem Haus. Teil der Filder-Rad-Runde ist der Weg über die privaten Wiesen ebenfalls. Und dann noch diese Bella-Vista-Geschichte, Hans-Peter Brusenbauch kann es nicht glauben. „Den Weg gibt es gar nicht“, sagt der Plattenhardter. Also jedenfalls nicht offiziell. In der Route, die die Stadt Filderstadt unter „Radtour Bella Vista“ bewirbt, ist er nämlich sehr wohl eingezeichnet.

Er macht sich Sorgen wegen der Haftung

Das Problem, das Hans-Peter Brusenbauch mit der ganzen Sache hat: Er macht sich Sorgen wegen der Haftung. Wenn die Stadt den Weg, oder was auch immer es in Wahrheit ist, als aussichtsreiche Radroute anpreist und dann einer der Ausflügler ausgerechnet auf seinem Wiesenstreifen vom Rad fällt und sich das Bein bricht, wer haftet dann? Hans-Peter Brusenbauch befürchtet, dass es ihn treffen würde. „Dafür gibt es keine Versicherung.“ Deshalb will er die Sache geklärt haben. Notfalls gehe er zum Anwalt, sagt er.

Diese Angelegenheit zwischen Plattenhardt und Stetten sei „nicht so einfach“, sagt Jürgen Lenz, der Radbeauftragte der Stadt Filderstadt. Dort würden viele Grundstücke wie „Handtücher“ an einander stoßen, an der Stelle, an der der Weg sei, „hat man nicht das Gefühl auf einer Wiese zu sein“, sagt Lenz.

Die Stadtverwaltung von Filderstadt habe den Weg bereits vor circa 15 Jahren ins Radwegenetz aufgenommen und entsprechend beschildert, sagt der Radbeauftragte. Die Bella-Vista-Runde sei hingegen nicht ausgeschildert, sie sei lediglich ein Vorschlag auf Papier.

Im Fall der Fälle auf der sicheren Seite

Wegen der Haftungsfrage stehe er mit den Eigentümern im Kontakt, sagt Jürgen Lenz. Man sei dran, eine Lösung zu entwickeln, damit die Wiesenbesitzer im Fall der Fälle auf der sicheren Seite seien. Möglicherweise könnte ein Schild aufgestellt werden, das Querende darauf hinweist, dass sie sich nun auf Privatgrund begeben. „Vielleicht wäre das das Erste“, sagt Lenz.

Hans-Peter Brusenbauch jedenfalls wird einen Teufel tun und dort „Privat“-Schilder aufstellen. Er sieht sich nicht in der Bringschuld. „Ich habe da halt die Wiese und kann nichts dafür“, sagt er. Sollte die Stadt die Haftungsfrage zu seinen Gunsten klären, „dann können wir drüber reden“, sagt er und meint: Dann würde es ihn nicht mehr derart umtreiben, wenn Ausflügler auf ihrer Bella-Vista-Runde bei ihm über den Wiesenzipfel laufen oder fahren.




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