InterviewBenefiz-Aktion in Corona-Zeiten „Das kann ein digitaler Lauf überhaupt nicht ersetzen“

Von Judith A. Sägeser 

Im vergangenen Jahr sind fast 1800 Menschen beim Hand-in-Hand-Spendelauf in Leinfelden-Echterdingen für das Kinderhospiz Stuttgart an den Start gegangen. In diesem Jahr lief die Veranstaltung digital ab. Der Veranstalter zieht Bilanz.

An eine solche Veranstaltung war in diesem Jahr nicht zu denken. Zumindest nicht im herkömmlichen Sinne. Foto: privat
An eine solche Veranstaltung war in diesem Jahr nicht zu denken. Zumindest nicht im herkömmlichen Sinne. Foto: privat

Leinfelden/Stuttgart - Von Jahr zu Jahr sind die Macher des Hand-in-Hand-Spendelaufs in Leinfelden von Rekord zu Rekord geeilt. Im vergangenen Jahr sind bei dem Lauf fürs Kinderhospiz Stuttgart 64 131,30 Euro zusammengekommen. Bei der achten Auflage am vergangenen Samstag lief alles anders. Wegen der Corona-Pandemie war die Veranstaltung eine digitale. Warum der Lauf 2020 trotzdem ein Erfolg war, erklärt Kevin Goldberg im Interview.

Normalerweise sind Sie am Lauftag schwer im Stress. Diesmal gab es keine Großveranstaltung im Sportzentrum Leinfelden, die Leute liefen mit einer App, jeder für sich. Hatten Sie Zeit, selbst mitzulaufen, Herr Goldberg?

Zum Selbstlaufen hat es leider trotzdem nicht gereich. Weil ich durch die Digitalisierung unseres Rahmenprogramms sehr eingespannt war, konnte ich es mir leider nicht leisten, laufen zu gehen. Bis auf ein, zwei Ründchen um den Block. Aber es war trotzdem am Ende des Tages vom Stressfaktor entspannter als es beim normalen Lauf ist. Diese Großveranstaltung, die wir ansonsten aufziehen, ist viel intensiver als es dieser digitale Lauf war.

Der Lauf bedeutet normalerweise unzählige Menschen, Trubel. Wie haben Sie diesmal den Tag verbracht?

Wir waren nur das engste Team, gerade auch wegen Corona. Das war unser Social-Media-Team für Instagram und Facebook, die Vorstände, dann hatten wir einen Helpdesk für die User der App, und wir hatten einen Moderator, der uns durch den Tag begleitet hat, ansonsten war niemand da. Wir hatten gemeinsam einen schönen Tag. Das hat man ansonsten nicht, weil man sich bei einem normalen Spendenlauf dann frühestens abends um 20 Uhr das erste Mal unterhalten kann.

Was haben Sie im Vergleich zu sonst am meisten vermisst?

Natürlich den Trubel. Diese Menschen, die auf einen zukommen. Zu sehen, wie sich das Stadion füllt, wie die Leute reinströmen, alle mit der positiven Energie und dem Engagement. Das kann natürlich ein digitaler Lauf überhaupt nicht ersetzen. Auf der anderen Seite war das jetzt mal eine ganz nette Abwechslung, aber uns fehlt die Nähe zu den Leuten, zu den Läufern, die sich für das Kinderhospiz engagieren.

Bisher hatten Sie von Jahr zu Jahr einen neuen Spendenrekord. Wie sieht es denn dieses Jahr aus?

Nicht nur die Digitalisierung ist die Herausforderung. Die Corona-Krise hat ja auch mit der Wirtschaft was gemacht, mit den Sponsoren, mit den Läufern. Und deshalb hatten wir gar nicht die Erwartung auch nur annähernd in die Sphären eines normalen Spendenlaufs zu kommen. Uns war auch bewusst, dass die Digitalisierung nicht jedermanns Sache ist. Unsere Altersrange beim Lauf geht von null bis 90. Und dass man es vor allem in den oberen Altersklassen schwer haben wird, eine breite Masse über eine App zu erreichen, das war uns natürlich klar. Dennoch ist es so, dass die eigene Erwartung, die wir an den Lauf gehabt haben, zum jetzigen Stand, trotzdem bei Weitem übertroffen wurden.

Wie viele Leute haben sich denn die App heruntergeladen?

Wir hatten um die 1000 Downloads. Wie viele genau gelaufen sind, kann ich jetzt noch gar nicht sagen, weil wir in der Auswertung noch das eine oder andere technische Problem haben. Wir arbeiten da momentan noch dran. Dauert alles ein bisschen länger dieses Jahr, es ist nicht so greifbar. Beim normalen Lauf sind die Leute einfach da, oder sie sind nicht da. Das ist relativ einfach zu sagen.




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