Benefizkonzert im Merlin Musiker legen sich fürs Galao ins Zeug

Von Ina Schäfer 

Michael Fiedler hat am Montagabend im Merlin ein Benefizkonzert fürs Café Galao veranstaltet. Mit befreundeten Musikern und einer Menge Unterstützern sowie einem spenden- und trinkfreudigen Publikum kamen geschätzt 5 000 Euro zusammen.

Michael Fiedler (links) hat das Benefizkonzert fürs Galao veranstaltet. Weitere Bilder vom Montagabend zeigen wir in der folgenden Bilderstrecke. Foto: Ina Schäfer 10 Bilder
Michael Fiedler (links) hat das Benefizkonzert fürs Galao veranstaltet. Weitere Bilder vom Montagabend zeigen wir in der folgenden Bilderstrecke. Foto: Ina Schäfer

Stuttgart - Kurz bevor das Konzert beginnt, ist die große durchsichtige Kugel im Eingangsbereich schon gut mit Geldscheinen gefüllt. Fünfer sind darin zu finden, Zehner und einige Zwanziger. Kaum einer, der Klimpergeld rein wirft oder etwa gar nichts.

Heute Abend sind alle extra gekommen, um mal wieder das Café Galao am Marienplatz zu retten. Mit einem Benefizkonzert im Kulturzentrum Merlin im Stuttgarter Westen. Spenden kann man aber nicht nur durch die Scheine am Eingang, sondern auch über den Kauf von Bier. „Ich habe jetzt vier Bier getrunken, ich hoffe das reicht“, sagt ein Gast später im Hof zu Galao-Betreiber Reiner Bocka lachend. Auch die Bands, die an diesem Abend spielen, tun dies unentgeltlich – sie schenken ihre Musik. Alle sind in irgendeiner Weise mit dem Café Galao oder Reiner Bocka verbandelt, haben schon in seiner Kneipe, beim Silent Friday oder auf dem Marienplatzfest gespielt. Und alle, die Musiker wie die Gäste, möchten alles dafür tun, ihren geliebten Treffpunkt, „ihr Wohnzimmer“, wie viele es nennen, im Süden zu behalten. Das Engagement der Gäste ist in Stuttgart beispiellos.

Gäste unterstützen das Café

Das Festival ist der Höhepunkt vieler Aktionen, die von Gästen und anderen Unterstützern gestartet wurden. Am Samstag etwa hat das 5T-Kollektiv im Kottan am Hans-im-Glück-Brunnen Kuchen verkauft, eine Tanzdemo hat es auch gegeben.

Das Festival am Montagabend im Merlin hat Michael Fiedler organisiert. Der Musiker ist Teil der Stuttgarter Bands Annagemina und Hüttenzound, Reiner Bocka kennt er schon aus dessen Silent-Friday-Zeiten in den Wagenhallen, wo er auch seine Partnerin für die Band Annagemina kennengelernt hat. Veranstaltungen wie diese habe er noch nie organisiert, sagt er: „Ich bin Musiker, kein Veranstalter.“ Er hält sich bescheiden: „Ich habe nur ein paar Anrufe gemacht.“ Durch die paar Anrufe aber, hat er ein ganz schönes Line-Up auf die Beine gestellt, unter anderem mit Roman Wreden, Soundkaiser und Sea + Air. „Die Resonanz vom Publikum ist grandios“, sagt er. Auch die Bands, die er angefragt hatte seien gleich eingestiegen.

Alle singen gemeinsam den „Galao Foundation Song“

Als der Abend startet ist das Merlin brechend voll, auch im Innenhof stehen die Gäste dicht gedrängt. Das Programm startet schließlich mit einem Film, der auch auf der Crowdfunding-Plattform Startnext zu sehen ist, unterlegt mit dem „Galao Foundation Song“ von The Wooden Stone. Ein Lied zum Mitsingen, was auch viele im Raum gleich tun. Es ist noch immer erstaunlich, welche Welle der Solidarität dieses wirklich winzige Café am Marienplatz hervorgerufen hat. Auch Reiner Bocka zeigt sich noch immer beeindruckt, steht im Hof oder vor der Bühne und strahlt über beide Backen. „Das war die ganze Woche schon überwältigend“, sagt er, „ich wusste ja, dass die Leute uns mögen, aber dass so viele Menschen etwas bewegen, das hätte ich nicht gedacht.“

Michael Fiedler rast nach jedem Auftritt auf die Bühne, hilft den Musikern beim Abbau und Aufbau, die zahlreichen Bands wechseln Schlag auf Schlag, jede hat nur circa eine viertel Stunde Zeit. Doch das ist ok, es ist eine Art Schnelldurchlauf dessen, was im Galao abends auf der Bühne passiert: folkiges, poppiges und zum rumhüfen. Für letzteres ist an diesem Abend Michael Fiedlers eigene Band Hüttenzound zuständig mit einer verrückten Mischung aus Elektro, Rap und Gaudi. „Hände hoch fürs Galao“ schreit sein Bandkollege Marcel Engler und los geht’s.

Am Ende waren 3415 Euro in der Spendenbox, über den Getränkeverkauf, so schätzt Reiner Bocka, sind noch einmal 1800 Euro zusammengekommen.

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