Benefizkonzert im Merlin Thabilé singt gegen Rassismus und häusliche Gewalt

Thabilé: Starke Stimme gegen häusliche Gewalt. Foto: Daniela Meise

Von Johannesburg nach Stuttgart: Am Samstag tritt die Soul-Sängerin Thabilé im Kulturzentrum Merlin auf. Ihre Botschaft ist klar: Kunst darf nicht wegschauen. Ein Treffen im Landesmuseum.

Thabilé ist eine Erscheinung. Federnder Gang, besonderer Schmuck, blitzende Augen und ein ganz und gar entwaffnendes Lächeln. Sie verlässt ihre Heimatstadt Johannesburg für ein Studium in Österreich, landet 2016 in Stuttgart. Seither schreibt sie hier poetische Musik voller Seele, voller Herz, voller Lebensfreude, manchmal aber auch voller Trauer. Musik, die nicht wegschaut, die nicht profan ist. Am Samstag, den 23. Juli 2022, tritt sie bei einem Benefizkonzert des Frauen helfen Frauen e.V. auf. Wir treffen die Soul-Sängerin im Landesmuseum.

 

Thabilé, du trittst am Samstag im Merlin beim Benefizkonzert des Vereins Frauen helfen Frauen im Merlin auf. Ist das für dich selbstverständlich?

Der Empowerment-Gedanke ist mir sehr wichtig. Ich möchte anderen Frauen das Gefühl geben, dass sie nicht allein sind. Gerade während Corona ist die häusliche Gewalt überall in die Höhe geschossen, doch die meisten Frauen wissen nicht, wohin sie sich wenden sollen. Die Frauenhäuser brauchen Geld, damit sie mehr Menschen helfen können.

Stimme der Stimmlosen

Auch in deinem Song „Wine and Dine“ geht es um häusliche Gewalt...

Ja, denn in Südafrika ist Gewalt gegen Frauen ein riesiges Problem. Natürlich nicht nur in Südafrika, aber dort besonders. Frauen werden in Beziehungen nicht „nur“ geschlagen oder missbraucht, sondern getötet. Eine Freundin von mir ist von ihrem Partner umgebracht worden. So entstand der Song über eine Frau, die in einer solchen Beziehung steckt, sich aber daraus befreien kann. Meine Musik ist eine Stimme der Stimmlosen. Deswegen ist jeder Song wichtig. Man hat zwei, drei Minuten, um etwas mitzuteilen. Soll ich dann nur über eine Party am Strand singen?

Du stellst also hohe Ansprüche an dich?

Das muss ich doch auch. Mein Anspruch an mich als Künstlerin ist, meine Stimme nicht zu vergeuden, meine Plattform nicht ungenutzt zu lassen. Wir können Menschen erreichen. Und sollten das auch tun. Alles muss doch einen Zweck haben. Außerdem möchte ich, dass mein Sohn zu mir aufschaut. Wenn ich nur mit dem Hintern wackle, erreiche ich das nicht unbedingt.

Dein beruflicher Weg sah anfangs dennoch etwas anderes vor. Erzähl doch mal, wie es dich von Südafrika nach Stuttgart verschlagen hat.

Zunächst studierte ich Wirtschaft in Südafrika. Ich hatte das Gefühl, mir eine sichere Basis schaffen zu müssen. Etwas, auf das ich mich verlassen kann. Ich arbeitete auch in einer Bank, spürte aber schnell, dass das nichts für mich ist. Dennoch entschied ich mich für einen Master in Wirtschaft, ging dafür nach Österreich. Der Wendepunkt kam, als ich an meiner Abschlussarbeit schrieb. Mir wurde plötzlich klar, dass ich danach ja auch in diesem Feld arbeiten musste. Und das ergab so gar keinen Sinn für mich. (lacht)

Glück auf dem Wohnungsmarkt

Die Musik aber schon?

Ich war anfangs sehr unsicher, wusste aber, dass das mein Weg war. Es ist ein hartes Business, in dem ich mich zu etablieren versuchte, während alle meine Freunde Karriere machten, Häuser kauften und Familien gründeten. Doch ich blieb dran, setzte mich mit mir und meinen Vorstellungen auseinander und gab mein Bestes. 2016 schrieb ich mit meinem Bandkollegen Steve Bimamisa-Alfajiri mein erstes Album. Die Lernkurve war seither sehr steil. Durch ihn lernte ich auch viele Stuttgarter kennen, darunter auch Joe Bauer, der mich sehr unterstützt hat. Und auch wenn das Business schwierig ist: Es macht uns auch sehr privilegiert. Unsere aktuelle Wohnung haben Steve und ich beispielsweise nur bekommen, weil der Vermieter ein Fan von uns ist. Sonst hätten wir keine Chance auf dem Wohnungsmarkt.

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Was fehlt dir eigentlich am meisten an Südafrika?

Meine Familie und die Menschen allgemein. In Südafrika gibt es einen ganz bestimmten Vibe. Irgendwo läuft immer Musik, es ist immer etwas los. Das gilt zumindest für Johannesburg, Kapstadt ist eine tote Stadt für mich. Soweto in Johannesburg ist laut, hell, fröhlich, man isst getrocknetes Hühnchen auf der Straße, trinkt ein Bier dazu und lässt sich einfach treiben. Es gibt coole Klamottenläden, Restaurants, Galerien und Live-Musik.

Was kochst du dir, wenn das Heimweh besonders schlimm ist?

Eintopf mit Mais, Bohnen und Zwiebeln als Basis, dazu geschmorter Ochsenschwanz. Das Rezept war übrigens auch schon mal in „Weltreise am Küchentisch“ von Vincent Klink. Gerne nachkochen! (lacht)

Thabilé, 23. Juli 2022, 20 Uhr, Merlin Kulturzentrum, Stuttgart-West

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