Stadtkind Stuttgart

Benny Auer und Heiko Schöbinger ziehen weiter Ciao, Bergamo!

Von Nina Dias da Silva 

Im Herbst feierte das Transit/Bergamo sein zehnjähriges Bestehen – und mit ihm zwei Urgesteine ihr Jubiläum. Doch jetzt heißt es Abschied nehmen: Am 30. Dezember stehen Benny Auer und Heiko Schöbinger ein letztes Mal gemeinsam hinter der Bar.

Machen los zu neuen Herausforderungen: Benny Auer und Heiko Schöbinger.  Foto: Nina Dias da Silva
Machen los zu neuen Herausforderungen: Benny Auer und Heiko Schöbinger. Foto: Nina Dias da Silva

Stuttgart - Im Herbst feierte das Transit/Bergamo sein zehnjähriges Bestehen – und mit ihm zwei Urgesteine ihr Jubiläum. Denn Benny Auer und Heiko Schöbinger stehen fast seit Stunde Null hinter der Bar, und sind nunmehr das Gesicht des Ladens. Treue Stammgäste sind völlig überfordert, wenn sie nachts durch eine der beiden Eingangstüren kommen und keinen von beiden hinter der Theke sehen.

Das ist allerdings ein Gedanke, an den sie sich nun gewöhnen müssen. Denn nach zehn Jahren verlassen die beiden den Schlauch am Hans-im-Glück-Brunnen. Am 30. Dezember stehen sie ein letztes Mal gemeinsam hinter der Bar.

Eine Liebe, die für immer bleibt

Beide sind über Vitamin B(ergamo) ins Team gekommen. Heiko, damals Freelancer für eine Eventagentur, sollte sich um die Buchhaltung kümmern. Aber es brauchte nur eine ordentliche Grippewelle und er wurde hinter die Bar gestellt. Bisher noch keine Erfahrungen in der Gastro, war das für ihn das goldene Ticket und eine neu gewonnene Liebe, die wohl für immer bleibt. „Ich bin einfach gern Gastgeber“, sagt er und kann sich ein Leben ohne die Gastronomie nicht mehr vorstellen. Benny war schon davor als Barkeeper in der Bar Neue Freiheit tätig, als er im Bergamo ankam. Es dauerte jedoch nicht lange, da war er ganz dem Transit verfallen.

An den schicksalhaften ersten gemeinsamen Arbeitsabend können sich beide – wie sollte es auch anders sein – nicht erinnern. Sie wissen aber noch, dass sie sich direkt gemocht haben. Natürlich ist man in zehn Jahren auch mal aneinander gerasselt. „Aber ein gesunder Ehekrach muss schon auch mal sein“, meint Heiko. Recht hat er.

„Irgendwann kommt der Punkt, da tut Veränderung gut.“

Dass Dark and Stormy jetzt zur gleichen Zeit weiter ziehen, ist aber eher Zufall. „Jeder von uns hat da unabhängig drüber nachgedacht. Es war nicht so, dass wir uns an einen Tisch gesetzt und das geplant haben“, so Benny. Zehn Jahre sind eine lange Zeit, inzwischen kennen sie die Bar fast besser als ihr eigenes Zuhause. Die beiden freuen sich auf neuen Input und neue Herausforderungen. „Es ist gut, sich mit etwas Neuem zu befassen und den Kopf mal wieder zu benutzen.“

Und wohin geht's denn nun? Sie werden wieder für Janusch Munkwitz und seine Supersupply Ltd arbeiten. Heiko, der im früheren Leben als Eventmanager tätig war, wird eben diesen Bereich betreuen und ausbauen. Die Theken kann er aber nicht ganz hinter sich lassen, so wird man ihn sicher einmal im Condesa, Paul & George oder der Sattlerei antreffen. Auch Benny wird in diesem Bereich neue Aufgaben finden. Momentan erweitert er sein gastronomisches Wissen im Paul & George und paukt, um sich etwa 200 Spirituosen und ihre Eigenschaften einzuprägen.

Zehn Jahre sind ziemlich lang, es ist an der Zeit, mal ein wenig Revue passieren zu lassen. Da die beiden in perfekter Symbiose leben und reden, sind folgende Antworten als unisono zu verstehen. Hat eh der eine immer die Sätze des anderen beendet. Seufz.

Was hat sich verändert?

Natürlich das Publikum. Es ist der klassische Kreislauf der Gastronomie. Eine Location eröffnet, am Anfang sind nur die Szene-Nasen da, dann hauptsächlich Freunde und Bekannte. Je bekannter ein Laden wird, desto weniger kennt man die Leute natürlich. Was früher die Theo war, ist heute vielleicht der Hans-im-Glück-Brunnen und wird in ein paar Jahren vielleicht der Marienplatz sein. Das ist ganz natürlich. Während wir früher 80 Prozent der Gäste persönlich kannten, sind es heute vielleicht acht. Und natürlich sind wir älter geworden. Wenn man bei der Bestellung gesiezt wird, gehört man eindeutig zum alten Eisen.

Was ist gleich geblieben?

Der Charakter des Teams. In zehn Jahren haben wir 96 Leute hier durchgeschleust, aber eines war immer gleich: es ist ein sehr familiäres Team. Einstellungskriterium war schon immer, dass man mit allen klar kommt. Klar, man trampelt sich am Abend etwa dreißig mal auf die Füße, da muss man sich gut verstehen.

Was wünscht ihr dem Bergamo?

Dass der Teamspirit so erhalten bleibt, wie er schon immer war. Aber da machen wir uns keine Sorgen. Die Leute, die jetzt nachrücken, machen jetzt schon einen tollen Job.

Gibt es Abende oder Momente, die ihr besonders in Erinnerung habt?

Einige sogar!

  • Die Mittwochabende mit den Schauspielern. Das war etwa 2012 und das damalige Theaterensemble, unter anderem mit Till Wonka, war mittwochs immer bei uns. Damals gab es noch die „What's the Dealio!?“-Reihe, in der Robin Treier jeden Mittwoch Musik gemacht hat. Die Schauspieler waren eine kleine Gruppe von vielleicht zehn Leuten, aber es waren so viele Emotionen im Raum. Es war immer wie im Affenhaus. (Anm. d. Red.: Spätestens wenn die drei Songs liefen, die immer gespielt, aber auch immer eingefordert wurden: Element of Crime „Ein Hotdog unten am Hafen“, Paul Simon „You can call me Al“ und Das trojanische Pferd „Fahrstuhlmusik/Mein Herz.)
  • Als einmal DJ Stimulus aus New York hier aufgelegt hat.
  • Heiko: Als Janusch mir die Nummer von DJ Friction gegeben hat und meinte, ich solle mich um das Booking kümmern. Ich stand völlig ungläubig da und dachte nur: „Ja klar, ich hab jetzt die Nummer von DJ Friction.“ 1997 noch auf dem Kolchose-Konzert gesehen und zwanzig Jahre später gehen wir zusammen essen. Das ist ja auch das Schöne hier, dass aus den DJs und Stammgästen Bekannte und Freunde geworden sind über die Jahre.
  • Alle Konzerte von Fetsum, wobei das erste ein ganz besonderes war.
  • Natürlich jedes Mal, wenn Ram hier auflegt.

Was hat es mit dem Moped auf sich?

Es geht um genau das richtige Mischverhältnis. Ein gutes Moped schmeckt nur, wenn das Verhältnis richtig ist. Und auch nur mit unserem Sekt. Wir haben es auch in anderen Bars probiert, aber das Bergamo ist halt, wo das Moped am besten schmeckt. Benny: Hätte ich Wirtschaft- und Eckkneipen studiert, würde ich darüber meine Thesis schreiben!

Am 30. Dezember ist es also soweit und man kann die beiden zum letzten Mal im Wohnzimmer namens Bergamo besuchen kommen. Die Jungs sorgen für Drinks, Norman 'Topsolo' für Musik, man möchte es mit seinen Worten sagen: Das wird herrlich.

Bevor wir das Ende dieses Artikels mit Heikos legendären Worten einläuten, noch ein Statement von Benny: „Mein Grumpy Dasein habe ich mir die letzten zehn Jahre hart erarbeitet.“ Das glaubt man gerne, trotzdem wird man kommenden Samstag mit Sicherheit ein Lächeln erhaschen, wenn Heiko ein letztes Mal die Gäste verabschiedet mit: "Es gibt zwei Notausgänge, einen zur linken und einen zur rechten Seite." Danke, ciao!