Bens Weinstube Klink in Stuttgart Spitzenkoch Ben Benasr will seine Gäste ohne Stern glücklich machen

Ben Benasr in seinem neuen Restaurant Bens Weinstube Klink Foto: Lichtgut/Zophia Ewska

Nach der Insolvenz des Sterne-Restaurants Ritzi startet Ben Benasr in Stuttgart-Degerloch neu durch. Mit schwäbisch-provenzalischen Gerichten auf der kleinen, wechselnden Karte will er in Bens Weinstube Klink seine Gäste verwöhnen.

Lokales: Matthias Ring (mri)

Am Ende sollte es doch immer nur um eines gehen – „die Gäste mit einem guten Essen glücklich machen“, sagt Ben Benasr. Und das will der 44-jährige Spitzenkoch nun auf einem anderen Weg als bisher erreichen: ohne den Druck eines Sterns und ohne die Pflicht zum Menü. „Dieses Verständnis von Gastgebertum ist Teil meiner DNA, so, wie ich es von zu Hause kenne“, sagt Benasr. Zu Hause, das war die elterliche Bäckerei in Tunis, deren Leitung er Anfang 2000 übernahm. Dann aber führten ihn Praktika bei großen Franzosen wie Pierre Gagnaire und Joël Robuchon in die Küchen dieser Welt und schließlich nach Deutschland. Erstmals einen „Michelin“-Stern erkochte Ben Benasr für die Gutsschenke im Schlosshotel Monrepos, später für das Ritzi in Stuttgart, als dessen Geschäftsführer er im Frühjahr dieses Jahres Insolvenz anmelden musste.

 

Bens Weinstube Klink liegt zentral und doch versteckt in Degerloch

Von diesem Montag an heißt es nun also Bens Weinstube Klink. Den Namen der zentral in Degerloch und doch etwas versteckt in zweiter Reihe liegenden Adresse an der Epplestraße hat Benasr nur leicht variiert. Schließlich möchte er „auch Gäste des Vorgängers“ Thomas Brenner mitnehmen, der nach zehn Jahren aufgehört hat.

Nur vier Tische hat die Weinstube – darunter den großen Gemeinschaftstisch. Foto: Lichtgut/Zophia Ewska

Viel verändern musste er in den Räumlichkeiten nicht, nur die Wände der nun „schwäbisch-provenzalischen Weinstube“ in hellem Olivgrün streichen und einige Spiegel aufhängen, damit die verwinkelte Location etwas größer wirkt. Vier Tische stehen in den zwei kleinen Räumen: drei im vorderen, ein großer Gemeinschaftstisch im hinteren Raum, den Ben Benasr als „Table d’Hôte“ bezeichnet, als Gastgebertisch, nur, dass es hier im Gegensatz zu Frankreich kein festes Menü gibt.

Eine Weinstube mit 14-täglich wechselnder Karte

Maximale Flexibilität ist dem Spitzenkoch grundsätzlich wichtig. Die kleine Karte soll alle zwei Wochen wechseln, Fisch je nach „Catch of the Day“ spontan dazu genommen werden. Zum Start gibt es Maispoularde und Hokkaido-Kürbis mit Pfifferlingen als Hauptgerichte. Unverzichtbar in einer Weinstube ist der Zwiebelrostbraten, der bei Benasr vom irischen Black-Angus-Rind ist und 36 Euro kostet, als kleine Portion 26 Euro.

Die Karte soll alle zwei Wochen wechseln. Foto: Lichtgut/Zophia Ewska

Nur ein paar Kleinigkeiten zum Wein sind ihm ebenso wichtig. „Es handelt sich nun mal um eine Weinstube“, aus deren „Schatzkiste“ mit seiner „Liebe zu Frankreich“ auch mal ein Margaux auftauchen kann. Ansonsten aber sollen die Flaschen, unter denen viele gute aus Württemberg etwa von Beurer, Dautel, Schnaitmann und Aldinger sind, zwischen 28 und deutlich unter 100 Euro kosten. Im 0,1-Liter-Glas gehen die Weine bei fünf Euro los.

Ben Benasr mit seiner Partnerin Olga Naumann Foto: Lichtgut/Zophia Ewska

Im Service arbeiten zum Start zwei Aushilfen, bis ihn Anfang Oktober die erfahrene Gastronomin Gabriele Scherzer übernimmt, die zuletzt den Adler am Schloss in Bönnigheim leitete. Im Hintergrund wird Ben Benasr von seiner Partnerin Olga Naumann unterstützt, die für das Onlinegeschäft einer großen Bank zuständig ist. In der Küche steht der Chef alleine, was für einen Mann mit seiner Erfahrung kein Problem sein sollte, zumal Köche wie Andreas Hettinger in Stuttgart oder Cédric Staudenmayer in Weinstadt zeigen, dass dies auch auf Sterneniveau möglich ist.

Zur Weinstube gehört ein idyllischer Hinterhof. Foto: Lichtgut/Zophia Ewska

Eine „Michelin“-Auszeichnung sei für Benasr kein Thema mehr. Er will jedoch offen sein für besondere Wünsche – auch aus nächster Umgebung. Ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn, von denen sich einige in freudiger Erwartung bei der exklusiven Eröffnung am Sonntag zeigten, ist allein schon deshalb wichtig, weil es im Hinterhof einen hübschen kleinen Außenbereich gibt, umgeben von Wohnungen mit Balkon.

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