Berg Eine Schranke soll den Verkehr ausbremsen

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Lärm- und Feinstaubbelastung sind wegen der Bauarbeiten für den Rosensteintunnel und den Umbau des Leuze-Knotens im Stadtteil gestiegen. Der Verein Berger Bürger schlägt ein Pilotprojekt vor, in dem Anwohner dank Funksendern weiterfahren können.

Hier in der Kurve könnten sich die Berger Bürger eine Schranke vorstellen. Foto: Jürgen Brand
Hier in der Kurve könnten sich die Berger Bürger eine Schranke vorstellen. Foto: Jürgen Brand

S-Ost - Der Durchgangs- und Schleichverkehr durch den Stadtteil Berg ist ein Dauerthema für die Anwohner und damit auch für den Verein Berger Bürger. Seit vielen Jahren wird immer wieder auf das Problem hingewiesen, dagegen unternommen wurde bisher wenig. Jetzt schlägt der Bürgerverein eine Schrankenlösung im Bereich des Leuze-Parkhauses vor, die nur Anwohnern die Durchfahrt ermöglicht.

Der nach Einschätzung der Berger Bürger von Jahr zu Jahr zunehmende Durchgangsverkehr hat gleich mehrere Ursachen. Wenn auf der B 10/B 14, der Uferstraße, vor dem Leuze-Knoten wieder einmal ein langer Rückstau ist, der nicht selten bis zur Gaisburger Brücke reicht, biegen immer öfter Autofahrer auf die Poststraße ab und fahren dort über die Nißle-, Karl-Schurz- und Steubenstraße in Richtung SWR und Stadtmitte (und umgekehrt). Auf der Strecke gilt zwar ein Durchfahrverbot für Nicht-Anlieger, beachtet wird es nicht. Die Staus auf der Bundesstraße haben mit Beginn der Bauarbeiten für den Rosensteintunnel und den Umbau des Leuze-Knotens nach Beobachtungen der Berger massiv zugenommen, ebenso der Baustellenverkehr auch mit schweren Lastwagen. Für eine weitere Zunahme des Schleichverkehrs sorgen die Besucher von Veranstaltungen, egal ob auf dem Wasen, in der Schleyer-Halle und Porsche-Arena oder im Stadion. Immer mehr Veranstaltungsbesucher suchen sich einen kostenlosen Parkplatz in Berg und gehen dann zu Fuß über den Berger Steg zum Frühlings- oder Volksfest oder zu Konzerten. An den kaum nachlassenden Parkplatz-Suchverkehr der Besucher der Mineralbäder haben sich die Berger in den vergangenen Jahren fast schon gewöhnt. Und in den kommenden Jahren ist durch die anstehende Bebauung des Schwanenplatzes und die Sanierung des Mineralbads Berg noch mehr Baustellenverkehr zu befürchten.

Bürgerverein hat Lärm und Feinstaub messen lassen

Um seinen Argumenten mehr Gewicht zu verleihen, hat der Bürgerverein auch eigene Lärm- und Feinstaubmessungen durchgeführt. Diese „unterstreichen die gesundheitliche Beeinträchtigung der Bevölkerung durch die hohe Luftbelastung im Bereich des ‚Auspuffs’ des Stadtkessels, der in der gegenwärtigen Bauphase von Stuttgart 21 und Rosensteintunnel durch Staub und Baumaschinen zusätzlich verschärft wird“, heißt es in einer Präsentation des Vereins. „Noch höher wird die gesundheitliche Belastung durch den begleitenden Lärm, der oft selbst nach Mitternacht (Umleitungen im Rahmen der Baumaßnahme Rosenstein, die nicht beachtet werden und in der Folge durch den Ortsteil führen) anhält.“

Schon im Jahr 2005 war in einem städtischen Gutachten zu der Problematik als einzige wirksame Lösung eine Unterbrechung der Karl-Schurz-Straße thematisiert worden. Dadurch würde aber das Wohnquartier am Mühlkanal vom Rest des Stadtteils abgetrennt, deswegen war diese Lösung damals verworfen worden. Stattdessen schlägt der Bürgerverein jetzt eine Schrankenlösung mit einer Durchfahrtsberechtigung für Anwohner zumindest für die Dauer der Großbaustellen vor. Eine solche Schranke könnte nach Meinung der Berger Bürger am besten kurz vor der Kurve von der Nißle­straße zur Karl-Schurzstraße stehen, weil dort genug Platz für Wendemöglichkeiten ist. Für Leuze-Besucher wäre von der Poststraße kommend die Zufahrt zum Leuze-Parkhaus möglich, aus Richtung Innenstadt/SWR kommend allerdings nicht, von dort aus steht aber zurzeit noch der Parkplatz Schwanenplatz zur Verfügung.

Schranke würde laut Bürgerverein 7400 Euro kosten

Eine solche Schrankenanlage, die sich durch Funksender öffnen ließe und automatisch schließt, kostet nach den Recherchen des Bürgervereins rund 7400 Euro, dazu kämen die Kosten für den Einbau und die für die Sender, die pro Gerät auch zwischen 50 und 100 Euro liegen dürften. Berechtigt für die Nutzung eines solchen Senders sollen nach dem Vorschlag des Bürgervereins Bewohner Bergs sein, die dort ihren Hauptwohnsitz haben und auf deren Namen ein Kraftfahrzeug zugelassen ist, außerdem Firmenfahrzeuge von örtlichen Unternehmen wie Südwestrundfunk oder EnBW und von Handwerkern, selbstverständlich die Müllabfuhr, die Polizei und die Rettungsdienste. Eine solche, schnell zu verwirklichende Schrankenlösung hätte nach Meinung der Berger Bürger nur Vorteile, auch der Bereich Neckarstraße/Stöckach würde so entlastet. Nach einer Pilotphase könnte diese Lösung neu bewertet – und gegebenenfalls auch wieder abgebaut – werden.

Der Bezirksbeirat Stuttgart-Ost hat den Vorschlag des Vereins zunächst an den Verkehrsausschuss verwiesen. Ein Termin für die nächste Ausschusssitzung ist noch nicht bekannt. Die Ergebnisse dieser Beratung sollen dann in einer der nächsten Bezirksbeiratssitzungen diskutiert werden.

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