„Bergdoktor“-Star in Stuttgart Vor der Kamera ist die Welt in Ordnung

Natalie O’Hara meint, sie sei ein großes Glückskind. Foto: Lichtgut/Michael Latz

Proben ohne Premiere, Drehen mit Fiebermessen: Die Schauspielerin Natalie O’Hara ist zu Gast in Stuttgart. Sie erzählt, wie Corona ihren Beruf verändert.

Stuttgart - Das kann auch nicht ganz einfach sein: Tag für Tag für ein Theaterstück proben, das erst mal gar nicht auf die Bühne kommt. Seit Anfang Januar lebt die Schauspielerin Natalie O’Hara, die viele aus der ZDF-Erfolgsserie „Der Bergdoktor“ kennen, vorübergehend in Stuttgart. Am 5. Februar sollte die Premiere der Gesellschaftskomödie „Nur drei Worte“ im Alten Schauspielhaus sein. In dem Stück, in dem es um zwei Paare geht, verkörpert sie die Annie. Wegen des Corona-Lockdowns bleibt das Theater bis 31. März dicht – das Stück wird stattdessen als Podcast online zu hören sein und soll dann, so ist zumindest die aktuelle Planung, im November auf Tournee gehen.

 

Womöglich wird die Premiere in Stuttgart erst Anfang 2022 stattfinden. „Wir hoffen: ohne Abstand und vor vollem Haus“, sagt Natalie O’Hara im Gespräch mit unserer Zeitung. Es handelt vom Theaterspielen und den Aufnahmen fürs Fernsehen, aber vor allem davon, wie Proben und Drehen unter den aktuellen Corona-Bedingungen überhaupt möglich ist. Wobei sich die 44-Jährige trotz mancher Einschränkungen als „großes Glückskind“ sieht. Schließlich habe sie im Prinzip das ganze Jahr über mit tollen Kollegen arbeiten können. Natürlich fehle ihr jetzt in Stuttgart die Gastronomie und die Möglichkeit, nach den Proben ein Glas Wein zusammen zu trinken. „Aber ich bin nicht einsam, ich habe tagsüber intensive soziale Kontakte.“ Gleichwohl würden die Rollen Corona-konform einstudiert. „Wir müssen Liebe auf Distanz spielen, das ist bei einem Beziehungsstück schon etwas schräg“, findet Natalie O’Hara.

Dreharbeiten im Lockdown

Bei den Dreharbeiten für die aktuelle Staffel des „Bergdoktors“ war das anders, wie sie erzählt. Da durften sich die Schauspieler vor der Kamera relativ frei bewegen – verbunden mit einem immensen Aufwand. Das Team wurde zweimal die Woche auf das Coronavirus getestet, die Schauspieler zwei Tage vor dem Dreh und dann am selben Tag noch einmal, Fiebermessen stand jeden Morgen an. Gedreht wurde in Ellmau mitten im harten Lockdown in Tirol. „Die Arbeit sollte dort ermöglicht werden, und da gehörten wir als TV-Produktion offenbar dazu.“

Geschrieben wurden die Folgen im Frühjahr, zu Beginn der Pandemie. Damals sei bewusst entschieden worden, dass das Virus im „Bergdoktor“ keine Rolle spielen sollte, sagt die Darstellerin der Susanne Dreiseitl, Wirtin des Wilden Kaisers. Eine Entscheidung, die sie für richtig hält. Nicht nur, weil nicht absehbar gewesen sei, wie sich die Lage entwickle, sondern auch deshalb, weil sie glaubt, dass die Zuschauer Fluchtmomente aus dem Alltag brauchen. „Wir sind für den Eskapismus zuständig. Vor der Kamera ist die Welt in Ordnung.“

Natalie O’Hara ist zum fünften Mal in Stuttgart engagiert. Die Stadt sei so etwas wie ihre persönliche „Theaterhauptstadt“, meint die gebürtige Göttingerin, die in Hamburg und auf Mallorca lebt, aber eigentlich, wie sie sagt, zum „fahrenden Volk“ gehört: „In Stuttgart durfte ich meine schönsten Rollen spielen.“ Hier auch mal Musical zu machen, daran dachte sie nie, obwohl sie die Ausbildung dazu hat und obwohl ihr Mann Johannes Mock-O’Hara (er ist Geschäftsführer der Pferdeshow Cavalluna) einige Jahre Deutschlandchef von Stage Entertainment war. Zu Premieren hat sie ihn gern begleitet, auch weil sie in den Ensembles Freunde aus Studientagen getroffen hat. Aber für sich selbst habe sie schon als siebenjähriges Mädchen beschlossen: „Ich will Schauspielerin werden.“

Ex-Frau des Kommissars

Stuttgart wird Natalie O’Hara nach sechs Wochen und nicht wie ursprünglich geplant nach drei Monaten wieder verlassen. Dann hat sie Pause, denn die Engagements sind alle geplatzt, bis im Mai Dreharbeiten in Salzburg beginnen sollen. Bei der österreichischen Krimireihe „Die Toten von Salzburg“ ist sie seit Beginn vor rund fünf Jahren dabei; sie spielt Helene Mur, die Ex-Frau von Kriminalhauptkommissar Hubert Mur. Mit Michael Fitz zu spielen sei eine tolle Aufgabe und eine große Herausforderung. Es klingt, als wäre es auch ein Riesenspaß. Wer sich ein Bild machen möchte: An diesem Mittwoch wird der sechste Fall namens „Schwanengesang“ ausgestrahlt.

Die Wochen bis Mai will die Tochter eines amerikanischen Theologen und einer deutschen Flötistin, nutzen, um an einem Soloprojekt zu arbeiten. Viel verrät sie nicht, nur so viel: Es ist ein Bühnenstück, bei dem sie auch Klavier spielt. Dafür hole sie quasi ihr Klavierstudium nach, meint sie und hofft, dass 2022 die Premiere sein wird. Schließlich lautet ihre Maxime, man müsse immer positiv bleiben. Bei ihr klingt das alles andere als banal. Und sie ist nah am Kern von Serien wie dem „Bergdoktor“ dran, wenn sie hinzufügt: „Ich möchte die Menschen berühren.“

Weitere Themen