Bergläufer Johannes Löw Glücklich nach überstandener WM-Tortur

Glücklich trotz Tortur: der Möhringer Johannes Löw. Foto: Johannes Überbacher

Der Möhringer Extremläufer Johannes Löw hat sich seinen Traum vom Auftritt im Nationaltrikot erfüllt. Nun hat er bereits weitere Pläne.

Allein gut 81 Kilometer zu Fuß sind ja schon eine mächtige Aufgabe – aber noch nichts im Vergleich dazu, wenn die Strecke auch noch über 5413 Höhenmeter führt. Eine Tortur, sollte man meinen. Aber Johannes Löw hat diese gern absolviert, hat sich für ihn damit doch ein sportlicher Traum erfüllt. Der 37-jährige Extremsportler aus Möhringen darf sich nun WM-Teilnehmer nennen. Bei den sogenannten World Mountain- und Trailrunning-Championships im spanischen Canfranc feierte er sein Debüt im Nationaltrikot.

 

Dabei hing sein Vorhaben  zwischendurch am seidenen Faden. Im Mai hatte Löw sich bei einem Ultralauf einen zweifachen Bänderriss im Sprunggelenk zugezogen. Dies warf ihn zwischendurch aus der Bahn, konnte ihn allerdings nicht in seinem Ehrgeiz stoppen. „Das Wichtigste war für mich, bis zum   Zugspitz-Lauf  sechs Wochen später wieder fit zu werden“, sagt Löw. Denn dieser galt als WM-Qualifikation. Ergebnis: Mit bandagiertem Knöchel rannte er auf den zweiten Platz, gleichbedeutend mit dem ersehnten Reiseticket in die Pyrenäen. Bei den Welttitelkämpfen zwei Jahre zuvor in Innsbruck war Löw noch Zuschauer gewesen, nun war er „bei dieser geilen Herausforderung“, wie er es nennt, selbst aktiv dabei.   „Damals habe ich regelrecht Feuer gefangen für diesen Sport“, erinnert er sich. Insbesondere habe er mal austesten wollen, „wo die Grenzen meiner Belastbarkeit  sind“. In der Branche ist Löw ein Spätberufener. Ursprünglich spielte der heutige IT-Teamleiter einer großen Handelskette Fußball. Damals hießen seine Vereine SV Vaihingen, Spvgg Möhringen und SV Sillenbuch, heute ist es der LAC Degerloch.

Aktuell wurde es schließlich ein achtbarer 61. Rang, dies unter 179 Teilnehmern aus 73 Ländern auf der Langdistanz. Löws Laufzeit: 10:44:08 Stunden, womit er zweitbester deutscher Teilnehmer war und mitgeholfen hat, dass das deutsche Team, zu dem außerdem Manuel Hartweg und Marcel Geißler gehörten, auf Platz 15 kam. „Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Es war ein riesiges Erlebnis, mit so vielen Klasseläufern aus der ganzen Welt im Wettbewerb zu stehen“, sagt Löw. Beeindruckt hat ihn der freundschaftliche Respekt untereinander. Sein Fazit: „Das  alles macht  mir großen Appetit, weiter zu machen.“ So sollen den bisher 26 Rennen dieser Art in den zurückliegenden dreieinhalb Jahren, in  denen er nicht ein einziges Mal aufgegeben hat, weitere folgen. „Ich bin hoch motiviert, nach  kurzer Pause wieder bald bis zu  150 Trainingskilometer in der Woche zurückzulegen und mir   weitere Traumziele auszusuchen“, sagt Löw.

Den Titel sicherte sich der US-Amerikaner Jim Walmsley in 8:35:11 Stunden. In der Mannschaftswertung ging der Sieg unter 28 Teams an Frankreich.

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