Bericht: Trump will Truppen aus Deutschland abziehen US-Truppenabzug könnte auch Stuttgart treffen

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Überraschung a la Trump: In der Krise lenkt der US-Präsident die Aufmerksamkeit auf die Außenpolitik. Nach Medienberichten will er die Streitkräfte in Deutschland massiv reduzieren. Stuttgart könnte betroffen sein.

Werden die US-Truppen in Deutschland massive abgebaut? Foto: dpa/Friso Gentsch
Werden die US-Truppen in Deutschland massive abgebaut? Foto: dpa/Friso Gentsch

Berlin - Der US-Truppenstandort Stuttgart könnte aus Sicht führender Außenpolitiker der Koalition von den möglichen Plänen für einen Abzug tausender Soldaten betroffen sein. „Ich möchte mich nicht an Spekulationen beteiligen, aber dass der Standort Stuttgart mit dem European Command und dem African Command betroffen sein könnte, ist nicht ausgeschlossen“, sagte der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Roderich Kiesewetter unserer Zeitung. „Es ist kaum vorstellbar, dass die USA das Drehkreuz Ramstein oder die Klinik in Landstuhl aufgeben. Der Abzug aus Stuttgart erscheint im Vergleich aus Sicht der Amerikaner einfacher.“ Auch der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Nils Schmid, hält einen Teilabzug für möglich. „Ich sehe nicht, weshalb der Standort für das European Command in Stuttgart in Frage gestellt werden könnte, aber was das African Command angeht, ist die Lage ungewisser“, sagte Schmid. Die Landesregierung und die Stadt Stuttgart kommentierten die Berichte am Samstag nicht.

Bisher sind die Pläne eines US-Truppenabzugs aus Deutschland nicht bestätigt. Nach Informationen unserer Zeitung wurde die Bundesregierung von den Berichten völlig überrascht. Zuerst hatte das „Wall Street Journal“ berichtet, dass Trump die US-Truppen in Deutschland von derzeit 34 500 Soldaten um 9500 reduzieren wolle. Außerdem solle eine Obergrenze von 25 000 US-Soldaten eingeführt werden, die gleichzeitig in Deutschland stationiert sein könnten. Trump habe das Pentagon bereits entsprechend angewiesen. Am Samstag berichtete auch der „Spiegel“ über eine geplante massive Reduzierung der US-Truppen. Demnach hat das Weiße Haus Teile des US-Kongresses darüber informiert, dass das Pentagon bis zum Herbst 2020 zwischen 5000 und 15 000 der derzeit rund 35 000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen werde.

„Keine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich“

Während es weder aus dem Auswärtigen Amt noch aus dem Verteidigungsministerium eine offizielle Stellungnahme zu den Berichten gab, reagierten die Koalitionsvertreter mit massiver Kritik an US-Präsident Donald Trump auf die angeblichen Pläne, die Präsenz der amerikanischen Truppen in Deutschland deutlich zu reduzieren.

„Es ist eine transatlantische Vertrauensfrage, die Trump hier stellt“, sagte der Unionspolitiker Kiesewetter. Es gehe nicht um die Interessen Amerikas, sondern um die eines Präsidenten, der im eigenen Land derzeit massiv unter Druck stehe. „Wir dürfen hier nicht zum Spielball werden.“ Der SPD-Abgeordnete Schmid sagte: „Diese Entscheidung – wenn sie denn stimmt – ist ein weiterer Beleg dafür, dass mit diesem US-Präsidenten keine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich ist.“ Man könne in keiner Frage auf Augenhöhe mit Trump verlässlich zusammenarbeiten.

Knapp 2500 US-Mitarbeiter in Stuttgart

Beide Politiker sehen als ein mögliches Motiv das langjährige Versprechen Trumps, Truppen nach Hause zu bringen. Dies sei die einzig erkennbare Konstante in Trumps Außenpolitik, so Schmid. Roderich Kiesewetter kritisierte außerdem: „Sein unabgesprochenes Vorgehen schwächt den Westen, den Zusammenhalt der Nato und stärkt Spaltungsbemühungen, die von Russland und China gefördert werden.“ Eine mögliche Stationierung in Polen gefährde die Nato-Russland-Grundakte. Man könne nur hoffen, dass der Schritt bis zur US-Präsidentenwahl nicht mehr umzusetzen sei, so Schmid. Kiesewetter mahnte zugleich, Europa müsse diese Pläne endlich als Weckruf verstehen, mehr Verantwortung zu übernehmen. „Es geht darum, Amerika klar zu machen, dass es ein Vorteil ist, mit Europa zu kooperieren.“ Als ein Beispiel nannte er den vorerst gescheiterten Vorschlag von Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer für eine Sicherheitszone in Nordsyrien.

Im Stützpunkt unweit des Campus der Universität Stuttgart und der Hochschule der Medien befindet sich das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa (Eucom). Zudem sind dort zahlreiche weitere US-Behörden, darunter die Agentur für IT-Sicherheit, Informationstechnik und Telekommunikation angesiedelt. In den Patch Barracks arbeiten 950 Militärs und zivile Mitarbeiter. Im Süden Stuttgarts befindet sich das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Afrika (Africom). In den Kelley Barracks arbeiten etwa 1500 Soldaten und Zivilisten.




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