Berlin und Wittenberg Obama, Merkel und die AfD beim Evangelischen Kirchentag

Von red/AFP 

Am Mittwoch beginnt der 36. Evangelische Kirchentag in Berlin. Die Auftritte einiger Politiker sind unter Protestanten jedoch umstritten.

Der Kirchentag in Berlin und Wittenberg dauert vom 24. bis 28.05.2017. Foto: dpa
Der Kirchentag in Berlin und Wittenberg dauert vom 24. bis 28.05.2017. Foto: dpa

München - Für viele protestantische Gläubige ist es der Höhepunkt des Reformationsjubiläums: Am Mittwoch beginnt in Berlin und in der Lutherstadt Wittenberg der 36. Evangelische Kirchentag. Weit mehr als 100.000 Dauerteilnehmer und dazu noch zehntausende Tagesgäste werden zu den Veranstaltungen erwartet.

Prominentester Redner ist der frühere US-Präsident Barack Obama - aber auch die AfD darf anders als beim Katholikentag im vergangenen Jahr mitdiskutieren. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm freut sich besonders auf den Schlussgottesdienst am Sonntag auf der Elbwiese vor Wittenberg. „Wenn man sich vorstellt, dass wir da 500 Jahre nach dem Thesenanschlag die Silhouette des Orts sehen werden, von dem die ganze Reformation ausgegangen ist - dann ist das schon ein ganz besonderer Schauplatz“, schwärmte Bedford-Strohm im „Oberbayerischen Volksblatt“.

Mammutprogramm mit 2100 Veranstaltungen

Bevor die Posaunen zum Abschluss in der Lutherstadt erklingen, gilt es für die Kirchentagsverantwortlichen allerdings ein Mammutprogramm zu bewältigen. Unter dem Motto „Du siehst mich“ sammelt das 576 Seiten starke Programmheft 2100 Veranstaltungen, darunter allein 400 Konzerte mit Prominenten wie Max Giesinger, Yvonne Catterfeld oder der A-Capella-Band Wise Guys auf ihrer Abschiedstournee.

Der größte programmatische Coup gelang den Organisatoren mit dem Besuch Obamas. Er wird am Donnerstag zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor dem Brandenburger Tor zum Thema „Engagiert Demokratie gestalten - Zuhause und in der Welt Verantwortung übernehmen“ diskutieren. Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au hebt hervor, dass Merkel und Obama ihr politisches Engagement auch als Ausdruck ihres christlichen Lebens bezeichnen. In der traditionell kritischen evangelischen Kirche sorgte der Coup mit dem prominenten Redner allerdings auch für Kritik. Obama habe doch kaum etwas mit der protestantischen Laienbewegung zu tun, hieß es. Außerdem gab es Kritik, der Kanzlerin eine Wahlkampfbühne zu geben.

Umstrittener Auftritt der AfD

Kritisiert wird ebenso eine geplante Predigt von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in einem Gottesdienst mit dem Militärbischof Sigurd Rink. Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden sieht darin eine „nicht hinnehmbare Vermischung von geistlichem und weltlichem Amt“. Ebenfalls umstritten ist, dass die rechtspopulistische AfD ein eigenes Diskussionsforum bekommt. „Christen in der AfD?“ heißt die Diskussion, in der der Berliner Bischof Markus Dröge mit Anette Schultner vom Bundesverband Christen in der AfD diskutiert.

Die Veranstalter legten den Termin zwar genau parallel zu Obamas Auftritt und beschnitten damit mutmaßlich das Interesse erheblich - allerdings geht der Evangelische Kirchentag mit der Diskussion einen anderen Weg als der Katholikentag vor einem Jahr. In Leipzig war die AfD explizit ausgeladen.

Zu essen gibts nur Bio

Ausgesprochen politisch und streitlustig präsentiert sich der Kirchentag. So wird auch der Nahostkonflikt dort diskutiert. Der Umgang mit Flüchtlingen ist ebenfalls ein Schwerpunkt. Doch jenseits der engen Taktung an Veranstaltungen mit Politikern - auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist dabei - suchen sich Kirchentagsbesucher traditionell ihre Veranstaltungen oft nach spirituellen, religösen und kulturellen Bedürfnissen aus.

Und der Kirchentag versucht eigene Akzente zu setzen. So wird es zum ersten Mal auf einem Kirchentag nur Bioessen geben. Geht der Wunsch von Kirchentagspräsidentin Aus der Au in Erfüllung, werden die Teilnehmer bei Bioburgern intensiv den Dialog pflegen: „Wir werden miteinander reden, einander zuhören in reformatorischer Gelassenheit und streiten mit protestantischem Selbstverständnis“, kündigte sie an.




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