Berlinale 2025 Wo sind all die TV-Serien hin?
Für Serienjunkies waren die Internationalen Filmfestspiele in Berlin eine große Enttäuschung. Gerade einmal drei Serien haben es ins Berlinale-Programm geschafft. Da geht mehr!
Für Serienjunkies waren die Internationalen Filmfestspiele in Berlin eine große Enttäuschung. Gerade einmal drei Serien haben es ins Berlinale-Programm geschafft. Da geht mehr!
Die ganze Welt schaut TV-Serien, nur die Berlinale schaut weg. 243 Produktion aus 81 Ländern gab es in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin zu sehen. Und bei gerade einmal drei von ihnen handelte es sich um TV-Serien. Man könnte zwar einwenden, dass die Berlinale ein Filmfestival und kein Serienfestival ist. Allerdings unterschlägt man dann, dass das schon mal besser war, dass es seit 2015 sogar mal eine Berlinale-Serien-Reihe gab.
Als Julia Fidel die Leitung des Serien-Programms im Jahr 2023 übernahm, wurde die Berlinale tatsächlich zum ersten großen Filmfestival mit eigenem Serien-Wettbewerb. Das britisch/italienische Drama „The Good Mothers“ sollte aber der einzige Gewinner des Berlinale-Series-Award bleiben. Im Sommer 2023 gaben die damaligen Berlinale-Chefs, Geschäftsführerin Mariëtte Rissenbeek und der künstlerische Leiter Carlo Chatrian, bekannt, dass die Reihe „Berlinale Series“ als Teil einer Umstrukturierung des Festivals, der etwa auch die tolle Nachwuchsreihe „Perspektive Deutsches Kino“ zum Opfer fiel, eingestampft wird. Von der einstigen Serienvielfalt auf der Berlinale ist jetzt nur noch ein Trümmerfeld übrig.
Wer gerne Serien schaut, musste 2025 lange suchen. Eine Serie schaffte es immerhin in die Kinder- und Jugendfilmreihe der Berlinale namens Generation: „De menor“ setzt sich damit auseinander, wie das brasilianische Rechtssystem mit jugendlichen Straffälligen umgeht. Warum ausgerechnet diese Serie, die in Theaterkulissen reale Fälle nachspielt und dabei stark von pädagogischen und aufklärerischen Absichten bestimmt ist, für die Berlinale ausgewählt wurde, erschließt sich nicht.
Eine bessere Wahl war da die australische Serie „The Narrow Road to the Deep North“ als Berlinale Special Gala zu zeigen: Jacob Elordi aus „Euphoria“ spielt in dem Drama, das auf Richard Flanagans Roman „Der schmale Pfad durchs Hinterland“ beruht, einen britischen Sanitätsoffizier, der im Zweiten Weltkritik in japanische Kriegsgefangenschaft gerät. Über mehrere Jahrzehnte hinweg wird das wechselhafte Leben dieses Mannes nacherzählt. Die Serie ist im Sommer 2025 bei Sky/Wow zu sehen.
Bereits im Frühjahr gibt es im deutschen Fernsehen „Die Affäre Cum-Ex“, die dritte Serie im Berlinale-Programm, zu sehen (ab 22. März in der ZDF-Mediathek und linear am 13. und 14. April im ZDF). In acht Episoden wird fiktionalisiert die Geschichte dieses Betrugsnetzwerks aufgearbeitet, in das zahlreiche Banken und Politiker verwickelt waren. Eine deutsch-dänische True-Crime-Story aus der Politik- und Finanzwelt, ein biografisches Historiendrama aus Australien, ein brasilianisches Justizlehrstück – das ist alles, was die Berlinale in Sachen Serien in diesem Jahr zu bieten hatte?
Ja und Nein. Denn abseits des öffentlichen Programms gibt es noch den European Film Market: Hier werden die Geschäfte gemacht. Hier werden Kino- und Sendelizenzen gehandelt. Hier werden jede Menge vielversprechende Serienprojekte gezeigt – allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Denn zu den Screenings haben nur Menschen aus der Branche Zutritt. Eine von ihnen ist María García-Castrillón, die bei den spanischen Secuoya Studios für Koproduktionen zuständig ist. Sie schwärmt nicht nur von den deutschen Serien wie „Dark“, „Liebes Kind“ oder „Babylon Berlin, sondern arbeitet bereits mit deutschen Partnern an einigen Projekten zusammen. Und beim Berlinale Series Market hat sie das Psychodrama „Matices (Shades)“ präsentiert, das von einem charismatischen Psychiater, seinen Patientinnen und Patienten und einem Mord erzählt.
„Das ist zwar im Kern eine Whodunnit-Serie, aber eigentlich geht es gar nicht darum, wer der Mörder ist“, sagt sie, „sondern darum, die Verdächtigen und ihre Geschichten kennenzulernen.“ Dass die Koproduktion mit Streamer Sky Showtime mit einem spanischen Staraufgebot in einem idyllischen Weingut gedreht wurde, das sich in Frankreich, Argentinien oder Südafrika befinden könnte, dürfte die Erfolgschancen erhöhen.
Dass der Berlinale Series Markt Spanien in diesem Jahr in den Fokus genommen hat, ist kein Zufall. Die spanischen-Serien „Haus des Geldes“ und „Elite“ zählen beispielsweise zu den erfolgreichsten Produktionen von Netflix insgesamt. Und auch die ebenfalls beim Series Markets präsentierte neue Serie „Asuntos Internos (Internal Affairs)“ hat als Krimifilm im Retrostil Hitpotenzial: In ihrem Zentrum steht Clara, die in den 1970ern ihren Job als Polizistin in einem der gefährlichsten Viertel Madrids antritt und sich mit einem Heroin-Schmugglerring anlegt.
Tolle Serien gibt es also mehr als genug. Jetzt müssen sie es nur wieder ins öffentliche Berlinale-Programm schaffen.
Aktualisierung In einer ersten Fassung dieses Textes wurde behauptet, dass die Reihe „Berlinale Series“ den Sparplänen der Kulturstaatsministerin Claudia Roth zum Opfer fiel. Das ist falsch, Roth hat sich niemals in die inhaltliche Ausrichtung des Festivals eingemischt, und es kann nur über einen indirekten Zusammenhang spekuliert werden zwischen dem Aus der Reihe und dem Kostendruck, dem sich die Festivalleitung ausgesetzt sah.