InterviewBerlinale-Direktor Kosslick Reizthemen wie Metoo-Debatte und Nachfolgersuche

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Ein Thema, das die Berlinale vermutlich begleiten wird, ist die #metoo-Debatte. Sind Sie in der Realität eines Festivals mit dem Thema konfrontiert?

Die durch den Weinstein Skandal ausgelöste Debatte ist wichtig und hat zur #metoo-Bewegung geführt. Über die sexualisierte Gewalt hinaus führt uns die Debatte grundsätzlich zur Hinterfragung gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Das Thema ist auch bei der Berlinale 2018 präsent. Mit den Events die wir bei der Filmfestspielen präsentieren, möchten wir auch zu einer Veränderung innerhalb der Branche beitragen. Wir unterstützen zum Beispiel die Initiative Speak Out von Daniela Elstner, die eine Website und Hotline gegen sexuelle Belästigung im Filmgeschäft launchen möchte. Darüberhinaus veranstalten wird selbst Panels rund um das Thema.

Für mich gilt, was Catherine Deneuve nach ihrer ersten Erklärung zum Thema gesagt hat: wenn jemand etwas gegen seinen Willen aufgezwungen bekommt, dann ist das ein Verbrechen. Das ist eine klare Linie und klingt einfach, und die wäre ja auch im Fall der Anschuldigungen gegen Dieter Wedel eindeutig überschritten. Aber ich kann mir überhaupt gar nicht vorstellen, dass jemand heutzutage an den Set geht und so etwas tut. Irgendjemand würde doch hoffentlich sofort eingreifen.

Was denken Sie denn, wo hat man in diesem Geschäft eine Verantwortung?
Was ich gelernt habe: man muss seine Sprache zügeln. Es ist relativ leicht, verbal grenzwertig zu werden. Wenn ich zum Beispiel zehn Tage lang auf dem roten Teppich stehe und small talk mache, dann mache ich vielleicht auch die ein oder andere missverständliche Bemerkung. Wir sprechen in drei verschiedenen Sprachen auf diesem Festival mit allen semantischen Unterschieden, da muss man sehr vorsichtig sein. Und ja: vor dem Hintergrund der Debatte haben wir tatsächlich über solche Fragen geredet wie: darf man jetzt Leute auf dem Roten Teppich umarmen und abbusseln?
Und welche Antwort geben Sie sich?
Ja, wenn es einvernehmlich ist, schon. Aber das ist natürlich bei 3400 Leuten, die zur Eröffnung kommen, nicht einfach. Es ist vielleicht eine viel zu große Sache insgesamt um sie an so einem kleinen Punkt zu diskutieren.
Sie sprechen über die Nachfolgediskussion, weil Sie nach der Berlinale 2019 aufhören und jetzt Ihre Arbeit kritisiert wird. Wie blicken Sie auf diese 17 Jahre? Was würden Sie sagen, haben Sie gut hingekriegt?
Ich glaube, was ich ganz gut geschafft habe, war die Darstellung schwieriger Themen mit ausreichend Humor vorzutragen. Und den Erfolg messe ich am Publikum. Denn es ist ein großer Erfolg, dass hhier so viele Leute kommen, für die wir das machen. Das sollte man erhalten.
Was ist eine Kritik, die Sie annehmen?
Natürlich muss man Kritik ernst nehmen, doch aktuell erlebe ich nur eine personalisierte Debatte.
Sie beziehen sich auf Journalisten, die jetzt über ihre Nachfolge schreiben. Sie klingen verletzt.
Ja. Mich verletzen gewisse Unhöflichkeiten. Da gibt es grenzüberschreitende Kritikrituale, die man sich in meinem Alter nicht mehr richtig erklären kann. Es geht offensichtlich nur um die Provokation.
Was würden Sie Frau Kulturstaatsministerin Grütters für die Suche nach Ihrer Nachfolgerin oder einem Nachfolger denn raten?
Man kann erst jemanden suchen, wenn man weiß, was für eine Berlinale man möchte.
Worauf freuen Sie sich?
Wie immer darauf, dass es los geht. Wir werden grandiose Filme haben – auch einen feministischen Western. „Damsel“, muss man sehen. Es ist die audiovisuelle Antwort auf metoo.