Berlinale-Eröffnungsfilm Ein Liebesdreieck um Peter Dinklage

Peter Dinklage im Berlinale-Eröffnungsfilm „She Came to Me“ Foto: Protagonist Pictures

Der Eröffnungsfilm „She Came to Me“ von Rebecca Miller läuft nicht im Wettbewerb der Berlinale. Er wärmt aber die Herzen und brachte Stars wie Peter Dinklage, Marisa Tomei und Anne Hathaway auf den roten Teppich.

Im „positiven Sinne konfrontativ und politisch“ sei die Berlinale schon immer gewesen, sagte Kristen Stewart an diesem Donnerstag zum Auftakt der 73. Filmfestspiele – darum sei es ihr eine besondere Ehre, als jüngste Juryvorsitzende der Festivalgeschichte dabei zu sein. Die als Lady Di in „Spencer“ Oscar-nominierte Amerikanerin wird mit der Vorjahresgewinnerin Carla Simón aus Spanien, der deutschen Regisseurin Valeska Grisebach oder der iranischen Schauspielerin Golshifteh Farahani in den kommenden zehn Tagen darüber entscheiden, welcher Beitrag am Ende den Goldenen Bären mit nach Hause nehmen darf.

 

Welche Faktoren bei der Preisvergabe letztlich entscheidend sein werden, versuchte Stewart dann auch gleich noch in Worte zu fassen: „Ich hoffe, dass wir uns alle für Neues öffnen können, unsere Vorurteile und Sehgewohnheiten hinterfragen und uns überraschenden Herausforderungen stellen. Und dann am Ende Filme prämieren, die uns besonders ins Auge gesprungen sind.“ Am ersten Abend hatten die 32-Jährige und ihre Mitjuroren noch keine Arbeit außer dem Gang über den roten Teppich: Zur Eröffnung des diesjährigen Festivals, zu der Nochbürgermeisterin Franziska Giffey und Kulturstaatsministerin Claudia Roth erwartet wurden sowie eine per Video zugeschaltete Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, feierte mit der US-Produktion „She Came to Me“ ein Film Weltpremiere, der nicht im Wettbewerb läuft, sondern in der Sektion Berlinale Special.

In den Beziehungen droht viel Ungemach

Die Regisseurin und Autorin Rebecca Miller erzählt darin von allerlei verschrobenen Existenzen und Lebenskrisen in Brooklyn. Der Komponist Steven Lauddem (Peter Dinklage) ist noch immer gezeichnet vom emotionalen Zusammenbruch nach der Premiere seiner letzten Oper, er guckt Menschen eigentlich nicht in die Augen. Und dass er seine Therapeutin direkt geheiratet hat, hilft auch nur bedingt.

Zumal Patricia Lauddem (Anne Hathaway) selbst genug Neurosen hat und obendrein ihre Vorliebe für die katholische Kirche wiederentdeckt. Eine Begegnung mit der lässigen Schlepperkapitänin Katrina (Marisa Tomei), die ihrerseits – klinisch diagnostiziert! – süchtig nach Romantik ist, löst bei Steven manche Blockade, bringt aber neue Schwierigkeiten. Und dann droht noch Ungemach durch die Beziehung von Patricias 18-jährigem schwarzem Sohn zur 16-jährigen Tochter ihrer polnischen Putzhilfe.

Ein Film mit Glam-Faktor

Eine filmische Offenbarung mag „She Came to Me“ nicht sein, doch als Eröffnungsfilm der Berlinale, wo es zum Auftakt sonst schon so manchen Totalausfall zu sehen gab, ist die skurril-charmante Tragikomödie eine erfreuliche Wahl. Nicht nur weil Miller ihr prominentes Ensemble mit an den Potsdamer Platz brachte, wo in diesem Jahr der Glamourfaktor ansonsten eher gering ausfallen wird mangels internationaler Großproduktionen. Sondern auch weil ein paar herzhafte Lacher und eine gute Portion Herzenswärme eine gute Stärkung sein dürften für das, was nicht nur Kristen Stewart und Co. in den nächsten Tagen an politischen, gesellschaftsrelevanten und tragischen Geschichten zu sehen bekommen werden.

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