Berliner Besuch in Filderstadt Wie es um die Pflege vor Ort steht

Der Beruf der Pflegekräfte soll aufgewertet werden. Foto: imago images/photothek/Ute Grabowsky
Der Beruf der Pflegekräfte soll aufgewertet werden. Foto: imago images/photothek/Ute Grabowsky

Ein Mitarbeiter der Bundesregierung war in Filderstadt zu Besuch und hat sich ein Bild von einer Pflegeeinrichtung gemacht. Corona hat das Thema stärker in den Fokus gerückt.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Filderstadt - Im Haus am Fleinsbach in Filderstadt-Bernhausen ist der Umbau noch in vollem Gange. „Die Coronawelle hat uns kalt erwischt“, sagt Heinrich Lang, Regionalleiter des Wohlfahrtswerks. „Ursprünglich sollten die Baumaßnahmen im November letzten Jahres abgeschlossen sein. Jetzt werden wir, wenn wir Glück haben, im Dezember fertig.“

Das Wohlfahrtswerk setzt mit der Umgestaltung aktuell die Landesheimbauverordnung in Baden-Württemberg um. Der Umbau beinhaltet viele Neuerungen – so etwa die Reduzierung der Doppelzimmer, die Weiterentwicklung der Pflegeorganisation in kleinere Einheiten, sowie die Gestaltung attraktiver Aufenthaltsbereiche. Darüber hinaus werden die bisher zwei Wohnbereiche mit über 40 Plätzen in Wohngruppen mit zwölf bis 18 Plätzen umgestaltet.

Haus am Fleinsbach wird gerade umgebaut

Das Haus am Fleinsbach ist eine von zwei Einrichtungen, die der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, vergangene Woche besucht hat. Die zweite Station war die ambulante Diakoniestation Nürtingen. Sein Ziel war es, zu erfahren, wie die Einrichtungen durch die Pandemie gekommen sind. Auch sollte es darum gehen, wie die Pflege in Zukunft attraktiver gestalten werden kann. „Ich bin der Einladung gerne gefolgt“, sagt Westerfellhaus. „Die Probleme lassen sich oft einfacher lösen als gedacht, wenn man vor Ort ist.“ Er ist übrigens gelernter Krankenpfleger. „Vor allem müssen wir über Herausforderungen diskutieren“, sagt er in Filderstadt. „Es geht darum, mehr nach den Notwendigkeiten der Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen zu individualisieren.“

Die Diskussion über das Thema Pflege ist durch die Pandemie vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Meist geht es um schlechte Arbeitsbedingungen, zu geringe Bezahlung sowie das Problem des Personalmangels. Der CDU-Abgeordnete Michael Hennrich, der ebenfalls in den Pflegeeinrichtungen zu Besuch war, erkennt jedoch eine positive Entwicklung. „Pflege war früher nur von Interesse, wenn es um Skandale und Versäumnisse ging“, sagt er. „Heute diskutieren wir darüber zum Glück ganz anders – als ein gesamtgesellschaftliches Thema.“ Die Auseinandersetzung mit aktuellen und zukünftigen Herausforderungen im Bereich der häuslichen und stationären Pflege sei von großer Relevanz, so Hennrich. Weniger Bürokratie und mehr Vertrauen in die Verantwortlichen der Pflege seien entscheidend. Hennrich sieht als zentrale Punkte in der Debatte die Vergütungs- und die Nachwuchsausbildungssituation. „Ich bin froh, dass im Pflegereformgesetz jetzt schon mal entscheidende Weichen gesetzt werden“, sagt er.

Gesetz sieht höhere Löhne vor

Das im Juni verabschiedete Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (GVWG) sieht höhere Löhne, mehr Kompetenzen und mehr Personal vor, um die Pflege attraktiver zu gestalten. Außerdem sollen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen finanziell entlastet werden. Westerfellhaus sieht dies als wichtige Meilensteine, um die Pflegeversorgung künftig sicherzustellen.

Vor allem befürwortet er die längst überfällige Kompetenzerweiterung für Pflegefachkräfte. Diese haben nun die Möglichkeit, Empfehlungen zur Hilfsmittel- und Pflegehilfsmittelversorgung von Pflegebedürftigen abzugeben, an welche die Krankenkassen gebunden sind. „Damit verringert sich nicht nur der bürokratische Aufwand für alle Beteiligten“, so Westerfellhaus, „zudem können Pflegefachpersonen nun endlich all ihre Kompetenzen anwenden und das tun, wofür sie schon lange qualifiziert sind“. Diese Maßnahmen werten nicht nur den Pflegeberuf auf, sondern verbessern auch die Versorgung pflegebedürftiger Menschen.

Pflegekräfte aus dem Ausland

Heinrich Lang betont, mit dem GVWG werde eine weitere Tür zur Verbesserung der Personalausstattung von Pflegeheimen aufgestoßen. Das Wohlfahrtswerk unterstütze diese Entwicklungen durch sein Bildungszentrum mit entsprechenden Ausbildungsangeboten mit staatlich anerkannten Berufsabschlüssen. Zusätzlich werden aber auch weitere Pflegekräfte aus dem Ausland benötigt werden, um den zukünftigen Personalbedarf in der Pflege zu decken.

„Es zeichnen sich spürbar positive Entwicklungen ab, was die politischen Rahmenbedingungen und die Gestaltungsmöglichkeiten der Pflege betrifft“, sagt Lang. „Die Vergütung hat sich deutlich verbessert – auch wenn noch Luft nach oben ist. Es wurden sukzessive zusätzliche Stellen für Pflege und Betreuung eingerichtet, insbesondere in Pflegeheimen. Vor allem aber ist die politische Motivation zu weiteren, nachhaltigen Verbesserungen heute wesentlich besser als noch vor zehn Jahren“, ergänzt er.




Unsere Empfehlung für Sie