Berliner Flughafen BER ist noch nicht fertig, aber schon zu klein

Der Schriftzug soll sogar  leuchten,  sonst  läuft aber immer noch nichts auf dem neuen Berliner Großflughafen. Foto: dpa 22 Bilder
Der Schriftzug soll sogar leuchten, sonst läuft aber immer noch nichts auf dem neuen Berliner Großflughafen. Foto: dpa

Der neue Haupstadt-Flughafen BER soll 2017 starklar sein. Flughafenchef Mehdorn fordert eine rasche Erweiterung des unfertigen Airports – doch die würde das Pannenprojekt noch mehr verteuern und komplizieren.

Korrespondenten: Thomas Wüpper (wüp)
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Berlin - Es war ein Treffen in neuer Besetzung. Erstmals tagte der Aufsichtsrat der staatlichen Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) am Freitag mit dem neuen Berliner Regierungschef Michael Müller (SPD) und dem Manager Alex Arendt. Der frühere Daimler- und Rolls-Royce-Manager gilt als Hoffnungsträger, Brandenburg sähe ihn gerne als Nachfolger des abgetretenen Aufsichtsratschefs Klaus Wowereit. Potsdams Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat die Berufung in das Kontrollgremium aber abgelehnt.

Auch nach dem Treffen in Motzen bei Berlin sind beim unfertigen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg (BER) weiterhin viele Fragen offen. Insbesondere der konkrete Starttermin bleibt unklar. Erneut konnte Flughafenchef Hartmut Mehdorn kein verbindliches Eröffnungsdatum nennen.  Lange Zeit hatte die BER-Spitze versprochen, bis Ende 2014 den konkreten neuen Termin zu verkünden. Nun soll es erst Mitte 2015 so weit sein. Auch deshalb wächst der Ärger über Mehdorn bei den drei staatlichen Eigentümern der Berliner Flughäfen, dem Bund und den beiden Ländern. Der stellvertretende Chef des Aufsichtsrats, Rainer Bretschneider, und Mehdorn kündigten nach der Sitzung immerhin an, dass der Airport nun spätestens Ende 2017 eröffnen soll, sechs Jahre später als einst vorgesehen.

Starttermin schon mehrfach verschoben

Der Starttermin für das 2006 begonnene größte ostdeutsche Infrastrukturprojekt musste seit 2011 schon mehrfach verschoben und die für Mitte 2012 fest eingeplante Eröffnung damals wenige Wochen zuvor abgesagt werden. Danach trat Mehdorn als Sanierer an und wollte mit seinem neuen „Sprint“-Team die Anlagen bis nächstes Jahr fertig stellen und nach einer halbjährigen Testphase Mitte 2016 eröffnen. Dieses Ziel hat sich inzwischen als völlig unrealistisch erwiesen, da die Behebung der vielen Baumängel und Fehlplanungen nur langsam vorankommt.

Nach einem „Sprint“-Bericht für den Aufsichtsrat ist bisher nicht einmal ein Drittel der notwendigen Umbauten im Hauptterminal erledigt. Dort bereitet vor allem der Brandschutz Probleme, die eine Bauabnahme verhindern. Nach internen BER-Unterlagen, aus denen verschiedene Medien zitierten, werden die Baumaßnahmen frühestens Ende Oktober 2016 abgeschlossen sein. Demnach könnte der BER nicht vor Frühsommer 2017 in Betrieb gehen. Wegen des komplizierten Umbaus der Entrauchungsanlagen und deren Abnahme durch die Baubehörden könnte es aber auch 2018 werden.

Druck auf Mehdorn

Wegen der geringen Fortschritte steht Mehdorn seit Wochen unter Druck. Zu­dem  wurde unlängst der Leiter seines „Sprint“-Teams, Jochen Großmann, wegen Bestechlichkeit und Betrugs zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung und Geldstrafe verurteilt. Über Mehdorns baldige Ablösung wird daher weiter heftig spekuliert, als mögliche Nachfolger wurden der Kölner Flughafenchef Michael Garvens und der Münchner Airportmanager Thomas Weyer genannt. Mehdorn besitzt indes noch einen Vertrag bis Februar 2016. Besonders der Bund will angeblich keinen vorzeitigen Wechsel.

Mit der Forderung nach einer raschen Erweiterung des unfertigen Flughafens lieferte der Manager vor der Sitzung in Motzen Schlagzeilen. Mehrere Medien berichteten über ein Strategiepapier zur „Weiterentwicklung“ des BER, wonach Mehdorn den Bau eines zweiten, kleineren Terminals für rund zehn Millionen Fluggäste vorschlägt und dafür weitere 177 Millionen Euro veranschlagt. Die Entscheidungen dazu müssten jetzt getroffen werden, forderte er, sonst drohe ein „Fehlstart“. Das unfertige bisherige BER-Empfangsgebäude kann demnach nur 22 Millionen Passagiere abfertigen. An den bisherigen Berliner Flughäfen in Tegel und Schönefeld werden aber dieses Jahr rund 28 Millionen Gäste erwartet. Beide Airports sollen mit dem Start des BER schließen. Deshalb wollte Mehdorn zunächst den einstigen DDR-Airport in Schönefeld weiter nutzen. Die Kosten des BER würden mit der Erweiterung nochmals steigen. Bereits 2012 mussten die drei staatlichen Gesellschafter weitere 1,2 Milliarden Euro genehmigen, weitere 1,1 Milliarden Euro für die Fertigstellung sind beantragt. Besonders im Berliner Abgeordnetenhaus regt sich Widerstand. Die Gesamtkosten werden derzeit auf 5,4 Milliarden Euro taxiert, gut doppelt so viel wie einst veranschlagt.

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